Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV - ZUM MEDIENGESPRAECH VON GREENPEACE ZUM AKW BEZNAU STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - A control camera is lowered into the demineralized water at the fuel rods, pictured on September 23, 2011, in Doettingen in the canton of Aargau, Switzerland. The nuclear power plants Beznau 1 and 2 produce power all around the clock. The only exception being a two to four weeks stop in summer for the yearly renovation and inspection and the changing of the fuel elements. Beznau 1 and 2 went into operation in 1969 and 1971 respectively. Benznau 1 was the first nuclear power plant in Switzerland. The facility provides around 6 bilion kilowatt hours per year. (KEYSTONE/Gaetan Bally) EDIOTR'S NOTE: This picture is composed of two photos. 

Eine Kontrollkamera wird beim Brennstablager ins entmineralisierte Wasser gelassen, aufgenommen am 23. September 2011 in Doettingen. Die Atomkraftwerke Beznau-1 und Beznau-2 erzeugen Strom rund um die Uhr. Dies mit Ausnahme von jeweils zwei bis vier Wochen im Sommer, in denen die Anlagen fuer die Jahresrevision und den Brennelementwechsel abgestellt sind. Beznau-1 und Beznau-2 gingen 1969 bzw. 1971 in Betrieb. Beznau-1 war damit das erste Kernkraftwerk der Schweiz. Die Anlage liefert rund 6 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
ACHTUNG REDAKTIONEN: Dieses Bild wurde aus zwei Bildern zusammengestellt.

Könnten am 27. November ihre Jobs verlieren: Mitarbeitende im Atomkraftwerk Beznau.  Bild: KEYSTONE

Chance für die Wirtschaft: Weshalb der Atomausstieg 5700 Arbeitsplätze schaffen könnte 

Kommen Ausstiegsinitiative und Energiestrategie durch, gehen in den AKW 1300 Stellen verloren – aber es gibt 7000 neue Jobs, sagt eine Studie.

othmar von matt / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Wird bis 2030 aller Atomstrom durch erneuerbare Energien ersetzt, soll es in der Schweiz netto 5700 neue Stellen geben. Dies prognostiziert die Studie «Beschäftigungseffekte des geordneten Atomausstiegs in der Schweiz», welche die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) Wädenswil im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) erstellt hat. Die SES ist Mitglied der Umwelt-Allianz und damit für den Atomausstieg.

Voraussetzung für die neuen Jobs ist der Atomausstieg bis 2029, wie ihn die Initiative verlangt, über die am 27. November abgestimmt wird. Gleichzeitig muss aber auch das 1. Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 umgesetzt sein.

Dann entstehen im Bereich der erneuerbaren Energien fast 7000 neue Jobs, wie die Studie errechnet hat: 5000 Stellen werden durch Bau und Wartung von Photovoltaik-Anlagen geschaffen, der Bau von Biogasund Windkraftanlagen bringt 700 bis 800 weitere Stellen – und mit der Bereitstellung des Energieholzes zur Stromproduktion ergeben sich 600 weitere Stellen.

Im gleichen Zeitraum fallen bei den AKW 1300 Stellen weg. Netto bleiben 5700 Jobs.

«Die Studie der ZHAW zeigt: In einer gesamtheitlichen volkswirtschaftlichen Betrachtung gibt es beim Atomausstieg mehr Profiteure als Verlierer», sagt Felix Nipkow, Projektleiter Strom & Erneuerbare der Energie-Stiftung. «Bisher konzentrierte man sich zu sehr auf die Risiken.»

Was Nipkow ins Auge sticht: «Ein grosser Teil der neuen Arbeitsplätze kommt von der Photovoltaik.» Das ist für den Verfasser der Studie kein Zufall. «Photovoltaikanlagen sind am einfachsten zu bauen, auch bezüglich der Investitionen», sagt Jürg Rohrer, Professor für erneuerbare Energien an der ZHAW Wädenswil. Technologisch sei man sehr weit, es gebe gut geschultes Personal. «Dazu kommt der angenehme Nebeneffekt, dass die Arbeitsplätze über die ganze Schweiz verteilt sind.»

Für Rohrer gibt es eine Frage: «Will man die Handbremse lösen oder nicht?»

ZUR ATOMAUSSTIEGSINITIATIVE UND ZUR ENERGIESTRATEGIE 2050 STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - A general view shows the solar housetop of a hall of 7500 square metre on Tuesday December 6 2011 in Saxon, caton Valais, Switzerland. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Stromerzeugung in Saxon: Durch Bau und Wartung von Photovoltaik-Anlagen würden laut ZHAW-Studie 5000 Stellen geschaffen. Bild: KEYSTONE

Lehnt die Bevölkerung am 27. November die Ausstiegsinitiative ab, wird aber das erste Massnahmenpaket der Energiestrategie dennoch realisiert, prognostiziert die Studie der Schweiz netto noch immer 2000 neue Stellen. Durch Windkraftanlagen entstünden 350 neue Jobs, durch Photovoltaikanlagen 650 und durch Biogasanlagen 900 Stellen. Netto nur knapp 500 Stellen werden geschaffen, wenn die Initiative abgelehnt und die Energiestrategie nicht umgesetzt wird.

