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Diese Aufnahme wurde von einem Autofahrer im Tirol veröffentlicht.Video: Youtube/simi366

Ein Meteor raste über die Schweiz, dann knallte es: Die eindrücklichen Videos und Bilder

Aus Kriens, Zürich, dem Sarganserland und auch aus dem Süden Deutschlands sind am Sonntagabend einheitliche Meldungen eingegangen: Ein heller Feuerball erleuchtet die klare Märznacht und verschwindet nach kurzer Zeit, begleitet von einem Donnergrollen, in der Dunkelheit. Was ist passiert? 
15.03.2015, 21:4817.03.2015, 15:35

Jonas Schenker von der Sternwarte Schafmatt im Aargau weiss schon ziemlich genau, was los ist. «Es treffen bei uns laufend Meldungen ein, offenbar ist ein Meteor über der Schweiz geflogen». Sachlich erklärt er, dass es sich beim Meteor um einen sogenannten Boliden handeln dürfte. Ein Objekt, das eine Grösse von 2-3 Zentimetern bis Faustgrösse erreichen kann. 

«Uns hier in der Sternwarte Schafmatt ist kein Fall bekannt, wo ein Meteor von Donnergeräuschen begleitet worden ist.»
Jonas Schenker, Sternwarte Schafmatt

Normalerweise verglühen kleine Meteoriten ausserhalb der Atmosphäre. Bei etwa 100 Kilometern Entfernung entsteht durch die Ionisierung ein leuchtender Lichtschweif.

Diese Aufnahme entstand angeblich im süddeutschen Freiburg.video: youtube

Deutschen Experten zufolge dürfte es sich um eine sogenannte «Feuerkugel »handeln. Das sind grössere Meteoriten, die beim Verglühen besonders hell aufleuchten.

In diesem Film ist das Aufglühen zu sehen.video: youtube

Um 20.44 Uhr sei der Meteor für fünf bis sechs Sekunden am Himmel zu sehen gewesen. Eine spezielle Kamera habe das Phänomen festgehalten. Zudem hätten bis um Mitternacht rund 15 Augenzeugen die FMA per Meldeformular kontaktiert. Auch bei der Polizei gingen von Süddeutschland über Zürich und Aargau bis in den Kanton Solothurn Meldungen ein.

Ist der Meteor ganz verglüht?

Noch kann man nicht sagen, ob der Meteor ganz verglüht ist, oder ob ein Teil davon auf der Erdoberfläche aufgeprallt ist. Jonas Schenker ist bei aller wissenschaftlichen Gelassenheit aber schon anzumerken, dass es sich hier um ein spezielles Ereignis handeln könnte. Dass Teile von Kometen oder Asteroiden in die Erdatmosphäre eindringen und eine Leuchtspur hinterlassen, geschieht laut Schenker jede Nacht hundertfach. «Uns hier in der Sternwarte Schafmatt ist aber kein Fall bekannt, wo ein Meteor von Donnergeräuschen begleitet worden ist.» 

Das könnte darauf hinweisen, dass das Flugobjekt tatsächlich sehr nahe bei uns heruntergekommen ist. In der Regel verdampfen Meteore in 70 bis 100 Kilometern Höhe vollständig. Jener vom Sonntagabend dürfte sich der Erdoberfläche bis auf rund 20 Kilometer genähert haben.

20 Minuten Online berichtet von einem Leser, der auf seiner Terrasse in Schöftland (AG) faustgrosse schwarze Gesteinsbrocken gefunden hat. Vier dieser Steine seien in seinem Garten gelegen, so der 19-Jährige. Er habe keine andere Erklärung dafür, als dass sie von dem Meteor stammen, der am Sonntagabend über der Schweiz, Süddeutschland und dem Tirol zu sehen war. Falls dies zutrifft, so handelte es sich bei dem Feuerball nicht um einen Meteor, sondern um einen Meteoriten – einen Meteor also, der die Erde erreicht. 

Der Meteoriten-Sammler Beat Booz, Mitglied der Fachgruppe Meteorastronomie, zeigte sich laut Medienbericht skeptisch. Die Steine sähen nicht wie typische Meteoriten aus.

Laut Schenker von der Fachgruppe Meteorastronomie sei nicht auszuschliessen, dass einige Bruchstücke des gestrigen Meteors nicht vollständig in der Atmosphäre verglühten, sondern im freien Fall den Boden erreichten. «Wo dies der Fall hätte sein können, ist noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen.»

Meteor oder Meteorit?
Solange die Himmelskörper, die kleiner als Asteroiden, aber grösser als Moleküle sind, sich noch im interplanetaren Raum ausserhalb der Erdatmosphäre befinden, nennt man sie «Meteoroiden». Dringen sie in die Erdatmosphäre ein, nennt man die dabei auftretende Leuchterscheinung «Meteor». Sind sie heller als die Venus, werden sie auch «Feuerkugeln» genannt, noch hellere heissen auch «Boliden». Erreicht tatsächlich ein Teil des Körpers die Erdoberfläche, dann nennt man diese Bruchstücke «Meteoriten». Täglich fallen bis zu 40 Tonnen kosmische Trümmer auf die Erde – der Löwenanteil davon besteht allerdings aus Mikrometeoroiden, die kleiner als 0,1 Millimeter sind. 

Letztlich handelt es sich bei diesem Boliden um eine überdimensional grosse Sternschnuppe. Und somit darf sich die Schweiz also auch etwas überdimensional Grosses wünschen! 

Auf www.meteorastronomie.ch werden laufend Meldungen und Fotos vom Meteoriten hochgeladen. Mehrere Augenzeugen filmten oder fotografierten den Meteoriten und stellten Bilder und Videos online:

Meteorit über Mannheimvideo: youtube/rv112xy
Augenzeugenbericht
Augenzeugenberichtuserinput: adelheid ruf
Trotz beachtlichem Lichtball: Der Meteor war maximal so gross wie eine Faust.
Trotz beachtlichem Lichtball: Der Meteor war maximal so gross wie eine Faust.Bild: Screenshot Youtube

(voi/dhr/trs/sda)

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