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Bürgerliche in Zürich wollen Flüsterbeläge – statt überall Tempo 30

25.04.2022, 13:5225.04.2022, 14:04
Bild: keystone

Um zu verhindern, dass weitere Wohnbauprojekte wegen überschrittener Lärmschutzgrenzwerte gestoppt werden, sollen vermehrt Flüsterbeläge verlegt werden. Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag einen entsprechenden bürgerlichen Vorstoss vorläufig unterstützt. Linke und Grüne sehen dies als Angriff auf Tempo 30.

Die Parlamentarische Initiative von EDU, Mitte und SVP fordert eine Rechtsgrundlage, um mit Flüsterbelägen die Grenzwerte für eine gültige Baubewilligung einhalten zu können.

Wohnbau-Projekte sollen also nicht mehr eingestampft werden, nur weil sie an lauten Strassen liegen. Stattdessen soll der Lärm mit einem neuen Strassenbelag gedämpft werden.

Der Rat hat den Vorstoss mit 71 Stimmen vorläufig unterstützt. 60 Stimmen waren dafür nötig. Er kommt nun in die zuständige Kommission für Bericht und Antrag und dann erneut ins Parlament. Für eine Umsetzung braucht es dann aber eine normale Mehrheit, was angesichts der derzeitigen Machtverhältnisse schwierig werden dürfte.

«Kommt nicht in Frage»

Keine Unterstützung erhielt der Vorstoss von Seiten der SP, der Grünen und der GLP. Ihrer Ansicht nach ist der Flüsterbelag ein direkter Angriff auf die Tempo-30-Bemühungen.

«Flüsterbeläge anstelle von Temporeduktionen kommen nicht in Frage», sagte Monica Sanesi Muri (GLP, Zürich). Bei den heutigen Flüsterbelägen würde der Lärm nur in der Anfangszeit reduziert. Erst wenn diese besser seien, unterstütze die GLP einen solchen Vorstoss.

In Zürich fährt man nachts nur noch mit Tempo 30

Video: srf/Roberto Krone

Auch Gabi Petri (Grüne, Zürich) will nicht von Tempo 30 abrücken, um Überbauungen zu retten. Flüsterbelag sei die teuerste aller Massnahmen. «Und es würde nochmals zwanzig Jahre lang dauern, bis der Lärmschutz erfüllt würde», sagte sie.

Petri erkennt hinter dem Vorstoss ohnehin einen anderen Beweggrund als die Sorge um gestoppte Wohnbauprojekte: Den Bürgerlichen gehe es nur darum, Tempo 30 auf vielbefahrenen Strassen zu verhindern.

Gerichte stoppten schon mehrere Bauprojekte

In der Stadt Zürich stoppten Gerichte in den vergangenen Jahren schon mehrere Wohnbauprojekte, weil die Lärmgrenzwerte überschritten worden wären. Der letzte Fall wurde vergangenen Woche publik.

Eine Wohnbaugenossenschaft muss ein Neubauprojekt definitiv fallen lassen, weil der Lärm der Rotbuchstrasse auch in der Nacht über den Grenzwerten gelegen wäre. Auch drastische Massnahmen wie das Errichten einer weitgehend geschlossenen Fassade hin zur lärmigen Strasse konnten das Projekt nicht retten.

Das Bundesgericht wollte keine «abweisende Strassenschlucht» nur mit kleinen Öffnungen und Fenstern. (aeg/sda)

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96 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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EarlofGrey
25.04.2022 15:21registriert Juli 2016
Da hatte wohl der Verband der Tiefbauunternehmer ein Osterapéro mit den zuständigen Exponenten von FDP und SVP. Eine Woche später hauen sie diese Pressemitteilung raus. Ein Schelm, wer Lobbyismus wittert.
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Spama Lotto
25.04.2022 16:45registriert August 2019
Mal ne Frage an all jene, die doe Flüsterbelagidee toll finden:
Damit die Wirkung bleibt, muss der Belag ca. Alle 5-7 Jahre erneuert werden. Sprich: Unendlich viele Baustellen, Verkehrsbehinderungen, Wegfall von PP wegen Bauinfrastruktur, Kosten ohne Ende. Ab 2030 wären im Schnitt immer 1/5 der Strassen geschlossen, weil grad saniert wird.
Oder wollt ihr einfach mit einem Buebetrickli den Lärmschutz aushebeln? Dann seid wenigstens ehrlich und verursacht nicht noch unnötig Kosten.
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Joe Smith
25.04.2022 14:30registriert November 2017
Und dabei dachte ich immer, die Bürgerlichen würden sparen während die Linken das Steuergeld zum Fenster hinaus würfen? (Also eigentlich dachte ich das natürlich nie.)
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