Schweiz
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Werbeanrufe nerven – trotzdem bleibt es fast unmöglich, etwas dagegen zu tun

Unerwünschte Werbeanrufe nehmen nicht ab, sondern eher zu. Deshalb fordern Konsumentenschützer in der Schweiz, dass Telecom-Firmen mit technischen Massnahmen dagegen vorgehen. «Das bringt nichts», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler.



20'000 genervte Kunden wendeten sich in den letzten drei Jahren wegen unerwünschten Werbeanrufen an die Konsumentenschützer. Dabei handelt es sich nur um Beschwerden von Leuten, die sich um einen Stern-Eintrag im Telefonbuch bemüht haben, der solche Anrufe verhindern soll – und trotzdem angerufen wurden. 

Angesichts dieser Zahlen forderte die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) die drei grössten Festnetzanbieter Swisscom, UPC Cablecom und Sunrise vor zwei Monaten dazu auf, solche Werbeanrufe mit Hilfe von «technische Lösungen» zu unterbinden. Gemäss der SKS gibt es bereits kleinere Telecom-Unternehmen, die technische Lösungen, wie eine «Blacklist» von Call-Centern erfolgreich umsetzen – Anrufe von Nummern auf der Blacklist, werden einfach nicht durchgestellt. 

Juristische Probleme

Für die grossen Telecom-Unternehmen ist es aber nicht ganz so einfach: «Wir sind gemäss Fernmeldegesetz verpflichtet, Anrufe (auch Werbeanrufe) durchzustellen und dürfen diese nicht einfach sperren», sagt Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze. In Zusammenhang mit dem Vermerk im Telefonbuch sei im Fernmelderecht keine Ausnahme vorgesehen.

Shutterstock annoying call werbeanruf

Nimmt das denn nie ein Ende? Bild: shutterstock

Das Grundproblem liege darin, dass eine Firma, die mit einem Kunden bereits eine Vertragsbeziehung hat, den Stern im Telefonbuch nicht beachten muss. Diese darf den betreffenden Kunden demnach kontaktieren. Der Provider hingegen weiss nicht, bei welchen Anrufen dies zutrifft und bei welchen nicht.

Gibt es trotzdem Hoffnung?

Dennoch blieben die grossen Schweizer Telecom-Firmen nicht unbeeindruckt von den 20'000 Beschwerden. «Wir haben die Forderung vom SKS vernommen und sind gerne bereit, mit den Konsumentenschutz-Organisationen zusammen mögliche Lösungen zu erarbeiten», sagt Markus Werner, Mediensprecher von Sunrise zu watson. In welche Richtung dieser Lösungsansatz gehe, stehe aber noch offen.

Auch das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) hat Massnahmen ergriffen: Für den Juni ist laut Mediensprecherin Silvia Canova ein Hintergrundgespräch mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) zu diesem Thema geplant. 

Zu früh gefreut

Telecom-Experte Ralf Beyeler von comparis.ch gibt sich allerdings wenig optimistisch, was technische Lösungen betrifft. Zwar sei es für die Telecom-Unternehmen grundsätzlich möglich, solche Werbeanrufe durch technische Massnahmen zu unterbinden. Nur: «Das bringt gar nichts», sagt Beyeler.

Ralf Beyeler

Ralf Beyeler ist Telecom-Experte des Vergleichsportals comparis.ch. twitter.com/ralfbeyeler

«Wir hätten eine Woche Ruhe, dann würde es erneut losgehen mit nervigen Anrufen.»

Telecom-Experte Ralf Beyeler

Das Problem sei folgendes: «Wenn kleine Provider eine ‹Blacklist› von Call-Center-Nummern führen und diese unterdrücken, stören sich die Call-Center nicht gross daran. Sollten aber die grossen Telecomgesellschaften Swisscom, UPC Cablecom und Sunrise solche Massnahmen einführen, würden die zwielichtigen Call-Center aber sofort auf andere Mittel zurückgreifen.»

