Schweiz
SVP

SVP startet Ja-Kampagne für Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»

SVP will die Zuwanderung auf ein vernünftiges Mass beschränken

24.03.2026, 10:5924.03.2026, 13:47

Dichtestress, überlastete Züge und Strassen, steigende Mieten, überbaute Flächen: Mit diesen Argumenten werben SVP-Exponenten für die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Sie verstehen ihr Begehren als Forderung nach einer Zuwanderung in vernünftigem Ausmass.

Darüber abgestimmt wird am 14. Juni. Statt eine ungebremste Zuwanderung brauche es eine nachhaltige Entwicklung der Bevölkerung, heisst es auf der Kampagnenwebseite für die Initiative. Wegen der unkontrollierten Einwanderung wachse die Schweiz viel zu schnell.

Plakate der SVP zur keine 10 Millionen Schweiz, Nachhaltigkeitsinitiative, stehen im Medienzentrum am Dienstag, 24. Maerz 2026, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
SVP startet am Dienstag die Ja-Kampagne für ihre Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz».Bild: keystone

«Rund 100'000 Menschen im Jahr»

«Uns ist die Kontrolle entglitten», sagte Nationalrat Thomas Matter (SVP/ZH) am Dienstag in Bern vor den Medien. Alle sähen und spürten die Folgen der massiven Zuwanderung: Wohnungsnot, immer teurere Mieten, zubetonierte Landschaft, steigende Kriminalität. «Viele fühlen sich zunehmend fremd im eigenen Land.»

Matter nannte Zahlen: Seit Einführung der Personenfreizügigkeit 2002 seien netto 1,5 Millionen Menschen in die Schweiz gezogen, ohne Asylbereich. Die Bevölkerung wachse 16 Mal schneller als jene in Deutschland. Zurzeit kämen jährlich rund 100'000 Menschen in die Schweiz, aus der EU, aus Drittstaaten und als Asylsuchende.

Für sie brauche es zusätzliche 45'000 Wohnungen, rechnet die SVP vor. Es brauche ein zusätzliches Spital mit 420 Betten, zusätzlichen Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegenden, neue Schulhäuser und Lehrkräfte. «Die Schweiz wächst und wächst und wächst», stellte SVP-Parteipräsident Marcel Dettling fest.

Das wolle die Initiative abbremsen. Die breite Masse habe nichts von der Zuwanderung, spüre aber deren negative Folgen. Dettling erinnerte an das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative von 2014. Dieser Volksauftrag sei nicht umgesetzt worden.

Staenderat Marco Chiesa, SVP-TI, Nationalraetin Celine Amaudruz, SVP-GE, Nationalrat Thomas Matter, SVP-ZH, Nationalraetin Sandra Sollberger, SVP-BL, und Nationalrat Marcel Dettling, SVP-SZ, von links ...
Ständerat Marco Chiesa, Nationalrätin Celine Amaudruz, Nationalrat Thomas Matter, Nationalrätin Sandra Sollberger und Nationalrat Marcel Dettling sprechen über die Initiative der SVP.Bild: keystone

40'000 Zugewanderte

Als Deckelung der Einwohnerzahl will die SVP die Initiative nicht verstanden wissen. Nach einem Ja könnten nach wie vor rund 40'000 Menschen im Jahr neu zuziehen. Das sind laut Dettling «deutlich mehr als die rund 8000 Zuwanderer, die der Bundesrat vor der Einführung der Personenfreizügigkeit versprochen habe.

Die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz sprach von einem durch die Zuwanderung entstandenen »Sicherheitschaos«. Aussagen eines Genfer Polizisten, wonach mindestens acht von zehn Angreifern nicht aus der Schweiz stammten, liessen sich mangels konsolidierter Daten beim Bund nicht überprüfen, kritisierte sie.

»Hören wir auf, uns selbst zu belügen«, forderte Amaudruz. Die Schweiz habe ein grosses Sicherheitsproblem wegen ihrer Asylpolitik und ihrer Einbürgerungspraxis. Besonders darunter zu leiden hätten Frauen, aber auch die Städte und Grenzkantone.

Gerade Gewerbler wüssten, was verstopfte Strassen im Alltag bedeuteten, fügte die Baselbieter SVP-Nationalrat Sandra Sollberger hinzu. Sie stünden im Stau, anstatt bei ihren Kundinnen und Kunden zu arbeiten. Und die Staustunden kosteten Geld.

Was viele Kantone erst zu spüren bekämen, erlebe sein Kanton seit Jahren, berichtete der Tessiner Ständerat Marco Chiesa. »Wir haben gesehen, was geschieht, wenn der Zuwanderungsdruck die Aufnahmekapazität einer Region übersteigt.« Betroffen seien nicht zuletzt junge Leute.

Kündigung als letzter Ausweg

»Eine Zukunft aufzubauen, ist Luxus geworden.« Gemäss der Statistik der Internationalen Arbeitsorganisation seien 13 Prozent der 15- bis 24-Jährigen im Tessin ohne Arbeit. Jährlich suchten 800 junge Tessinerinnen und Tessiner ihr Glück in der Deutschschweiz. »Für unseren Kanton ein Alarmsignal", sagte Chiesa.

Nicht zum ersten Mal will die SVP mit einer Initiative die Zuwanderung begrenzen. Die neuste verlangt, dass die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner bis 2050 10 Millionen nicht übersteigen darf. Leben vor 2050 mehr als 9,5 Millionen Menschen in der Schweiz, müssen Bundesrat und Parlament Massnahmen treffen, namentlich im Asylbereich und beim Familiennachzug.

Zudem müssten internationale Abkommen, die ein Bevölkerungswachstum zur Folge haben, neu ausgehandelt werden. Sollte all das keine Lösung bringen, wäre das allerletzte Mittel die Kündigung des Freizügigkeitsabkommens. Die SVP-Exponenten gaben sich überzeugt, dass mit der EU eine Lösung ohne Kündigung gefunden werden kann. (hkl/sda)

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136 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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HappyUster
24.03.2026 11:39registriert August 2020
Made my day: wir verhindern die zerstörte Natur!

Biodiversität? "Sicher nicht"
Verdichtet bauen? "Sicher nicht"
Windenergie? "Sicher nicht"
Giftiger Dünger verbieten? "Sicher nicht"
Weniger CO2? "Sicher nicht"
...
6011
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El_Chorche
24.03.2026 11:35registriert März 2021
Hä? Seit wann ist die SVP gegen steigende Mieten und die Zerstörung der Umwelt?

Haben die klammheimlich ihr Parteiprogramm geändert?
5714
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maruhu
24.03.2026 11:47registriert Januar 2021
Eine bekannte SVP-Bauernfängerei Initiative, die uns in ein viel grösseres Chaos stürzt (!) Die Hellbardenschwinger sollten endlich einmal zu einer Konsenspolitik ja sagen, statt sich in der Oppsitionsrolle zu suhlen🤢
5020
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136
Vorteil Ehe: Deshalb wollen die Mitte-Frauen noch einmal abstimmen
Ein zweiter Urnengang über die Besteuerung von Paaren ist wahrscheinlich: Die progressiven Frauen der Mitte-Partei wollen an der «Fairness-Initiative» zur Abschaffung der Heiratsstrafe festhalten.
Das Resultat hat die Mitte-Partei auf dem falschen Fuss erwischt: 54 Prozent sagten am 8. März Ja zur Individualbesteuerung – und glaubten den Argumenten der Gegnerinnen und Gegnern nicht, dass dadurch alles nur komplizierter, ungerechter und teurer wird.
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