Schweiz
Tier

Bündner schiessen einen Wolf – er war zu zutraulich geworden

Bündner schiessen einen Wolf – er war Fussgängern gefolgt

21.01.2022, 10:5721.01.2022, 16:15

Ein Wolf ist am 20. Januar in der Bündner Surselva geschossen worden. Er verhielt sich zuvor über Wochen problematisch gegenüber Menschen. Ein erhöhtes Risiko einer Gefährdung für den Menschen sei alarmierend gewesen.

HANDOUT
Dieser Wolf war im letzten August im Oberwallis erlegt worden. Bild: keystone

In der Nacht auf Donnerstag hatte die Wildhut den Problemwolf in unmittelbarer Siedlungsnähe bei Sumvitg GR getötet, wie der Kanton Graubünden am Freitag schrieb. Drei Versuche, den Wolf zuvor mit einem Sender auszustatten oder mit Gummischrot wegzutreiben, seien erfolglos geblieben, sagte Adrian Arquint, Leiter des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden, auf Anfrage von Keystone-SDA.

Das Raubtier habe sich in den letzten Wochen gefährlich nahe an Menschen in Siedlungsnähe getraut, hiess es weiter. Am vergangenen Sonntag näherte sich der Wolf schliesslich einer Person und blieb bei einer Entfernung von zwei Metern über einen längeren Zeitraum bei ihr.

Die offensichtlich zunehmende Gewöhnung dieses Wolfs an den Menschen und das dadurch erhöhte Risiko einer Gefährdung für den Menschen seien alarmierend gewesen. Um kein Risiko einzugehen, entschied der Kanton Graubünden, das Tier unter Anwendung der polizeilichen Generalklausel abzuschiessen. Die Behörden gehen von einem Einzelwolf aus.

Das getötete Tier wurde nun ins Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin (Fiwi) nach Bern gebracht. Die genetische Untersuchung wird am Laboratoire de Biologie de la Conservation, Université de Lausanne vorgenommen. «Wir erhoffen uns durch die Untersuchung Hinweise zum Gesundheitszustand des Tiers, seinem Mageninhalt und seinem Individuum», sagte Arquint. Die Resultate werden in den kommenden Wochen erwartet.

Ähnlicher Vorfall im Wallis

Im Val d'Anniviers im Wallis begegnete am Montag eine Spaziergängerin einem Wolf, der keine Scheu vor ihr zeigte. Die Wildhüter wollen nun regelmässig Rundgänge durchführen, um das Verhalten des Tieres zu überwachen.

Die Wildhüter könnten bei Bedarf Vergrämungsschüsse abgeben oder bei unmittelbarer Gefahr das Tier erlegen, teilte die Staatskanzlei Wallis am gestrigen Donnerstag mit. Ausserdem sei die Anzahl Fotofallen erhöht worden.

Dies nützte beim Bündner Wolf nichts. Die Zunahme von besorgniserregenden Begegnungen sei in den letzten Wochen extrem geworden, erklärte Arquint den Abschuss in Graubünden. (sda)

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64 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tilman Fliegel
21.01.2022 11:55registriert Februar 2014
Er wollte doch nur ein Hund werden.
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Fairness
21.01.2022 11:15registriert Dezember 2018
Es ist relativ einfach: Die Schweiz hat schon zu viele Menschen, um für den Wolf auch noch Platz zu haben. An zu vielen Orten auch in den Bergen, wo man früher praktischballein unterwegs war, sind heute eine halbe Völkerwanderung, Mountainbiker, Schneeschuhwanderer usw. Arme Tiere!
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Campino
21.01.2022 11:50registriert Februar 2015
Ich weis jetzt nicht genau wer das tatsächliche Problem ist!
Der Mensch oder der Wolf?
Ich vermute der Mensch!
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SVP will PH-Abschaffung – und dafür eine Lehrer-Lehre: die Sonntagsnews
Am Zürcher Universitätsspital sind nach der Affäre um Herzchirurg Francesco Maisano weitere zehn potenziell problematische Fälle zu Interessenbindungen identifiziert worden. Das und mehr findet sich in den Sonntagsnews.
Das Zürcher Universitätsspital (USZ) hat laut der «NZZ am Sonntag» nach der Affäre um Herzchirurg Francesco Maisano rund zehn weitere kritische Fälle identifiziert. Der vom USZ eingesetzte Compliance-Ausschuss habe seit Juni 2025 potenziell problematische Interessenbindungen und Nebenbeschäftigungen geprüft. In mehreren Fällen seien Verstösse gegen die Compliance-Richtlinien festgestellt und Sanktionen ausgesprochen worden. Details dazu nenne das Spital aus Vertraulichkeitsgründen nicht. Die neuen Fälle zeigten, dass die Verstrickung von Medizin und Medtech-Industrie über den Fall Maisano hinausreiche. Der Zürcher Handchirurg Daniel Herren sprach von einem «heiklen Spannungsfeld» zwischen Innovation, Patientensicherheit und wirtschaftlichen Interessen. Das USZ und das Genfer Universitätsspital (HUG) planten inzwischen Transparenzregister für Beteiligungen und Nebentätigkeiten ihrer Ärzte. Andere Spitäler verfügten bereits über solche Register.
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