Laut Beyeler können die Call-Center zum Beispiel unter einer falschen Nummer anrufen. Auf dem Display würde dann jede beliebige Nummer angezeigt, obwohl ein Call-Center-Anruf dahinter steckt. «Wir hätten eine Woche Ruhe, dann würde es erneut losgehen mit nervigen Anrufen», sagt Beyeler. 

Problem der Werbeanrufe von Regierungen unterschätzt? 

«Eine etwas aufwändige Möglichkeit dagegen vorzugehen wäre, das Kommunikationssystem zu ändern», sagt Beyeler. Dabei müsste der Telecom-Anbieter überprüfen, ob der eingehende Anruf tatsächlich von der angezeigten Nummer kommt. Ist dies nicht der Fall, wird der Anruf nicht durchgestellt. «Das erfordert allerdings eine staatsübergreifende Zusammenarbeit und für die Regierungen scheint das Problem der Werbeanrufe nicht wichtig genug zu sein, als dass dafür eine grundlegende Änderung des Systems in Frage käme», sagt Beyeler.

Eine solche Massnahme, auch wenn sie nur innerhalb der Schweiz für nationale Anrufe umgesetzt würde, wäre mit grossem bürokratischem Aufwand verbunden und Werbeanrufe aus dem Ausland würden weiterhin durchkommen.

Wir Konsumenten könnten das Problem aber auch selbstständig lösen: «Die einfachste Möglichkeit, wie wir Werbeanrufen den Garaus machen können, ist, einfach nicht mehr auf die Angebote einzugehen. Wenn nichts mehr gekauft wird, rentiert das Call-Center nicht mehr und wird dann die Anrufe einstellen. Wir müssen uns daher an der eigenen Nase nehmen», so Beyeler.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Doctor Unrath 26.05.2015 15:04
    Highlight Highlight Ich frag immer nach Adresse und URL. Wenn ich am Compi sitze, kontrolliere ich das auch gleich. Oft ist dann Schluss und es wird aufgehängt. Wünschenswert wäre eine Online-Liste, wo man solche Firmen angeben kann. Und ab einer bestimmten Anzahl Meldungen (belegt durch Datum und Uhrzeit) würde dann automatisch gebüsst.

    Wieso ist es eigentlich so einfach, unter einer fremden Nummer anzurufen? Die Telekommunikationsfirmen müssten das doch verhindern können??
  • Digichr 26.05.2015 14:37
    Highlight Highlight Ich hatte auch schon Anrufe auf einer Nummer, die steht nicht im Telefonbuch und ist auch nur etwa 5 Leuten bekannt. Die Call Center wählen wohl einfach alles durch 044 200 00 00 bis 044 999 99 99
  • Zyn Ikus 26.05.2015 13:03
    Highlight Highlight Anruf Blocker gibt es für Festnetz (Fritzbox) und diverse Apps für Apple und Android, sicher auch für Windows.

