Schweiz
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Günter Struchen ist mit dem halben Universum verbunden. bild: schlafwandler.ch

Interview

Dem irrsten Briefschreiber der Schweiz wurde bis jetzt höchstens Syphilis gewünscht

Der Briefe schreibende Günter Struchen hat seine sinnwidrige Korrespondenz mit allerlei Schweizer Behörden und Institutionen vertont – den Song zum Hörbuch hat der Patent-Ochsner-Gitarrist Disu Gmünder eigens dafür komponiert.



Falls du dich fragst, wer die bescheuertesten Briefe aller Zeiten verfasst, dann kriegst du hier die Antwort. Es ist der eidgenössisch diplomierte Meeresbiologe Günter Struchen. Er mag aber schon länger nicht mehr den Gesängen der Buckelwale lauschen. Er sitzt lieber am Schreibtisch und belästigt die Politiker, Künstler, Institutionen und Behörden unseres Landes mit seinen sonderbaren Anfragen.

Von Chris von Rohr will er wissen, warum Nilpferde so fett sind. Chris von Rohr weiss es leider nicht. Dafür hat Herr Struchen in Erfahrung gebracht, dass Furzen im Kino Aarau stillschweigend toleriert wird. Die Bereichsleitung Backoffice des Kinos empfiehlt allerdings, dafür eine besonders laute Szene abzuwarten.

«Fertig Robidog!» – Das Hörbuch

Flavio Carrera alias Günter Struchen hat sein Meisterwerk «Fertig Robidog!» auch als Hörbuch herausgegeben. Es ist ein Best Of aus fünf Jahren sinnwidriger Korrespondenz u.a. mit dem buddhistischen Zentrum Karma Kagyü in Zürich, mit Intissimi/Schild AG in Luzern und dem Bahnhof-WC Urnäsch. Gelesen werden die Briefwechsel von Matto Kämpf, Sigi Arnold und Newa Grawit.
Das Hörbuch ist beim Schlafwandler-Verlag erschienen.

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Eine Doppel-CD des Wahnsinns. bild: schlafwandler.ch

Womöglich versucht Günter Struchen mit all seinen Briefen, sich über seine Halbglatze hinwegzuschreiben. Der Haarverlust von Männern mittleren Alters kann zuweilen wunderliche Blüten treiben. Aber wir wollen ihn selbst dazu befragen:

Herr Struchen. Sie sind ja als Meeresbiologe kläglich gescheitert. Wie kam es, dass Sie nun diverse Politiker, Institutionen und Behörden mit ihren merkwürdigen Briefen nerven?
Günter Struchen: Vor ein paar Jahren sass ich, weil arbeitslos, auf einer Parkbank im Dählhölzli in Bern und streute Brot-Brösmeli ins Flamingo-Gehege, als ich Zeuge davon wurde, wie ein Groseli das Nano-Gageli ihres Pudels fein säuberlich aufwischte, gerade so als sei es das Selbstverständlichste überhaupt. Irgendwie war dem Tierchen anzusehen, dass es ob dieser Bevormundung schier verzweifelte. Das arme Ding – ein Nachfahre des Wolfes notabene – war nicht nur zum Stöckli-bringenden Chrüppeli niedergezüchtet worden, sondern durfte darüber hinaus nicht einmal mehr dorthin gaglen, wo es wollte.

Das weckte den Rebellen in mir. Dergleichen Ungerechtigkeiten dürfen doch nicht widerstandslos akzeptiert werden? Seither scheue ich keinen Aufwand und schrecke vor keiner Frage zurück. Das Briefpapier ist meine Lanze, das Selbstverständliche die Windmühle am Horizont!

Hörbeispiel: «Sehr blinde Bewerbung»

Es gibt doch sicher Adressaten, die wenig Verständnis für Ihre Anfragen aufbringen konnten. 
Unter den Antworten auf die über 1500 Briefe, die ich im vergangenen Jahrzehnt in alle Welt versendete, waren weniger als eine Handvoll, die mir mindestens einen Bandscheibenvorfall und maximal Syphilis wünschten. Ich kann mir das nur auf drei Arten erklären.

Und die wären?
A) Entweder sind die Institutionen, Behörden und Politiker, die ich anschrieb, ihrerseits in ähnlichem Ausmass komplett-bescheuert, wie ich es bin. Oder aber B) Meine Mission hat tatsächlich ihre Berechtigung! Natürlich ist es gerade so gut auch möglich, dass weder Antwort A) noch Antwort B), sondern viel mehr Antwort E) «in den Wald scheissen» zutrifft.

