Er setzt sich für queere Menschen ein: Ivo Bieri (SP) ist neu der «höchste» Stadtzürcher
Das Zürcher Stadtparlament hat einen neuen Präsidenten: Ivo Bieri (SP) ist am Mittwoch mit 104 von 115 Stimmen gewählt worden. Er wünscht sich, dass die Ratsmitglieder aus ihren «Bubbles» herauskommen und mehr miteinander reden.
«Wir alle bewegen uns in Bubbles, politisch, sozial und beruflich», sagte der neue Ratsvorsitzende in seiner Antrittsrede. Das sei menschlich, aber auch etwas gefährlich. Denn ein Parlament funktioniere nur, wenn man die eigenen Überzeugungen hinterfrage.
Schwuler Präsident «nichts Aussergewöhnliches»
«Starre Blockmeinungen führen selten zu guten Lösungen.» Deshalb sein Auftrag an die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte: «Gehen Sie mit drei Leuten aus anderen Fraktionen ein Bier trinken.» Man könne sich auch dann gut unterhalten, wenn man nicht gleicher Meinung sei.
Der 41-jährige SP-Politiker aus Witikon sitzt seit Juli 2021 im Gemeinderat. Er ist Mit-Inhaber einer Kommunikationsagentur und setzt sich für die Rechte von queeren Menschen ein. Ein schwuler Ratspräsident ist für ihn «nichts Aussergewöhnliches, sondern selbstverständlich». Diese Vielfalt gehöre ins Parlament.
Bieri löst Christian Huser (FDP) ab, der die Sitzungen ein Jahr lang leitete. Dem neuen Ratspräsidenten steht im Amtsjahr 2026/2027 als erster Vizepräsident Christian Traber (Mitte) zur Seite. Er wurde mit 106 Stimmen gewählt. Zum zweiten Vizepräsidenten ernannte das Parlament mit 78 Stimmen Sebastian Zopfi (SVP).
Erste Gemeinderätin mit Kopftuch
Vera Çelik (SP) hielt die Rede als jüngstes Ratsmitglied. Sie ist 20 Jahre alt, aus Seebach, arbeitet als Dentalassistentin und bezeichnet sich als Feministin. Sie sei in die Politik gegangen, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, sagte sie. Sie wünsche sich ein Zürich, in dem jeder sicher und willkommen sei.
Als erste Gemeinderätin trägt Çelik Kopftuch - eine Entscheidung, die ihr bereits Schlagzeilen einbrachte. Regierungsnahe türkische Medien feierten ihre Wahl. Çelik betonte daraufhin, dass sie als Schweizer Politikerin nichts mit türkischer Politik zu tun habe. (sda)