    Einfach bei neuer Werbenummer freundlich paar nette Floskeln an Kopf werfen, Nummer kopieren, bei geblockte Nummern einfügen und Ruhe ist.
  • Frau Bissig 26.05.2015 12:48
    Highlight Highlight Wenn die Festnetz-Anschlüsse der Swisscom aufgehoben werden,wird das Problem wohl kleiner...?
  • Pano 26.05.2015 12:16
    Highlight Highlight Technisch wäre man schon heute soweit: Anrufer muss vor der Verbindung Name und Grund des Anrufs eingeben. Müsste Standard werden.
  • Hinterländer 26.05.2015 12:03
    Highlight Highlight Die wichtigsten Nummern kenne ich. Da nehme ich direkt ab. Alle anderen bekommen generell den Anrufbeantworter zu hören. Callcenter hinterlassen nie eine Message, da hat sich das Anrufen nach dem zwanzigsten Mal erledigt. Braucht einfach ein bisschen Zeit und Geduld. Auf Anfragen per Anrufbeantworter reagiere ich jedoch sehr schnell. Deshalb hat sich bislang kaum jemand beschwert, ich sei nur schwer zu erreichen.
  • Flint 26.05.2015 11:30
    Highlight Highlight Ich verstehe wirklich nicht, warum sowas nicht in den Griff zu bekommen ist. Ich denke, dass dies früher oder später durch die Telefonhersteller implementiert werden wird, ob man Callcenter-Anrufe unterdrücken möchte (Auto-Stummschalten geht mit Smartphone-Apps ja auch).
    Das BAKOM müsste einen eigenen Nummernkreis für Callcenter schaffen, welchen man sperren kann.
    Was mich schon länger stört: Warum lassen sich unterdrückte Rufnummern uf dem Festnetz automatisch abweisen und warum auf dem Handy nicht?? Hier fehlt doch generell irgendwo der Wille der Anbieter!
  • Gsnosn. 26.05.2015 10:59
    Highlight Highlight Deswegen habe ich kein Festnetzanschluss mehr.
  • Willy D. 26.05.2015 10:04
    Highlight Highlight Ich habe das "Problem" wie folgt gelöst. Die Nummer eines ankommenden Anrufs wird ja, z.B. auf dem Smartphone angezeigt. Dann in einer der bekannten "Telefonbuchapplikationen" nachsehen, um wen es sich handelt. "Unbekannte" oder "Callcenter" Anrufe ignorieren. Andere Anrufe durch Rückruf beantworten. Das ist alles.
    • Flint 26.05.2015 11:23
      Highlight Highlight Geht sogar noch einfacher. Telefonbuch-App für Android, z.B. search.ch, hat eine Option die Callcenter Anrufe automatisch stumm zu schalten. Ob IPhones das auch können weiss ich nicht. Für mich jedoch bereits eine gute Lösung, da ich so diese Anrufe regelmässig verpasse... ;-)
  • babette 26.05.2015 09:50
    Highlight Highlight Mir unbekannte Nummern nehme ich auch auf dem Festnetz nicht mehr ab. Wer wirklich Wichtiges zu sagen hat, der/die hinterlässt eine Nachricht. Nach ein paar erfolglosen Versuchen geben die meisten auf.
    Meine Festnetznummer gebe ich fast nie raus und sie steht auch nicht im Telefon uch. Habe eigentlich kaum Probleme.
  • Anded 26.05.2015 09:28
    Highlight Highlight Einfache Gesetzesänderung würde genügen: Es können keine rechtsgültige Verträge per Telefon abgeschlossen werden.
    • suchwow 26.05.2015 10:57
      Highlight Highlight Ist noch sehr schwammig und allgemein formuliert, verstehe aber, auf was Sie hinaus wollen.
  • Lumpirr01 26.05.2015 09:27
    Highlight Highlight Ca 80% der Werbeanrufe stammen von Krankenkassen. Einfach ein bisschen schummeln und sagen, man sei 92 und die Frau 88 Jahre alt, dann ist das Gespräch meistens sehr schnell fertig!
  • arpa 26.05.2015 09:24
    Highlight Highlight auf android und iphone gibt es sperrlisten, swisscom 2.0 Kunden sollten mal das Kundencenter durchforsten..
    blockiert halt nur selbst gespeicherte nummern, aber immerhin..
    bei belästigung: trillerpfeife..
    bei Zeit: reden lassen, zeit ist geld
  • Lil'Ecko 26.05.2015 09:14
    Highlight Highlight Und wer etwas Zeit hat, der sollte das mal ausprobieren😉
    Benutzer Bild
  • Hackphresse 26.05.2015 09:09
    Highlight Highlight Wer war eigentlich dafür verantwortlich, dass das Gesetz nicht straffer ist? Ich kann mich moch an eine Debatte im Parlament erinnern. Vielleicht sollte man dort anfangen den Hebel anzusetzen.
  • Lil'Ecko 26.05.2015 09:09
    Highlight Highlight Doch es gibt ein gutes Mittel, entweder die Tel.search App mit Callcenter Blocker (ist nicht perfekt, funktioniert aber recht gut) und sollte doch mal einer durchkommen, mit der Trillerpfeife volles Rohr ins Telefon trellern😂

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