Schweiz
Schule - Bildung

Lehrerverband will keine Lehrerinnen mit Kopftuch an Schweizer Schulen

Dagmar Roesler, Zentralpraesidentin, vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) spricht bei der Einweihung eines Wagens des Schul- und Erlebniszug zum Thema "Fake News", am Diensta ...
«Wir plädieren dafür, auf religiöse Symbole zu verzichten»: LCH-Präsidentin Dagmar Rösler.Bild: KEYSTONE

«Aus vielleicht fünf Lehrpersonen mit Kopftuch wird eine grosse Geschichte gemacht»

Lehrerinnen und Lehrer sollen an Schweizer Schulen keine religiösen Symbole tragen. Das empfiehlt der Dachverband, nachdem Diskussionen um Kopftücher die Debatte neu entfacht hatte.
25.04.2026, 22:0725.04.2026, 22:39

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH empfiehlt Lehrpersonen in einem neuen Positionspapier, aufs Tragen starker religiöser Symbole zu verzichten. Dazu gehören etwa Kopftücher. Am Samstag hat die Präsidentenkonferenz des LCH das Papier verabschiedet.

Wie LCH-Präsidentin Dagmar Rösler den Tamedia-Zeitungen am Samstagabend in einem Interview bekanntgab, fiel der Entscheid deutlich. Rösler sagte weiter, öffentliche Schulen müssten in der Schweiz politisch und konfessionell neutral sein. Bei Lehrpersonen gelte deshalb eine Neutralitätspflicht.

«Unserer Meinung nach ist diese nicht erfüllt, wenn sie in der Schule starke religiöse Symbole zeigen. Deshalb plädieren wir dafür, auf solche Symbole zu verzichten.» Es handle sich um eine Empfehlung – die Kantone bestimmten, was an den Schulen gelte.

Keine Interventionen geplant

Intervenieren werde der LCH nicht, wenn eine Lehrperson auf das Tragen von starken religiösen Symbolen nicht verzichten könne. Das Thema werde «auch viel grösser gemacht, als es tatsächlich ist», sagte Rösler weiter. Und:

«Aus vielleicht fünf Lehrpersonen mit Kopftuch wird eine grosse Geschichte gemacht. Das finde ich unverhältnismässig.»

Die Präsidentenkonferenz habe sich generell zu Kleidervorschriften geäussert und das Tragen religiöser Symbole sei nur ein kleiner Teil davon. Auch habe sich die Konferenz nicht gegen das Tragen religiöser Symbole durch Schülerinnen und Schüler ausgesprochen.

Dies, weil es bei ihnen um das Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit gehe, solange keine konkrete Gefährdung des Schulfriedens oder der staatlichen Neutralität bestehe. Lehrpersonen befänden sich in einer anderen Situation.

Mehrere Vorstösse in Schweiz hängig

In der Schweiz sind in den vergangenen Monaten mehrere Vorstösse zu Kopftüchern an Schulen eingereicht worden – auf Bundesebene ebenso wie auf Kantonsebene. Der Bundesrat hat sich gegen ein Kopftuchverbot an Schulen ausgesprochen. Ein solches Verbot verstosse gegen die Verfassung, insbesondere gegen die Religionsfreiheit sowie persönliche und private Rechte.

Auch der Islamwissenschaftler Amir Dziri vom Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg kritisiert das Vorhaben. Ein gesetzliches Verbot von Kleidung wirke spaltend. Zudem könne eine solche Regel leicht umgangen werden, etwa durch Privat- oder Heimunterricht. Dies führe eher zu Isolation als zu Integration (sda)

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163 Kommentare
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Naseimalnichtso...
25.04.2026 22:34registriert Januar 2021
"Auch ... Amir Dziri ... kritisiert das Vorhaben. ... Zudem könne eine solche Regel leicht umgangen werden, etwa durch Privat- oder Heimunterricht. ..."

Ich finde diese Aussage unterstreicht einen bereits bestehenden Mangel an Integrationsbereitschaft, sollte jemand derartige Ausweichmöglichkeiten aufgrund eines Kopftuches suchen.
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burroamoroso
25.04.2026 22:44registriert März 2015
Sehr gut. Religiöse Gegenstände und Kleidung gehören nicht in die Bildungseinrichtungen. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Rassismus zu tun. Wer ein Problem damit hat darf sehr gerne in ein Land ziehen wo das anders ist.
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derEchteElch
25.04.2026 22:42registriert Juni 2017
«Aus fünf Lehrpersonen mit Kopftuch ….»

Das sind nunmal sechs Personen zu viel.
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