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SRF-Dok: Vorwürfe der Gewalt gegen Jürg Läderach und Privatschule

Läderach Servite Domino Christliche Schule Linth
Die evangelikale Privatschule in Linth.Bild: Screenshot SRF

«Kinder mit Gürtel geschlagen» – schwere Vorwürfe gegen Läderach-Schule

Ehemalige Schülerinnen und Schüler erheben schwere Vorwürfe an die evangelikale Privatschule Domino Servite. An der von Chocolatier Jürg Läderach gegründeten Schule seien Züchtigungen an der Tagesordnung gewesen.
22.09.2023, 10:4522.09.2023, 12:40
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Ein ehemaliger Schüler der evangelikalen Privatschule «Domino Servite», die heute «Christliche Schule Linth» heisst, sei dabei gewesen, als Jürg Läderach Mitschüler mit einem Gürtel geschlagen habe, wie ein SRF-Dok zeigt. Jürg Läderach bestreitet die Vorwürfe.

Die in den 90er-Jahren in Kaltbrunn SG von Jürg Läderach eröffnete Privatschule mit Internat will ihre Schüler zur «Ehrfurcht vor dem dreieinigen Gott» erziehen, wie es in ihren Statuten geschrieben steht.

«Man musste sich übers Bett bücken»

Das SRF recherchierte zweieinhalb Jahre lang. Auch die Schule selbst gab einen Bericht in Auftrag. Dort ist die Rede von Schlägen aller Art, von Schlagritualen und dass sich die Kinder dabei nackt oder halbnackt hätten ausziehen müssen. Es sei mutmasslich zu Missbrauch und sexuellen Grenzüberschreitungen gekommen.

Eine Frau, die von 1998 bis 2007 an der Schule war, erzählt gegenüber dem SRF: «Das haben alle gewusst, dass Kinder geschlagen werden. Das wurde auch gepredigt.»

Ein ehemaliger Schüler berichtet: «Man musste sich übers Bett bücken, die Hose herunterlassen und dann gab es Schläge. Ich habe jeweils versucht, mich aus dem Körper zu mogeln, damit man nichts mehr spürt. Denn es hat nicht aufgehört nach zwei, drei Schlägen. Es ging immer weiter und weiter.»

Was sagt Läderach zu den Vorwürfen?

Jürg Läderach liess derweil eidesstattlich erklären, dass er «niemals Schülerinnen oder Schüler geschlagen oder anderweitig misshandelt habe». Er bedaure «aus tiefstem Herzen», was an der Schule passiert sei. «Wir hätten schon vor Jahren entschlossen handeln müssen.» Ein Untersuchungsbericht im Auftrag der Schule bestätigte das Fehlverhalten von «ehemaligen Lehrpersonen und Gemeindemitgliedern».

Läderach sowie die damals hauptsächlich Verantwortlichen hätten sich in Briefen an Betroffene entschuldigt. Im SRF-Dok gab die damalige Internatsleiterin zu, Kinder gezüchtigt zu haben.

Vorerst keine Untersuchung

Das St.Galler Bildungsdepartement zeigt sich nach schweren Vorwürfen gegen die Schule in Kaltbrunn zurückhaltend. Die Situation sei aus Datenschutzgründen blockiert, schrieben die Behörden am Freitag auf Anfrage.

Das Bildungsdepartement des Kantons St.Gallen kündigte in der Ausstrahlung an, nach den SRF-Recherchen selbst einen Untersuchungsbericht in Auftrag geben zu wollen. Am Freitag hiess es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, dass «es seit jenem Statement fraglich geworden sei, ob dieser Schritt gemacht werden könne.»

Die Behörden müssten dafür einen Opferruf machen und zu diesem Zweck die Adressen der Betroffenen erhalten. Anfragen dazu seien jedoch von den Datenbesitzern abgelehnt worden. Die Situation sei deshalb blockiert. Das weitere Vorgehen werde nun geprüft. (rbu/sda/jaw)

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125 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Firefly
22.09.2023 11:18registriert April 2016
Wieso kann eigentlich ein religiöser Verein in der Schweiz eine Schule betreiben?
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Tokyo
22.09.2023 11:07registriert Juni 2021
religiöse Eiferer die andern vorschreiben wollen wie sie zu leben haben, die jedes Thema sexualisieren und verteufeln, nutzen sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige.
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Sarabe
22.09.2023 12:33registriert Juni 2016
Läderach, das sind doch die die den "Marsch fürs Läbe" unterstützen oder? Aber die Kinder dann schlagen, unfassbar!!! Ich bin froh das ich die Läden seit Jahren nicht mehr betreten habe!
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