DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Kreuzfahrten sind wieder gefragt.
Kreuzfahrten sind wieder gefragt.Bild: keystone

Schweizer Ferienhungrige stürmen Kreuzfahrtschiffe – ein Anbieter profitiert besonders

Obwohl viele Kreuzfahrtanbieter mit reduzierter Kapazität unterwegs sind und nicht alle Länder angelaufen werden können, steigen die Buchungen. Das liege auch an «geimpften Schiffen», so ein Anbieter.
07.06.2021, 05:36
Stefan Ehrbar / ch media

Einfach mal nur Wasser sehen, das scheint für viele Schweizerinnen und Schweizer wahre Erholung zu sein. Obwohl nach wie vor viele Reiserestriktionen bestehen, freuen sich Anbieter von Kreuzfahrtreisen über Rekordbuchungen aus dem Land der Dufourspitze, des Matterhorns und Uetlibergs.

Zu den «Big Four», den grössten Anbietern von Kreuzfahrtreisen, gehört die Norwegian Cruise Lines (NCL). Am 25. Juli legt ein Schiff der Gesellschaft nach 500 Tagen Zwangspause erstmals wieder mit Gästen ab. «Die ersten Abfahrten ab Athen im Juli und August sind bereits ausgebucht», sagt Sprecherin Julia Thiemann. Für das nächste und übernächste Jahr würden fleissig Reisen gebucht: «Unser Buchungsstand ist so gut, wie er noch niemals zu diesem Zeitpunkt des Jahres für zukünftige Jahre war».

Sind die Corona-Fälle vergessen?

Die Sehnsucht nach Reisen sei bei Gästen aus der Schweiz gross. Thielmann sagt:

«Wir spüren mit jeder weiteren Impfung einen deutlichen Aufwärtstrend. Unsere Schweizer Gäste sind nun optimistisch, dass eine Reise, die sie für dieses Jahr buchen, wie geplant stattfinden wird.»

Für diesen Sommer und Herbst buchten Schweizer vermehrt Abfahrten ab Europa. Für 2022 und 2023 registriere NCL viele Buchungen für Fernziele, sei es die Südsee, der Panamakanal, die Karibik, Südamerika und verstärkt auch wieder Ziele in den USA.

Dabei standen Kreuzfahrten zunächst wie keine andere Reiseform für die Gefahr des Coronavirus. Bekanntheit erlangte der Fall der «Diamond Princess» der US-amerikanischen Reederei Princess Cruises. Im Februar letzten Jahres wurde das Schiff im Hafen des japanischen Yokohama für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt, weil sich an Bord das Coronavirus ausgebreitet hatte. Über 700 Gäste und Crew-Mitglieder infizierten sich, 13 Menschen verstarben.

Mit «geimpften Schiffen» aus der Krise

Das soll sich nicht wiederholen. Die Schiffe der NCL verkehren darum als «vollständig geimpfte Schiffe», wie Sprecherin Thiemann sagt. Sowohl für die Crew als auch für die Gäste ist eine Impfung obligatorisch. «Das ermöglicht uns deutlich mehr Spielräume». So könne ein Borderlebnis mit allen Annehmlichkeiten geboten werden. Zudem verkehren die Schiffe zunächst nur mit einer Kapazität von 50 bis 60 Prozent.

Ähnlich hält es die Reederei MSC mit Sitz in Genf. Eine Impfung ist für Gäste nicht obligatorisch, Tests vor und während der Reise aber schon. «Die Schiffe werden mit reduzierter Kapazität fahren», sagt ein Sprecher. MSC registriere einen «stetigen Anstieg der Buchungen von Schweizer Gästen». Vor allem Kreuzfahrten im westlichen Mittelmeer, wo MSC zwei Schiffe in Betrieb hat, liefen «sehr gut»: «Dort sind wir bereits bei 75 Prozent der Buchungen im Vergleich zum Vorkrisenniveau».

Corona scheint der Beliebtheit der riesigen Schiffe mit Tausenden Gästen keinen Abbruch getan zu haben. Doch kleinere Anbieter könnten noch mehr profitieren. Darauf deutet die Entwicklung bei der norwegischen Reederei Hurtigruten hin, welche die Postschiffroute entlang der norwegischen Küste betreibt. Obwohl für Gäste aus der Schweiz und dem grossen Rest Europas in Norwegen noch eine Quarantänepflicht gilt, gehen die Buchungen durch die Decke.

Hurtigruten wähnt sich als kleinere Reederei im Vorteil für die Zeit nach der Krise.
Hurtigruten wähnt sich als kleinere Reederei im Vorteil für die Zeit nach der Krise.bild: zvg

Der gesamte Buchungsstand liege 45 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie, sagt Estelle Grassler, Sales Managerin für die Schweiz. Das sei «rekordverdächtig». «Die Nachfrage aus der Schweiz liegt ebenfalls über dem Niveau vor der Pandemie.» In den letzten 30 Tagen habe sich die Situation weiter verbessert, nachdem es positive Nachrichten über die mögliche Aufhebung der Reisebeschränkungen für geimpfte Reisende in diesem Sommer gegeben habe. «Für 2022 rechnen wir entsprechend mit einem immensen Buchungssprung.»

