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Neue Zahlen: So präsent ist Antisemitismus in der Schweiz

Neue Zahlen: So präsent ist Antisemitismus in der Schweiz

10.03.2026, 09:0410.03.2026, 09:04

Die Anzahl antisemitischer Vorfälle in der Schweiz ist im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau geblieben. Während in der realen Welt ein Rückgang zu verzeichnen war, registrierte der Israelitische Gemeindebund eine starke Zunahme von Online-Antisemitismus.

Kundgebung auf dem Helvetiaplatz nach einer Mahnwache in Zuerich am Sonntag, 3. Maerz 2024. Die Menschen trugen gelbe Regenschirme als Symbol gegen Antisemitismus. Am Samstagabend hatte ein Jugendlich ...
Eine Frau bei einer Mahnwache in Zürich.Bild: keystone

Im Internet wurden im Berichtsjahr fast 2200 Vorfälle erfasst, wie dem am Dienstag veröffentlichten Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) zu entnehmen ist. Im Jahr zuvor waren es rund 1600. Das entspricht einer Zunahme um 37 Prozent.

Zwei Drittel und damit der grösste Teil der Online-Vorfälle entfiel dem Bericht zufolge auf die Nachrichtenplattform Telegram, gefolgt von den Kommentarspalten von Online-Zeitungen. Auf allen grossen Social-Media-Plattformen seien antisemitische Inhalte zu finden gewesen. Inhaltlich dominierten antisemitische Verschwörungstheorien mit einem Anteil von 42 Prozent.

Weniger Vorfälle abseits des Internets

In der «realen Welt» sind die Vorfälle 2025 laut dem Bericht verglichen mit dem Vorjahr um rund ein Fünftel auf 177 zurückgegangen. Gemeldet wurden fünf Tätlichkeiten, 42 Beschimpfungen, 80 antisemitische Aussagen und 28 Schmierereien.

Eine Rückkehr zum Niveau vor dem 7. Oktober 2023 sei nicht erkennbar, heisst es weiter. Zum Vergleich: Im Berichtsjahr 2022 registrierte der SIG – exklusive online – 57 antisemitische Vorfälle. Der Krieg im Nahen Osten sei übergreifend der wichtigste Auslöser geblieben, online bei rund einem Viertel der Inhalte, in der realen Welt bei mehr als einem Drittel.

Die anhaltend hohe Anzahl der Vorfälle wirke sich zunehmend auf das Sicherheitsgefühl und die gesellschaftliche Teilhabe jüdischer Menschen in der Schweiz aus, schrieben die SIG und die GRA in der gemeinsamen Mitteilung. Sie warnen davor, dass Politik und Gesellschaft ein gewisses Mass an Antisemitismus als normal oder unvermeidbar hinnehmen würden. «Einer solchen Entwicklung muss entschieden entgegengetreten werden.» (dab/sda)

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58 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jep.
10.03.2026 09:50registriert Januar 2022
Antisemitismus, wie auch sonstiger Rassismus gehört verfolgt und die Betreiber der Plattformen müssen kooperieren. Das Gesetz gilt online genauso und muss ebenso angewendet werden.

Wichtig finde ich, dass klar unterschieden wird zur Kritik an Israel als Staat bzw. der hiesigen Regierung. Der Massstab zur Definition darf nicht die Regierung dort sein, denn diese fasst jegliche Kritik als Antisemitismus auf. Ich hoffe, der SIG kann hier differenzieren.
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Paul M
10.03.2026 11:59registriert Mai 2023
Ja, Antisemitismus gehört verfolgt. Aber dann gibt es noch sehr viele andere Extemismusse (oder wie immer das Wort heisst....) die genau so verfolgt werden sollten, aber die lässt man gewähren.
Es ist leider auch so, dass immer sehr schnell Kritik an Israel als Antisemitismus ausgelegt wird. Und da ist es leider schon so, dass der Staat, wie er sich seit Jahrzehnten benimmt, nicht sehr viel unternimmt, ihn positiv zu sehen. Wenn andere Länder so vorgehen würden wären sie längst vor dem IGH angeklagt - aber Israel lässt man gewähren.... Auch die jüdische Gemeinschaft bleibt vorwiegend ruhig...
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nature
10.03.2026 10:48registriert November 2021
Interessant ist die Entwicklung, dass die Tolerierung anderer Rassismus- und Diskriminierungsformen ständig mit der Meinungsfreiheit begründet wird und gleichzeitig die Definition von Antisemitismus immer breiter ausgelegt wird. Die Medien haben diese Tendenz massiv gefördert. Viele Menschen haben dies erkannt und reagieren halt darauf.
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