Angst vor Verlagerungen

Arbeitsplätze sind auch bei den Gegnern der Initiative ein grosses Thema. In Wirtschaftskreisen befürchtet man bei einem Ja zur Initiative Verlagerungen. «Gefährlich ist es, wenn es wegen eines schnelleren Atomausstiegs zu einem einseitigen Preisschub in der Schweiz kommt», sagt Frank R. Ruepp, Vorsitzender der Gruppenleitung vonRoll infratec AG und Präsident der IG Energieintensive Branchen (IGEB).

Er macht eine einfache Rechnung: «Ein Rappen mehr pro Kilowattstunde kostet zum Beispiel in einer grossen Giesserei 3 bis 4 Arbeitsplätze. Ein Schweizer Alleingang ist gefährlich.»

Die energieintensiven Branchen bewegten sich in der Schweiz in einem «nicht sehr industriefreundlichen Umfeld mit vielen Unsicherheiten», sagt Ruepp. «Dies führt zur Gefahr, dass internationale Industrieunternehmen Investitionen plötzlich in einem anderen Land tätigen oder Abteilungen im Ausland aufbauen.» Gefährlich daran sei, «dass dieser Prozess schleichend geschieht». Ruepp: «Diese Arbeitsstellen kommen nie wieder zurück.»

ZUR EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNG UEBER DIE VOLKSINITIATIVE

Bei den AKW würden laut ZHAW-Studie 1300 Stellen wegfallen.  Bild: KEYSTONE

Gerieten die Energiepreise in der Schweiz aufgrund des Atomausstiegs aus dem Ruder, «haben wir einen wirtschaftlichen Nachteil», sagt auch SVPNationalrat Franz Grüter, Präsident des Verwaltungsrats von green.ch.

Er hat ausgerechnet, dass seit 2012 in der Schweiz eine Milliarde in IT-Rechenzentren und IT-Datenstandorte investiert wurde. «Es ist im Zeitalter der Digitalisierung volkswirtschaftlich von grosser Bedeutung, wenn wir in Europa zu einem der wichtigsten Standorte für Daten und IT-Systeme werden», sagt er. «Der Bau dieser Infrastrukturen zieht in der Folge auch Arbeitsplätze an.»

Energieministerin Doris Leuthard selbst warnt. Bereits 2017 müssten drei Werke abgeschaltet werden. «Das beträfe auch Arbeitsplätze», sagt sie. Der Strom aus diesen Werken könnte nicht schnell genug mit Strom aus einheimischen erneuerbaren Energien ersetzt werden. «Es käme zu mehr Stromimporten. Neue Jobs gäbe es damit nicht in der Schweiz, sondern im Ausland.»

Leuthard betont, «dass wir mit der Stärkung der einheimischen erneuerbaren Energien Stellen schaffen können». Dafür brauche es aber die entsprechenden Fördermittel. «Diese kommen erst mit der Energiestrategie 2050, die noch nicht in Kraft ist.»

Tschernobyl, Fukushima und Co.: Die 15 teuersten Störfälle in AKWs

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

80 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
HansDampf_CH
06.11.2016 06:33registriert June 2015
Als würde der Preis für Grossverbraucher in der Schweiz gebildet. Je länger ihr an den Schrottmeilern festhaltet desto teurer wird das ganze für uns alle. Keinen Rappen für die alten Kraftwerke und kein Rappen für die Firmen die wegen der falschen Strategie bald um Geld betteln werden.
4515
Melden
Zum Kommentar
Zitrusfonso
06.11.2016 09:06registriert August 2016
"Studie...im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)". Mol, Studien im Auftrag von Interessenverbänden sind sicher eine meeega gute Quelle. Da war das Resultat sicher nicht schon vor der Untersuchung bekannt.
Aber im ernst: Habe mich mit dem Thema befasst. Da gibt es mehrere Studien zum Thema. Warum man gerade diese so an die grosse Glocke hängt, erschliesst sich mir nicht. Grundsätzlich lässt sich keine Voraussage zum Thema ökonomische Entwicklung durch Atomausstieg/Energiestrategie 2050 treffen. Das wird man erst rückblickend können.
338
Melden
Zum Kommentar
DasSchaffenWir
06.11.2016 08:49registriert November 2015
Eine Studie im Auftrag von SES. Sorry, aber da ist auch kein anderes Ergebnis zu erwarten!
2310
Melden
Zum Kommentar
80

Diese Atomlager bedrohen Millionen Menschen und die Umwelt

Egal ob in Russland, den USA, im Pazifik oder im Atlantik: Überall wird Atommüll gelagert. Es gibt jedoch bis heute kein einziges Endlager für hochradioaktive Abfälle. Weltweit. Viel schlimmer noch: Viele dieser provisorischen Stätten sind tickende Zeitbomben für Mensch und Umwelt.

Früher machte man es sich einfach. Nuklearer Abfall wurde verbuddelt, in Seen geworfen oder im Meer versenkt. Klappe zu, Affe tot.

Die Devise war klar: Bloss weg mit dem Atommüll. Doch wohin? Jedes mögliche Lager stösst verständlicherweise immer, zumindest in dicht besiedelten Ländern wie der Schweiz oder Deutschland, auf massiven Widerstand der Bevölkerung. Wer will schon neben einem atomaren Endlager wohnen?

In der Schweiz wird seit Jahren nach einem Standort gesucht, um die radioaktiven …

Artikel lesen
Link zum Artikel