Im Kanton Waadt wird in der Natur an Leichen-Zersetzung geforscht
Im Kanton Waadt wird am Rande eines Waldes an der Zersetzung des menschlichen Körpers geforscht. Der genaue Standort wird aufgrund «der sensiblen Natur der dort durchgeführten Arbeiten» geheim gehalten, wie das Lausanner Universitätsspital Chuv am Mittwoch mitteilte.
Diese wissenschaftliche Disziplin wird als humane Taphonomie bezeichnet. Seit letztem Herbst verfügt das Swiss Human Institute of Forensic Taphonomy (SHIFT) eine dem Rechtsmedizinischen Universitätszentrum (CURML) angegliederte Einrichtung über diese Anlage in der Natur. Sie soll es ermöglichen, derzeit noch fehlende Daten zu sammeln.
Europäische Premiere
Die Waadtländer Anlage für humane Taphonomie sei eine Premiere in Europa, betont das Chuv. Dort befinden sich ein Labor und einige Büros. Die dort untersuchten Leichen stammen von Personen, die dem SHIFT über eine vom CURML verwaltete Online-Plattform eine Spende zukommen liessen.
Die Anlage für menschliche Taphonomie werde in vielerlei Hinsicht nützlich sein, in der Schweiz und anderswo. Die Gewinnung neuer Erkenntnisse über die Zersetzung menschlicher Körper werde insbesondere Fortschritte bei der Dokumentation und Aufklärung forensischer Fälle ermöglichen.
«Wir werden Fortschritte bei der Diagnose der Todesursachen und -umstände erzielen können», liess sich SHIFT-Leiter Vincent Varlet in der Medienmitteilung zitieren. Auf internationaler Ebene würden die von den Wissenschaftlern des CHUV gesammelten Daten eine bessere Dokumentation humanitärer Ereignisse ermöglichen.
Biologische Kompostierung von Leichen
Ein Forschungsprojekt, das an diesem externen Taphonomie-Standort durchgeführt wird, widmet sich der Untersuchung der «biologischen Kompostierung von Leichen». Eine Technik, «die eine Lösung für das Problem der schlechten Zersetzung von Leichen» bieten könnte, mit dem viele Friedhöfe in der Schweiz konfrontiert sind, heisst es in der Mitteilung.
Die Biokompostierung könnte auch eine Alternative zur Einäscherung und Beerdigung sein, zwei Praktiken, die nicht mit den Wünschen und Werten aller Menschen im Einklang stünden, merkte Varlet an. Die Biokompostierung habe zudem geringere Auswirkungen auf die Umwelt als die derzeitigen Bestattungsmethoden. (sda)