Hurtigruten erwarte, dass die Reiserestriktionen für Gäste aus der Schweiz im Sommer aufgehoben würden. Trotzdem werde die Kapazität an Bord wohl noch länger reduziert bleiben, auch die Zahl der Restaurantplätze sei beschränkt worden.

Das Schiff, der Klimasünder

Wenn Kreuzfahrtanbieter ihre Kapazitäten reduzieren, mag das für die Gäste angenehmer und sicherer sein. Die Klimabilanz eines einzelnen Gasts aber verschlechtert sich damit. Das zeigt eine Rechnung des «Spiegel»: Auf einer Kreuzfahrt mit 2000 bis 3000 Passagieren ist ein Gast während einer siebentägigen Tour für etwa 1.5 Tonnen CO2-Ausstoss verantwortlich. Fasst dasselbe Schiff nur 500 bis 1000 Gäste, sind es bereits 2.4 Tonnen. Ähnlich viel CO2 würde ein einzelner mit einem Langstreckenflug nach Barbados und zurück emittieren.

Das deutsche Umweltbundesamt bringt das Problem auf den Punkt:

«Kreuzfahrtschiffe sind sehr klimaschädliche Verkehrsmittel».

Das könnte längerfristig zum Problem für die Branche werden. Selbst wenn die Coronakrise ihr nichts anhaben kann, bleibt das Thema Klima virulent.

Was bringen neue Technologien?

Die Kreuzfahrtriesen reagieren ähnlich: MSC hat jüngst den Buchungsstart für das neue Schiff MSC World Europa bekanntgegeben – das erste mit einem Flüssigerdgas-Antrieb (LNG) der Flotte. Das reduziere lokale Luftschadstoffemissionen wie Schwefeloxide um bis zu 99 Prozent und Stickoxide um bis zu 85 Prozent, schreibt MSC. In Sachen CO2-Ausstoss sind LNG-Antriebe allerdings kein Heilsbringer: Selbst MSC rechnet nur mit 25 Prozent Einsparungen – und das dürfte eher optimistisch sein.

Investitionen in LNG-Schiffe haben auch die Carnival Corporation und Royal Caribbean angekündigt. NCL hat bisher kein solches Schiff geordert. Weiter geht Hurtigruten, die vier neue Schiffe erwartet. Neben einem LNG-Antrieb verfügen diese über eine Batterie, welche das Schiff während vier Stunden emissionsfrei betreiben soll.

An einer besseren Klimabilanz führe langfristig kein Weg vorbei, sagt Estelle Grassler von Hurtigruten. Und:

«Wir denken, dass sich das Reiseverhalten sehr viel grundsätzlicher ändern wird».

Menschen würden sich bewusster fürs Reisen entscheiden und auf nachhaltige Anbieter setzen. Hurtigruten mit kleinen Schiffen und weniger Gästen sei darum gut positioniert. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

10 Dinge, die du kennst, wenn du zu wenig Ferien hast

1 / 12
10 Dinge, die du kennst, wenn du zu wenig Ferien hast
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Hier werden Kreuzfahrtschiffe verschrottet

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

139 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Hugobert
07.06.2021 06:26registriert Juni 2019
Diese Drecksschleudern gehören endlich verboten. Es ist leider eine Ilusion zu meinen, der Grossteil der Menschen würde selbstlos ihr Verhalten ändern…
26534
Melden
Zum Kommentar
avatar
The fine Laird
07.06.2021 06:00registriert November 2014
Save the planet - nicht.
17217
Melden
Zum Kommentar
avatar
RicoH
07.06.2021 07:57registriert Mai 2019
Und ich Depp habe gedacht, dass die Menschen in der Pandemie etwas mehr Demut vor Mensch und Natur bekommen haben.
5212
Melden
Zum Kommentar
139
Impfstoffverträge: Streit um geschwärzte Passagen geht in die nächste Runde
Das BAG muss in den kommenden Tagen offenlegen, warum Corona-Impfstoffverträge in wichtigen Punkten geschwärzt wurden. Es droht sonst ein Skandal.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat Anfang August sämtliche Corona-Impfstoffverträge der Schweiz offengelegt. Pikante Stellen wurden jedoch weiträumig geschwärzt. So bleibt bis heute unklar, zu welchen Konditionen die Eidgenossenschaft in den vergangenen zwei Jahren für mehrere hundert Millionen Franken Deals mit Pfizer, Moderna und Co. einging. Schuld an den grossräumigen Schwärzungen waren Geheimhaltungsvereinbarungen, die die Schweiz einging und angebliche «Berufs-, Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse der jeweiligen Hersteller».

Zur Story