Nach Campingplatz-Schliessungen im Wallis: Camping des Glaciers darf im Sommer öffnen
Vor rund vier Monaten erreichte die Hiobsbotschaft Alain Darbellay und zwölf weitere Besitzerinnen und Besitzer von Campingplätzen im Wallis. Der Kanton verkündete in einem Schreiben, dass mehrere Zeltplätze im Sommer wohl geschlossen bleiben müssten, aufgrund drohender Naturgefahren.
Darbellay, der den Betrieb in Fouly, am Fuss des Mont Blancs vor 15 Jahren von seinen Eltern übernommen hatte, reagierte schnell und berief ein Treffen mit dem Katastrophenschutz ein. Zu seinem Entsetzen sei ihm im Verlauf des Gesprächs klar geworden, dass die Behörden den Zeltplatz wohl tatsächlich komplett stilllegen wollten, sagt Darbellay gegenüber der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste».
Sensoren sollen frühzeitig warnen
Nachdem der erste Schreck überstanden war, machte sich der Leiter des Camping des Glaciers direkt an die Arbeit. Er beauftragte ein Hydrologieunternehmen, Sensoren an der Brücke beim Eingang zum Zeltplatz sowie einen Regenmesser am Flussbecken zu installieren. Die Messvorrichtungen können nun präzise den Niederschlag messen und notfalls Alarm schlagen, sollte die Gefahr einer Sturzflut ansteigen.
Die Behörden scheinen sein Engagement nun zu belohnen, so wurde Alain Dabellay mitgeteilt, dass er den unteren, weniger stark gefährdeten Teil seines Zeltplatzes im Sommer nun doch öffnen dürfe.
«Nach monatelanger Ungewissheit ist das eine Erleichterung. Wir konnten so den 1200 Campern, die bereits Plätze gebucht hatten, eine Lösung anbieten.» Trotz allem hätten rund ein Drittel der geplanten Besucherinnen und Besucher ihre Plätze diesen Sommer storniert.
Baustart für Deichprojekt noch in diesem Jahr möglich
In der Gemeinde Orsières, in welcher der Zeltplatz liegt, zeigt man sich über die Entscheidung des Kantons erleichtert. Direkt am Camping vorbei führe ein Wanderweg, welcher von 80'000 Menschen jährlich begangen werde, so der Bürgermeister der Gemeinde, Joachim Rausis gegenüber «Le Nouveliste».
«All diese Wanderer wären sowieso gekommen und hätten sich wahrscheinlich mit dem Wildcampen im Tal und den damit verbundenen Problemen abgefunden», ergänzt Darbellay.
Für eine langfristige Lösung in der Region St.Bernhard soll ein Flussschutzdeichprojekt sorgen, welches seit über zehn Jahren in Planung ist. Vor rund zwei Wochen begann die öffentliche Anhörung dazu. Sollte es seitens der Gemeinde, der Anwohnenden sowie des Bundesamts für Umwelt keine Einsprachen geben, könnte der Baustart noch in diesem Jahr erfolgen.
Die meisten Plätze bleiben geschlossen
Unter den dreizehn betroffenen Campingplätzen sind die Plätze in Fouly sowie ein weiterer in Gampel aktuell die einzigen, bei welchen der Sommerbetrieb nun zumindest teilweise gerettet sein dürfte. Sechs wurden bereits komplett geschlossen, der Zeltplatz Alphubel in Täsch befindet sich ebenfalls in Gesprächen mit den Behörden. Vier der 13 Plätze waren bereits vor dem Eintreffen des kantonalen Schreibens teilweise oder komplett geschlossen. (jul)
