Schweiz
Verbrechen

Kriminelle nutzen Tod von Alfred Heer schamlos mit Fake-Anzeigen aus

«Schweinerei»: Kriminelle nutzen Tod von Alfred Heer schamlos mit Fake-Anzeigen aus

Kriminelle aus dem Ausland nutzen prominente Schweizer Politiker und Wirtschaftsführer erneut als Lockvögel in Fake-Werbeanzeigen für eine betrügerische Investmentplattform. Wer einzahlt, verliert sein Geld.
19.01.2026, 06:4919.01.2026, 10:21
Othmar von Matt / ch media

Er sei ja jetzt reich, sagten Bekannte plötzlich zu Mauro Tuena. Sie sprachen den SVP-Nationalrat damit auf eine Werbeanzeige an, die nach dem Tod von SVP-Nationalrat Alfred Heer auf Facebook und Instagram erschienen war.

Die Fake-Werbung zu Alfred Heer.
Die Fake-Werbung zu Alfred Heer.Screenshot Facebook

Tuena traute seinen Augen nicht, als er las, was da stand, als «Blick»-Artikel getarnt: Alfred Heer habe ihm seine IT-Firma, 180 Millionen Franken wert, zu 51 Prozent vermacht. Tuena hatte geschäftlich mit Heer zusammengearbeitet und war mit ihm befreundet.

Heers Familie wiederum habe eine Investmentplattform geerbt: «Bergkuppe Portia», eine Plattform, die mit KI globale Märkte analysiere und täglich Tausende von Mikro-Transaktionen tätige. Am Ende folgte die Aufforderung, sich mit 250 Franken zu registrieren. Rentabilität: 3500 bis 9000 Franken.

Parteifreund Tuena wurde aktiv

«Das ist absolut pietätlos», sagt Mauro Tuena. «Diese Anzeige ist eine Schweinerei. Alles ist Lug und Trug. Nicht ein einziges Wort stimmt. Zudem werden ahnungslose Leser in die Irre geführt.» Er habe alles unternommen, um die Website mit der Fake-News zu sperren. «Ich habe unverzüglich Meldung gemacht: Beim Bundesamt für Cybersicherheit und beim Bundesamt für Polizei Fedpol. Beide Stellen waren sehr hilfsbereit.»

Nationalrat Mauro Tuena, SVP-ZH, stellt eine Frage an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 16. September 2025, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Mauro Tuena intervenierte bei der Polizei.Bild: keystone

Auch andere Politiker und Wirtschaftsführer wurden als Lockvögel für Investitionsplattformen missbraucht. So wirbt Christoph Blocher vermeintlich für ein Investment, das einen wöchentlichen Gewinn von 12'800 Franken garantiert. Dutzende verloren Geld. Bundesrat Albert Rösti taucht genauso auf wie Unternehmer Peter Spuhler und UBS-Chef Sergio Ermotti.

Mauro Tuena richtet deshalb einen Aufruf an Facebook, Instagram, X und Microsoft News: «Ich appelliere an die Betreiber der verschiedenen Plattformen, sofort zu reagieren, wenn derartiger Missbrauch gemeldet wird.» Und er kritisiert: «Auf eine Reaktion des Meta-Konzerns warte ich leider bis heute, das ist sehr ärgerlich.» (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
29 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Donnerherz
19.01.2026 07:15registriert November 2020
Auf YouTube gibt es fast ausschliesslich Betrügerwerbung. Wäre auch ein Thema für die EU.
421
Melden
Zum Kommentar
avatar
Squawk 7700
19.01.2026 09:12registriert Mai 2025
Als ob die Social Media Plattformen solche Werbung abschalten würden. Übrigens, auch viele kleine Zeitungen und Fachzeitungen haben solche Werbung auf ihren Portalen und tun nichts dagegen. Denn das gibt Geld.
Das ist aber nichts neues, sondern geht schon seit Jahren so, auch mit DJ Bobo, Roger Federer und Mona Vetsch uvm.
Die SVP hätte aber die Möglichkeit das im Parlament einzubringen, damit diese härter reguliert werden. Verträgt sich aber nicht mit dem kuschen vor Trump.
257
Melden
Zum Kommentar
avatar
goschi
19.01.2026 09:52registriert Januar 2014
Moment...

Empören sich da gerade diejenigen, die bisher härtere Massnahmen gegen Betrugswerbung (halb Facebook ist voll davon, aber auch auf allen Webseiten die Drittverwertung zulassen (ja Watson) ist das allgegenwärtig, die Werbung in den grauen Kästen ist das) und auch die Haftbarkeit derer, die Werbung veröffentlichen darüber?

Liebe SVP (und FDP), wenn man immer mit "Liberalismus" begründet und gegen massnahmen ist, weil Geschäftsmodell vor Moral kommt, dann...
Jetzt bei Heer aber... da ist es empörend? davor bei allen anderen noch nicht?
238
Melden
Zum Kommentar
29
Ungleichbehandlung der Morettis, Frauen spenden Haare: Das gibt es Neues zu Crans-Montana
Vor Gericht werden Jacques und Jessica Moretti unterschiedlich behandelt: Während er in Untersuchungshaft musste, bleibt sie auf freiem Fuss. Parallel sorgt ein aktueller Trend in den sozialen Medien dafür, dass junge Frauen ihre Haare für die Brandopfer von Crans-Montana spenden. Zudem zeigt sich, dass das Ausbildungsniveau der Brandschutzinspektoren je nach Kanton stark variiert. Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
Zur Story