Schweiz
Prostitution

Gericht: Prostituierter darf die Einbürgerung nicht verweigert werden     

Une prostituee attend des clients qui passent en voiture sur un trottoir du centre ville dans la nuit du jeudi 7 au vendredi 8 juillet 2014 a Lausanne. La scene de la prostitution est visible sur la r ...
Es liegt eine stabile und auf die Zukunft ausgerichtete Ehe vor – trotz der Tätigkeit der Ehefrau als Prostituierte, sagt das Bundesverwaltungsgericht.Bild: KEYSTONE

Gericht: Prostituierter darf die Einbürgerung nicht verweigert werden     

06.12.2016, 12:0006.12.2016, 12:12

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat einer Französin die erleichterte Einbürgerung allein mit der Begründung verweigert, dass sie als Prostituierte arbeite. Damit führe sie nicht eine Ehe nach herkömmlicher Sitte. Das Bundesverwaltungsgericht hat die entsprechende Verfügung nun aufgehoben.

Die Frau ist seit 15 Jahren mit einem Schweizer verheiratet, hat ein Kind mit ihm und zwei weitere aus einer früheren Ehe und pflegt neben ihrer Tätigkeit als Prostituierte ein gewöhnliches Familienleben. Ihr Ehemann ist über ihren Job im Bild.

Tätigkeit nie bestritten

Im Rahmen ihres Gesuchs um erleichterte Einbürgerung verheimlichte oder bestritt die Französin nie ihre Tätigkeit, wie das Bundesverwaltungsgericht in einem am Dienstag publizierten Urteil festhält.

In einer Stellungnahme gab sie an, dass sie neben der sexuellen Beziehung zu ihrem Mann keine unentgeltlichen sexuellen Kontakte zu anderen Männern habe.

Das SEM wies das Einbürgerungsgesuch jedoch ab und berief sich dabei auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung. Diese halte fest, dass Prostitution nicht vereinbar sei mit der einer Ehe innewohnenden Treue- und Beistandspflicht.

Prostitution

«Stabile Ehe»

Das Bundesverwaltungsgericht schreibt in seinen Erwägungen, dass es nur mit Zurückhaltung von den bisher festgelegten Grundsätzen hinsichtlich Vereinbarkeit von Prostitution und Ehe gemäss den rechtlichen Bestimmungen abweichen wolle.

Im vorliegenden Fall müsse aufgrund der Fakten jedoch davon ausgegangen werden, dass eine stabile und auf die Zukunft ausgerichtete Ehe vorliege – trotz der Tätigkeit der Ehefrau als Prostituierte.

Aus diesem Grund hat das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde der Französin gutgeheissen und die Sache zur neuen Beurteilung an das SEM zurückgewiesen. Dieses unterliess es nämlich, die weiteren Kriterien für eine erleichterte Einbürgerung zu prüfen. (whr/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
2 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2
Die brisanteste Bestimmung der 10-Millionen-Initiative steht im Kleingedruckten
Die Nachhaltigkeitsinitiative der SVP will die Schweizer Bevölkerung bis 2050 auf 10 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner begrenzen. Doch der Bund müsste schon viel früher drastische Massnahmen ergreifen.
Die Schweiz steht vor der grössten Abstimmungsschlacht des Jahres. Am 14. Juni kommt die Initiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz der SVP vors Volk. Bereits stehen die ersten Plakate in den Bahnhöfen: Ein Hammer zertrümmert die Schweiz. Auf einem zweiten Plakat heisst es: «SVP-Chaos-Initiative: Nein!»
Zur Story