Manuel Strupler ist der neue SVP-Wahlkampfleiter: Das sagt er zur 30-Prozent-Marke
Manuel Strupler, bis zu den eidgenössischen Wahlen 2027 dauert es noch fast zwei Jahre. Sie sind der neue Wahlkampfleiter der SVP. Weshalb starten Sie so früh?
Zuerst ist es mir wichtig zu sagen: Ich bin nicht allein, sondern kämpfe mit einem guten Wahlkampfteam für unsere Schweiz. Wir müssen früh Gas geben. Wir wollen die Kantonal- und Ortsparteien rechtzeitig motivieren und dafür sorgen, dass sie parat sind, wenn sie die Kandidaten nominieren. Migration und Kriminalität beschäftigen die Menschen stark. Und natürlich kämpfen wir gegen den EU-Unterwerfungsvertrag.
Diese Themen stehen auch ohne Wahlkampf weit oben auf der politischen Agenda.
Ja. Aber wir müssen dafür sorgen, dass wir in den Regionen rechtzeitig gut aufgestellt sind, um jede Stimme zu mobilisieren, die unsere Politik unterstützt.
Hilft Ihnen, dass die FDP das EU-Paket befürwortet und das Ständemehr ablehnt?
Dass die FDP geschwächt wird, liegt nicht in unserem Interesse. Die FDP wie auch die Mitte stehen uns politisch am nächsten. Besser wäre es, sie würden die richtige Politik machen.
Mit 27,9 Prozent Wähleranteil ist die SVP klar die stärkste Partei. Wollen Sie nun die 30-Prozent-Marke knacken?
Ich nenne keine Prozentzahlen. Klar ist aber: Wir wollen zulegen, damit wir im Parlament einfacher Mehrheiten schaffen können.
Das misslingt der SVP, weil sie zu stur auf Maximalpositionen beharrt.
Bei der Budgetdebatte haben wir – wenn auch auf kleiner Flamme – Mehrheiten organisiert. Auch im Asylbereich haben wir einige Vorstösse mit Hilfe der FDP und der Mitte durchgebracht. Das sind kleine Erfolge. Für grössere braucht es mehr SVP.
Oder mehr Kompromissbereitschaft.
Wir sind nicht bereit, um jeden Preis Kompromisse einzugehen, nur damit wir am Schluss mit der Mehrheit stimmen. Die Politik muss stimmen.
Zur Person
Gibt es je nach Wahlergebnis einen Sturm auf den dritten Bundesratssitz?
Das ist kein Thema. Wir stehen zur aktuellen Zauberformel.
Unternehmer, Landwirt, Politiker, jetzt auch noch Wahlkampfleiter und oft abends unterwegs: Sehen Sie Ihre drei Kinder viel?
Ja. Mein Arbeitsplatz liegt nur 1000 Meter von unserem Haus entfernt. Wenn immer möglich, esse ich am Mittag zu Hause und meine Kinder begleiten mich oft bei Baustellenbesuchen oder auch auf dem Hof.
Sie sind aktiv in Vereinen, lange Jahre im Schwingsport. Wie bringen Sie all diese Tätigkeiten unter einen Hut?
Das funktioniert dank meiner Frau. Sie hat zu Hause alles und meine Agenda im Griff, hilft beim Organisieren von Anlässen. Natürlich auch dank meiner guten Mitarbeitenden und vielen helfenden Händen. Politik mache ich nicht für mich, sondern für die nächsten Generationen. Wir sind eine Willensnation. Wir müssen den Gemeinsinn pflegen. Ich habe aber das Gefühl, dass die Gesellschaft egoistischer wird und die Anspruchsmentalität – auch gegenüber dem Staat – wächst. Doch mehr Staat bedeutet längerfristig weniger Freiheit.
Die politischen Geschäfte werden komplexer. Haben Sie als Milizpolitiker, der beruflich, familiär und in Vereinen voll gefordert ist, überhaupt noch den Durchblick?
Ich bin nicht wie unser Fraktionschef Thomas Aeschi, der jedes Geschäft in- und auswendig kennt. Wir sind zum Glück eine grosse Fraktion und können die Themen aufteilen. Das Milizsystem, das freiwillige Engagement für die Gesellschaft, halte ich für einen zentralen Pfeiler des Erfolgsmodells Schweiz. In der Politik bringt es einen Mehrwert, wenn die Juristin, der Arzt, die Lehrerin und der Gartenbauer an einem Tisch sitzen. Sie bringen ihre Alltagsexpertise ein. Was passiert, wenn weltfremde Berufspolitiker am Werk sind, sieht man in der superbürokratischen EU.