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Haben Sie Disu Gmünder – den Gitarristen von Patent Ochsner – mit Bachforellen oder Ähnlichem gelockt, damit er Ihren Song «Günter Struchen» produziert?
Ich musste ihn nicht locken, es war vielmehr ein Glücksfang. 2012, an einem Konzert am Gurten, war ich ob der fantastischen Musik derart in Ekstase versetzt, dass ich in einem Akt der Spontaneität meine Unterhose auf die Bühne schmiss, wo sie toute juste in der Posaune Disu Gmünders landete. Seither pflegen wir eine rege Brieffreundschaft, ja wir haben uns sogar schon einmal gegenseitig die Namen vorgetanzt.

Disu Gmünder mit seiner Posaune und besagter Unterhose

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gif: watson, bilder: disu gmünder

Der besagte Song

Wenn man sich die beiden CDs angehört hat, was kann man dann damit machen?
Ach, ich glaube dieser Frage liegt eine viel grundsätzlichere zugrunde. Eine Frage, die sich jedes Wesen ab Orang Utan aufwärts wohl schon einmal gestellt hat. Nämlich:

«Was, stärneföifi noch einmal, soll eigentlich der ganze Mist?»

Der Philosoph Empodokles meinte einst, man solle sich angesichts der ganzen Sinnwidrigkeit des Kosmos von solchen Sinnfragen fernhalten und sich stattdessen in jeder Handlung die ganz simple Frage stellen: «Wähle ich den Pfad der Liebe, oder jenen des Hasses?»

Und was hat das jetzt genau mit dem Hörbuch zu tun?
Um eine positive kosmische Liebesbilanz zu erreichen, können die CDs einer verflossenen Liebe, dem bornierten Chef, dem lebensmüden Grossvater oder einem anstrengenden Onkel weiterverschenkt werden. Oder aber man wählt den Pfad des Hasses und errichtet mit ihnen auf dem Marktplatz in Oberwil-Lieli ein riesiges CD-Minarett, bewirft Tierliquäler oder zerkratzt die Autos intoleranter Seckelpeter.

Sie betreiben neben dem Briefeschreiben auch ein Unterhosen-Geschäft. Die Struchn Fäschn Ungerhosi & Mode X Ce Soirs GmbH. Worauf dürfen wir uns im neuen Jahr freuen?
2017 möchten wir gerne einen Papa-Moll-Büstenhalter mit Klettverschluss auf den Markt bringen. Die Verhandlungen sind noch im Gang. Es ist kompliziert.

Hörbeispiel: «Ungerhosi-Kooperation»

Apropos Unterhosen: Justin Bieber trägt offenbar etwas anderes

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    Alle Leser-Kommentare
  • simiimi 18.12.2016 14:22
    Highlight Highlight Hä, gibts diesen Typen echt, oder ist er nur eine Kunstfigur?
    • Anna Rothenfluh 18.12.2016 15:42
      Highlight Highlight Der Günter ist tatsächlich eine Kunstfigur. Sein Schöpfer heisst Flavio Carrera. Ich bin allerdings nicht so sicher, ob die beiden nicht längst ineinander verschmolzen sind.
  • Mytilus 18.12.2016 14:20
    Highlight Highlight Leider keine neue Idee: So in den 70gern tat das schon ein gewisser René Schweizer, gibt mindestens 2 Bücher über seine witzige Korrespondenz mit Ämtern und Cervelatprominenz.
  • Daenerys Targaryen 18.12.2016 13:47
    Highlight Highlight Ich mag seinen Humor, der ein bisschen schräg ist, aber lustig ist! In das Hörbuch reinzuhören lohnt sich 💪
  • Micha Moser 18.12.2016 13:24
    Highlight Highlight Ich bin komplett verwirrt. Aber das Interview war witzig
  • Meitlibei 18.12.2016 13:18
    Highlight Highlight Auch wenn ich besagtes Buch selbst besitze ist dieses Interview wirklich Breaking News würdig?? Bitte stellt euren Push Service endlich anständig ein oder zeigt eurem Praktikant den Unterschied zwischen wirklich Weltbewegend und nicht so wichtig.
    • CosmicBertha 19.12.2016 11:23
      Highlight Highlight PraktikantInnen zu sein (weil es gibt nicht nur Männer, die Heutzutage diesen Posten belegen) ist nicht soooo einfach wie man denkt ;)

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