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Schweiz
Schwyz

Am Grossen Mythen gibt es am meisten Wanderopfer der Schweiz

Ein Wanderer beim Aufstieg auf den Grossen Mythen, am Samstag, 11. September 2021, bei Brunni SZ. (KEYSTONE/Simon Meier)
Hausberg des Kantons Schwyz: Der Grosse Mythen, 1899 Meter über Meer.Bild: keystone

Die tödlichste Bergwanderung der Schweiz: Am Grossen Mythen gibt es am meisten Wanderopfer

Das schöne Wetter, die frische Bergluft, die körperliche Ertüchtigung: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer schnüren die Wanderschuhe. Der Boom hat auch eine Schattenseite. Bei Bergwanderungen verunfallen tendenziell immer mehr Menschen tödlich.
09.08.2022, 18:51
Kari Kälin / ch media

Der 41-jährige Niederländer konnte nur noch tot geborgen werden. Vor einer Woche stürzte er beim Abstieg von der Nüneneflue in Richtung «Schwalmere» über einen felsigen Steilhang. Das Drama in den Berner Voralpen reiht sich ein in eine Serie von Bergwanderungen mit tödlichem Ausgang. Im viel bewanderten Alpstein in der Ostschweiz verloren allein in diesem Sommer fünf Personen ihr Leben. Die Gegend ist durch das berühmte Berggasthaus Äscher im Kanton Appenzell Innerrhoden noch verstärkt zu einem Publikumsmagnet avanciert; es sorgte in sozialen Medien für Furore.

Im letzten Jahr registrierte der Schweizer Alpen-Club SAC einen traurigen Rekord: 68 Menschen starben bei Bergwanderungen. Bruno Hasler ist Bergführer und beim SAC verantwortlich für die Bergnotfallstatistik. Die Zahlen für das laufende Jahr sind noch nicht ausgewertet, doch er geht von einer Zunahme aus. Darauf deuten auch Zahlen der Rega hin, die in diesem Jahr bis jetzt so viele Einsätze geflogen sind wie noch nie. An einem schönen Wochenende hört und sieht man selber, wie oft am Himmel die Rotoren der Rettungshelikopter brummen.

Ein Land von Wandervögeln

Schnürten 2014 noch gut 44 Prozent die Wanderschuhe, waren es gemäss einer Studie des Bundes sechs Jahre später bereits knapp 57 Prozent. Kurzum: Je mehr Personen eine Bergwanderung unternehmen, desto mehr Unfälle passieren.

Ganz allgemein lässt sich festhalten: Bergwanderwege führen teils durch unwegsames Gelände, sind steil, schmal und teilweise exponiert, wie der Verband Schweizer Wanderwege schreibt. Wer die Natur in der hiesigen Berglandschaft geniessen will, sollte körperlich fit, schwindelfrei und trittsicher sein oder zum Beispiel auch wissen, dass das Wetter ganz schnell umschlagen kann.

Die wichtigsten Tipps beim Bergwandern
1. Wanderung sorgfältig planen Schwierigkeit (Wegkategorie) und körperliche Anforderungen, Zeitbedarf, Fähigkeiten der Wandergruppe, Wegverhältnisse und Wetter berücksichtigen. Wer allein unterwegs ist, informiert eine Drittperson.
2. Passende Ausrüstung wählen Feste Wanderschuhe mit griffigem Profil, warme und wetterfeste Kleidung, Sonnenschutz, Karte, Proviant, Notfallapotheke und Mobiltelefon sind immer dabei.
3. Unterwegs aufmerksam bleiben Regelmässig Pause machen, trinken und essen. Zeitplan, Wetter, Wegverhältnisse und Verfassung der Wandergruppe beobachten. Im Zweifelsfall rechtzeitig umkehren oder eine Alternativroute wählen.

Ein Fünftel ist nicht trittsicher

Doch nicht alle sind sich bewusst, dass ein mit vielen Höhenmetern und schwierigen Passagen gespickter Bergwanderweg nichts mit einem Sonntagsspaziergang zu tun hat, für den zur Not auch Sandalen taugen. Gemäss Erhebungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) sind ein Viertel der Bergwanderer nur mässig oder überhaupt nicht fit, ein Fünftel nicht trittsicher. Dennoch bevölkerten sie weiss-rot-weiss markierte Pfade.

11 Dinge, die bei deiner nächsten Wanderung schiefgehen können

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

37 Prozent sogar waren sich nicht bewusst, dass auf Bergwanderwegen exponierte Stellen mit Absturzgefahr vorkommen. Die BFU hat vor zwei Jahren eine Kampagne neu lanciert mit diversen Plakaten und anderen Aktivitäten. In einem Selbsttest findet man heraus, ob man das nächste Abenteuer gerüstet ist. (aargauerzeitung.ch)

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Fernweh? Ferien sind auch nicht immer lustig

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Fernweh? Ferien sind auch nicht immer lustig
quelle: imgur
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Eine kanadische Liebeserklärung an die Schweiz

Video: watson

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76 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pacha Mama
09.08.2022 19:26registriert Dezember 2018
Die Überschrift lässt mich schmunzeln: Der Mythen ist eigentlich eine verhältnismässig leichte Wanderung und recht ungefährlich. Nur denkt halt jeder Touri, dass man da mit Flip-Flops raufspazieren kann. Am besten noch am Handy oder ein paar schöne Selfies mit dem Handystick fürs Insta-Profil🤷🏽‍♂️
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Smee Afshin.
09.08.2022 20:41registriert April 2021
Ja, ja, jetzt ist wieder jeder der beste Pfadfinder und alteingeschweissteste Naturbursche, und die Holländer sind halt nicht bergtauglich.
Diese Überheblichkeit ist gefährlich. Kannst du sagen "Das traue ich mir nicht zu", "die da oben sind halt besser als ich, ICH kann das nicht", "ich habe Angst, da mach ich das lieber nicht", ...? Kannst du umkehren? Kannst du als gutes Beispiel vorangehen? oder verletzt es deinen Stolz, wenn du aufgeben musst?
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plaga versus
09.08.2022 19:20registriert November 2015
Im Fall des Mannes an der Nünenenfluh, war er weitab von rotweissen Bergwanderungen unterwegs. Diese Tour ist T5/6 und nur absolut sicheren Berggänger*innen vorbehalten. Kommt noch hinzu, dass er die Tour in der falschen Richtung absolviert hat. Vermutlich, weil er die Tour wohl spontan angepasst hat. Aber das ist meine persönliche These.
Überhaupt sind die ungeplanten, spontanen Änderungen von Touren für mich eine der grössten Unfallpotenzierer. Würde mich interessieren, obs diesbezüglich Zahlen oder Studien gibt.
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