Video: watson/lucas zollinger
05.12.2024, 15:0305.12.2024, 17:20
Eine verbale Entgleisung im Nationalrat. Als es am Donnerstag um die Gelder für die internationale Zusammenarbeit in den nächsten vier Jahren geht, tritt SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel ans Rednerpult. Am Mikrofon greift er SP-Nationalrätin Tamara Funiciello frontal an.
Büchel sagt: «In der gestrigen Budgetdiskussion zur Entwicklungshilfe bekamen wir Anleitungen zur Diskussionskultur hier im Rat. Ich zitiere aus einem Votum: ‹Gefühle haben in der Budgetdiskussion nichts zu suchen.›» Büchel fuhr fort:
«War Fräulein Rottenmeier, die gestrenge Dame aus Johanna Spyris Buchklassiker Heidi, bei uns zu Besuch? Nein. Es waren die Worte von Tamara Funiciello, der selbsternannten Gouvernante dieses Rates.»
Weiter betont der SVP-Politiker: «Wer die Budgetdiskussion verfolgte, der nahm nebenbei nüchtern zur Kenntnis, dass hier im Saal und draussen in den Medien wohl niemand derart emotional politisierte wie Tamara Funiciello.»

SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel.bild: screenshot srf
Gegenüber watson sagt Tamara Funiciello: «Es trifft mich nicht besonders fest, was Roland Rino Büchel von mir denkt.» Aber:
«Es geht nicht, dass, wenn gewählte Nationalrätinnen wie ich sich in diesem Land zu einem Thema äussern, sich jemand ans Redner:innenpult des wichtigsten demokratischen Organs stellt und mich sexistisch beleidigt.»
Büchel müsse mit ihr nicht einverstanden sein, so Funiciello.
«Ich möchte aber nicht, dass Mädchen und junge Frauen in diesem Land das Gefühl haben, dass, wenn sie ihre Meinung sagen, irgendjemand sie einfach beleidigen kann. Das geht nicht, das akzeptieren wir nicht.»

SP-Nationalrätin Tamara Funiciello.Bild: keystone
In der 14-stündigen Budgetdebatte sei die Aussage gefallen, dass man nicht wisse, wohin die Gelder der internationalen Zusammenarbeit fliessen würden. «Das stimmt einfach nicht. Es gibt einen Bericht der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, in welchem alles ersichtlich ist», so Funiciello.
«Es ist ja ein persönliches Gefühl, wenn man einfach sagt: ‹Ich weiss nicht, wohin das Geld fliesst.› In diesem Zusammenhang habe ich gesagt, dass individuelle Gefühle in der Politik nichts zu suchen haben.»
Die Reaktion von Büchel
«Was für ein Unsinn», sagt Büchel, als er mit den Aussagen von Funiciello konfrontiert wird. Die SP-Nationalrätin habe viele Qualitäten, aber Präzision gehöre nicht wirklich dazu. Sie selbst habe am Tag zuvor im Nationalrat gesagt, Gefühle hätten in der Budgetdebatte nichts zu suchen. Büchel führt aus:
«Ich verstehe nicht, warum Tamara Funiciello sich als Frau angegriffen fühlt und warum das Frauen entmutigen sollte.»
Er hätte sich gewünscht, von Funiciello, wenn schon, persönlich angesprochen zu werden.
Den Vergleich Funiciellos mit einer Gouvernante sehe er nicht als sexistisch. Eine Gouvernante mache die Regeln. «Bei Cédric Wermuth oder Fabian Molina hätte ich es ähnlich gesagt, nur schärfer», so Büchel.
(rst, hah)
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Am 31. Dezember 2024 umfasste die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz 9'048'900 Personen, gegenüber 8'962'300 Ende 2023. Das ist ein Plus von 86'600 Personen, wie das Bundesamt für Statistik (BfS) am Donnerstag mitteilte. Die Bevölkerung wuchs mit 1,0 Prozent damit weniger stark als im Jahr 2023, als mit 1,7 Prozent ein sehr hoher Wanderungssaldo registriert wurde. Dieser hing in erster Linie damit zusammen, dass Personen aus der Ukraine mit Schutzstatus S im Jahr 2023, also ein Jahr nach ihrer Ankunft in der Schweiz, zur ständigen Wohnbevölkerung gezählt wurden.
In welcher Passage finde ich die sexistischen Aussagen von Herrn Büchel? Ich sehe oder verstehe es nicht..
Sogar ich als überzeugte Feministin und mehrfache Initiantin zahlreicher erfolgreicher und leider auch erfolglosen Frauen Projekte habe Mühe dies hier zu finden.
Ich verstehe nicht was daran sexistisch ist.
Ist es wegen dem Fräulein. Oder dem vergleich mit der Heidigeschichte?