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Crans-Montana: Waadt gewährt keine Prüfungsbefreiung nach Katastrophe

KEYPIX - Les membres du Gouvernement vaudois Christelle Luisier, Nuria Gorrite, Frederic Borloz, Vassilis Venizelos, dans la salle du Parlement lors de la seance du Grand Conseil vaudois sur le Budget ...
Der Kanton hat mehrere Gesuche von Familien abgelehnt, die eine Ausnahme beantragt hatten. Er stellt jedoch verschiedene Anpassungen und Unterstützungsangebote in Aussicht.Bild: KEYSTONE

Waadt gewährt keine Prüfungsbefreiung nach Brandkatastrophe

23.04.2026, 15:4123.04.2026, 15:41

Von der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS betroffene Jugendliche aus dem Kanton Waadt im letzten Ausbildungsjahr werden nicht von den Abschlussprüfungen befreit. Der Kanton hat mehrere Gesuche von Familien abgelehnt, die eine Ausnahme beantragt hatten. Er stellt jedoch verschiedene Anpassungen und Unterstützungsangebote in Aussicht.

Bildungsdirektor Frédéric Borloz (FDP) hält in einem Schreiben vom 15. April fest, dass «der massgebliche rechtliche Rahmen» auf Bundesebene festgelegt ist. Der Brief wurde von der Zeitung «Le Temps» publik gemacht wurde und liegt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor.

Es liege in der Kompetenz der Eidgenossenschaft, die «Diplome und Abschlüsse anzuerkennen und zu validieren», die von den Kantonen ausgestellt würden. «Dieser Rahmen kann nicht angepasst werden, und nichts erlaubt es uns, davon abzuweichen», betont der Vorsteher des Departements für Unterricht und Berufsbildung (DEF) unter Verweis auf «zahlreiche Gespräche mit verschiedenen Bundes- und interkantonalen Stellen».

Die ausgestellten Abschlüsse müssten bundesweiten Kriterien der Vergleichbarkeit und Anerkennung entsprechen, die ihre Bedeutung und Glaubwürdigkeit auf nationaler Ebene gewährleisten, fuhr er fort.

Nicht wie während der Corona-Krise

Die während der Covid-19-Pandemie ergriffenen Massnahmen – als die Schulen mehrere Wochen geschlossen waren – seien nicht übertragbar. «Der aussergewöhnliche Kontext der Pandemie wurde einheitlich auf alle Kantone angewendet und kann aus rechtlichen Gründen im vorliegenden Fall nicht übernommen werden», so Borloz.

Dennoch verfüge der Kanton über einen gewissen Spielraum, um «nicht nur den Unterricht, sondern auch die Modalitäten der Prüfungen» zu gestalten.

Genannt werden unter anderem Tutorate, Massnahmen zum Nachteilsausgleich sowie Semesteraufschübe, um die betroffenen Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Zudem bietet der Kanton Gespräche mit den Schulleitungen an, falls diese noch nicht stattgefunden haben.

«Wir werden sie unterstützen»

In einer Stellungnahme gegenüber Keystone-SDA betont Borloz, dass «der gesamte vorhandene Handlungsspielraum» ausgeschöpft und individuell angewendet werde. «Wir werden ihnen bei der Vorbereitung helfen und bei Bedarf individualisierte Prüfungen organisieren», versicherte er.

Im Kanton Waadt leben die meisten vom Brand in Crans-Montana betroffenen Schülerinnen und Schüler. Er ist auch der einzige Kanton, in dem sich die Frage nach Abschlüssen für Jugendliche im letzten Ausbildungsjahr stellt, wie «Le Temps» schreibt.

Gemäss Zahlen des DEF sind 21 Schülerinnen und Schüler der öffentlichen Waadtländer Schulen betroffen – darunter Verletzte, aber auch Jugendliche, die indirekt betroffen sind, etwa Geschwister eines verstorbenen Opfers. Von diesen 21 befinden sich zehn im letzten Ausbildungsjahr. (sda)

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Die beliebtesten Kommentare
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Granatä Sepp
23.04.2026 17:04registriert April 2021
Das Leben befreit einen nicht von Prüfungen nur weil's grad scheisse läuft; was in Crans-Montana passiert ist, war eine Tragödie, das soll hier nicht kleingredet werden. Der Kanton macht es richtig: Netz spannen, den Weg aber nicht pflastern. Tutorate, Nachteilsausgleich, individualisierte Prüfungen; das ist Unterstützung mit Respekt statt Mitleid. Eine Befreiung hätte langfristig niemandem geholfen. Und wenn's nicht reicht: Ehrenrunde. So what - Eine Ausbildung die man unter widrigen Umständen durchgezogen hat, prägt mehr als eine die man geschenkt bekommen hat. Das ist kein Kaltschnäuzigkeit
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