Medienbericht: Roger Elsener soll neuer SRF-Direktor werden
Roger Elsener soll der neue Direktor des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) werden. Dies berichtete die «Republik» am Sonntagnachmittag. Der zuständige SRG-Nominationsausschuss habe den 49-Jährigen als einzigen Kandidaten für das Amt vorgeschlagen; zudem empfehle auch der Personalausschuss der SRG Deutschschweiz ihn zur Wahl.
Voraussichtlich werde der SRG-Verwaltungsrat Elsener am Dienstag offiziell ernennen, dieser Schritt sei jedoch blosse Formsache, so die «Republik».
Seit Oktober 2024 ist Roger Elsener CEO des TV-Streaming-Anbieters Zattoo, welcher zur Zürcher TX Group gehört. Davor hatte er mehr als zehn Jahre für die CH Media AG, zu welcher watson sowie mehrere Regionalradios und Fernsehsender gehören, gearbeitet, unter anderem als Chef der Abteilung Entertainment und als CEO der CH Media TV AG.
Wie die «Republik» berichtet, gelte Elsener mehr als Mann des Entertainments als als Mann der Information oder des Service Public. Seine Wahl sei somit auch ein medienpolitisches Signal der SRG-Spitze. Zuletzt soll sich Elsener im Nominationsverfahren gegen Anita Richner durchgesetzt haben. Die 59-Jährige ist die Ehefrau des «Nebelspalter»-Chefredaktors Markus Somm und arbeitet selbst beim SRF als Angebotsverantwortliche Reportagen & Talk.
Machtkonzentration an der SRG-Spitze
Nicht nur Elsener soll am Dienstag vom SRG-Verwaltungsrat gewählt werden, sondern auch die Leiter der Abteilung «Operationen» und der Abteilung «Angebot und Distribution». Diese Wahlen würden allerdings nicht in Vollbesetzung (der SRG-Verwaltungsrat zählt eigentlich neun Köpfe) durchgeführt, denn die langjährige Verwaltungsrätin Ursula Gut-Winterberger, die Ende letzten Jahres planmässig zurückgetreten war, sei bislang nicht ersetzt worden.
Im Rahmen der Neustrukturierung der SRG (die neu geschaffene Abteilung Angebot und Distribution wird zukünftig für sämtliche Sendungen in den Bereichen Fiktion und Sport verantwortlich sein, auch bei RTS, RSI und RTR) wird Roger Elsener nur noch für die deutschsprachigen Sendungen in den Bereichen Information, Gesellschaft und Wissen, Kultur und Unterhaltung zuständig sein. Somit werde er innerhalb der SRG im Vergleich zu seiner Vorgängerin über signifikant weniger Einfluss und Finanzmittel verfügen.
In den vergangenen Wochen bis zu diesem Sonntag hin habe wohl der Abstimmungskampf die gesamte Aufmerksamkeit zum Thema SRG auf sich gezogen – und viele Fragen aufgeworfen. Wie es nun um die redaktionelle Unabhängigkeiten von SRF, RTS, RSI und RTR bestellt sei, oder wie der öffentliche Rundfunk auch künftig gegen Druckversuche und politische Einflussnahme geschützt werden, wenn die inhaltliche Geltungsmacht vermehrt bei der SRG läge.
Die Wahl Roger Elseners, eines Medienmanagers, der «weder für journalistische Ansprüche noch für Service Public» stehe, dürfte auf diese eine erste Antwort sein, schreibt die «Republik». Ob diese im Sinn der Bürgerinnen und Bürger ausfalle, die gegen die Halbierungsinitiative gestimmt haben, sei eine andere Frage. (cpf)
