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Schweiz
SRF-Arena

«Arena» mindestens drei Wochen ohne SVP – Gespräche erst vor Ostern

«Arena» mindestens drei Wochen ohne SVP – Gespräch mit SRG-Leitung erst vor Ostern geplant

Nach der Rassismuskritik von Moderator Sandro Brotz am Fraktionschef der SVP, Thomas Aeschi, bleibt die Partei der «Arena» fern. Die SVP erhofft sich Rückenwind bei der Sammlung der Unterschriften für die Initiative zur Senkung der SRG-Gebühren.
23.03.2022, 19:3723.03.2022, 20:02
Francesco Benini / ch media

Die kommenden drei «Arena»-Sendungen finden ohne Vertreter der SVP statt. Laut zuverlässigen Quellen ist die von der SVP geforderte Aussprache mit der SRG-Spitze erst auf Gründonnerstag, den 14. April, angesetzt worden.

Am Dienstagabend hatte die SVP in einem offenen Brief an die SRG-Leitung mitgeteilt, dass sie «bis auf weiteres» auf eine Teilnahme an der «Arena» des Schweizer Fernsehens verzichte.

«Brotz hat sich als Richter aufgespielt»

Die Volkspartei wirft dem «Arena»-Moderator Sandro Brotz vor, dass er sich am vergangenen Freitag gegenüber dem SVP-Fraktionspräsidenten «als Richter aufgespielt» habe. Diese «Grenzüberschreitung» stehe im Widerspruch zum gesetzlichen Auftrag der SRG, Inhalte sachgerecht und neutral darzustellen.

Was war geschehen? Thomas Aeschi hatte im Parlament gesagt, es dürfe nicht sein, dass Nigerianer oder Iraker mit ukrainischen Pässen plötzlich 18-jährige Ukrainerinnen vergewaltigten. Aeschi bezog sich auf ein Verbrechen, das die Behörden in Düsseldorf untersuchen. Er sagte das im Parlament aber nicht.

Thomas Aeschi, SVP-ZG, spricht zur Grossen Kammer, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 15. September 2021 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Thomas Aeschi steht derzeit in der Kritik.Bild: keystone

Die grüne Fraktionspräsidentin Aline Trede blieb daraufhin der «Arena» fern, in der Politiker über die Folgen des Kriegs in der Ukraine diskutierten. Sie begründete dies damit, dass der «rassistischen Hetze von SVP-Exponent Aeschi keine Plattform geboten werden soll».

Aeschi soll gegen Boykott gewesen sein

In der «Arena» hielt auch Moderator Sandro Brotz dem SVP-Nationalrat Rassismus vor. Brotz verwies auf die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, die zu einem entsprechenden Schluss gekommen sei. Als Aeschi zu einer Entgegnung ansetzte, sagte Brotz, es gebe an der Einschätzung der Kommission nichts zu rütteln. Der Moderator wirkte dabei ziemlich aufgebracht.

Sandro Brotz gegen SVP-Aeschi in der Arena vom 18. März 2022

Video: twitter/Sandro Brotz

Aus der SVP ist zu hören: Den «Arena»-Boykott habe der Ausschuss der Parteileitung beschlossen. Thomas Aeschi selber sei skeptisch gegenüber diesem Schritt – denn er finde es nicht gut, wenn die Partei in der Politdiskussion des Schweizer Fernsehens nicht vorkomme. Ausserdem sei Aeschi per du mit Brotz und finde ihn bei weitem nicht so schlimm wie andere SVP-Exponenten. Einen Teil der Intervention des Moderators habe Aeschi als übertrieben rechthaberisch wahrgenommen. Der Zuger Nationalrat war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die SVP pflegt die SRG seit Jahren als Feindbild

Die Mehrheit des Parteileitungsausschusses fand aber, dass der Zeitpunkt geeignet sei für einen «Arena»-Boykott – denn die SVP startet bald die Unterschriftensammlung für ihre Volksinitiative: Diese verlangt, dass die Haushaltsabgabe, die vor allem der SRG zukommt, von 335 auf 200 Franken pro Jahr gesenkt wird. Ausserdem pflegt die SVP den öffentlichen Rundfunk schon lange als Feindbild. Der Hauptvorwurf lautet dabei, dass die SRG in ihrer Berichterstattung eine Linkstendenz habe. In einigen Sendungen ist es unverkennbar, wo die politischen Präferenzen der SRG-Journalisten liegen. Die SVP trägt mit ihrer Kritik aber dick auf.

Der Unmut über die «Arena» hat nicht nur mit dem Moderator zu tun. Vor einigen Jahren war es Praxis des Schweizer Fernsehens, die Parteien zu kontaktieren: Welcher Exponent ist für ein bestimmtes Thema in der «Arena» geeignet? Die Parteien unterbreiteten SRF Vorschläge.

Heute fragt die Redaktion der politischen Diskussionssendung die Politiker an, ohne die Parteien einzuschalten. In der SVP war man verschiedentlich nicht glücklich mit der Auswahl, welche die «Arena» traf. Nationalrat Roger Köppel zum Beispiel wird seit einiger Zeit nicht mehr in die Sendung eingeladen. Köppels «Weltwoche» kritisiert Moderator Sandro Brotz immer wieder scharf und verlangt dessen Absetzung. (aargauerzeitung.ch)

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SVP-Abstimmungsplakate

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quelle: keystone / str
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Ausschnitt der Rede von Thomas Aeschi SVP vom 16. März 2022

Video: twitter

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138 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bringyourlight
23.03.2022 19:56registriert März 2021
Es ist beängstigend, dass die SVP noch immer die grösste Partei der Schweiz ist und deren Politiker noch immer Spitzenpositionen in der Landesregierung besetzen.
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Daniel Pünter
23.03.2022 20:12registriert April 2021
Was? Gründonnerstag soll das Meeting stattfinden? Wieso nicht erst an Weihnachten?
Die SVP gehört mit solchen Exponenten sowieso nicht in die Arena. Je länger sie fernbleiben umso besser.
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Thomas Melone
23.03.2022 22:31registriert Mai 2014
Hätte die SVP die alleinige Macht, müssten die, die Rassisten als Rassisten bezeichnen, für 15 Jahre in den Knast.
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