In den Städten liegt viel Potenzial, doch dort ist die SVP schwach. Hat die Partei die Städte aufgegeben?
Nein.
Weshalb sollen Städter SVP wählen, wenn sie von der Partei in einem Positionspapier als wohlstandsverwahrloste «Luxus-Linke» oder «Bevormunder-Grüne» herabgewürdigt werden?
Wenn die Stadt Bern der Juso-Enteignungsinitiative zustimmt, kann man durchaus eine gewisse Wohlstandsverwahrlosung feststellen. Aber: Wir beschimpfen nicht die Menschen in der Stadt, sondern kritisieren die Politik, die dort gemacht wird.
Die Polemik macht aber aus Städtern kaum SVP-Wähler.
Nein, aber die wachsenden Probleme mit der Zuwanderung. Umfragen zeigen, dass sogar die Wähler der SP und der Grünen merken, dass die masslose Zuwanderung zu Wohnungsnot und explodierenden Mieten führt. Aber es ist so: Das Potenzial an bürgerlichen Wählern in den Städten ist kleiner als auf dem Land. Viele arbeiten in der Verwaltung oder in staatsnahen Betrieben; es liegt auf der Hand, dass sie jene Parteien wählen, die ihre Interessen bedienen. Und die normalen Arbeiter in der Stadt sind nicht unbedingt wahlberechtigt.
Ist das jetzt ein Plädoyer für das Ausländerstimmrecht, weil es der SVP nützen würde?
Nein. Wer mitbestimmen will, kann sich einbürgern lassen.
Wird die SVP weiterhin von «Bevormunder-Grünen» reden?
Solange sie diese Politik machen: ja. Lassen Sie mich etwas sagen.
Bitte.
Ich will keinen Keil zwischen Stadt und Land treiben. Vieles verbindet uns. Ich bin Familienvater – das ist zum Beispiel keine Frage von Stadt oder Land. Ich bin überzeugt, dass die Positionen unserer Partei im Interesse der ganzen Schweiz liegen. Auch in urbanen Gebieten lehnen viele Menschen den Unterwerfungsvertrag mit der EU ab. Sicherheit ist gerade in den Städten ein grosses Thema. Viele Frauen fühlen sich nicht mehr wohl in unserem Land, egal wo sie wohnen.
Wird die SVP zur Abwechslung andere Themen als die Zuwanderung bewirtschaften?
Wir sind breit aufgestellt. Im Zentrum stehen Freiheit, Sicherheit und Unabhängigkeit. Ich bin nicht pauschal gegen Zuwanderung. Aber diese masslose Zuwanderung sorgt für Probleme, um die wir uns kümmern müssen: etwa Wohnraum, Sozialkosten, Infrastruktur oder Bildung. Es ist alles eine Frage der Menge. Wenn in einer Schulklasse die fremdsprachigen Kinder in der Überzahl sind, haben wir ein Problem.
Sie haben in Weinfelden separate muslimische Gräberfelder an vorderster Front bekämpft. Was stört Sie am Islam?
Mich stören nicht die Muslime als Menschen. Mich stört die schleichende Islamisierung. Diese Vermischung von Politik und Religion halte ich für eine Gefahr. Und wer soll sich eigentlich wem anpassen? Ich finde es eine Schande, dass in Schulen keine Weihnachtslieder mehr gesungen werden oder in Kantinen kein Schweinefleisch angeboten wird. Wir müssen wieder für unsere Werte einstehen und ohne falsche Toleranz unsere Regeln einfordern.
Die SVP beklagt den «Unterwerfungsvertrag» mit der EU. Von den USA müssen wir Chlorhühner und Cybertrucks schlucken, dürfen Google nicht stärker regulieren. Und die SVP applaudiert.
Wir haben von allen Industrieländern die durchschnittlich tiefsten Zölle. Diesen Erfolg haben wir nur erreicht, weil wir eigenständig verhandeln konnten. Die Unterschiede zum EU-Paket sind offensichtlich. Wir müssen weder jetzt noch in Zukunft fremdes Recht übernehmen oder uns fremden Richtern unterwerfen. Auch können die US-Amerikaner nicht unkontrolliert in die Schweiz einwandern. Ich habe zudem Zweifel, dass Cybertrucks und Chlorhühner zu einem Renner werden. (aargauerzeitung.ch)
