Schweiz
Waffen

Das ist die Berner Nationalbank-Sprayerin (86):

Seit gestern kennt sie die ganze Schweiz: Louise Schneider aus Bern.
Seit gestern kennt sie die ganze Schweiz: Louise Schneider aus Bern.screenshot: telebärn

Das ist die Nationalbank-Sprayerin (86) aus Bern: «Waffen machen Flüchtlinge»

«Geld für Waffen tötet». Mit dieser Parole hat die Berner Seniorin am Dienstagmorgen eine Baustellenabschrankung besprayt. Louise Schneider ist stadtbekannt. Nicht nur bei der Polizei. Im Interview spricht die Pazifistin über ihre Beweggründe und ihre ersten Spray-Versuche.
12.04.2017, 02:4512.04.2017, 06:41

Louise Schneider ist Friedensaktivistin, seit sie denken kann. Am Dienstagmorgen aber hat sie etwas zum allerersten Mal gemacht: Sie griff zur Spraydose.

In roten Lettern sprayte sie an eine Baustellenabschrankung am Sitz der Schweizerischen Nationalbank: «Geld für Waffen tötet.» Damit unterstützte sie die gleichzeitige Lancierung der GSoA-Initiative für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten. 

Erst am Montag habe sie «einer der Jungen» instruiert, sagt Louise Schneider nach ihrer Aktion in einem Interview mit Tele Bärn. Auf einem Leintuch habe sie das Sprayen geübt. «Ich kann ja den Finger kaum bewegen, deshalb hatte ich solche Mühe. Ich habe ja so Arthrose in den Händen.»

«Sie haben mich absolut ernst genommen»

Dass die Polizei vorbeikommen würde, hat sie sich gewünscht. Ihr Wunsch ging in Erfüllung: Die Seniorin wurde prompt abgeführt.

Jetzt auf

Auf dem Polizeirevier habe sie ihr «Rucksäckli» zeigen müssen, erzählt Schneider weiter. Zudem sei sie von den Polizeibeamten ausführlich informiert worden. «Sie sind sehr freundlich und zuvorkommend gewesen.» Einer habe ihr hinterher sogar noch über die Strasse geholfen. «Sie haben mich absolut ernst genommen.»

Mutterfigur der linken Szene

Es ist nicht ihre erste Erfahrung mit der Polizei. «Früher, als ich noch mehr Kraft hatte, habe ich jeweils den Schwarzen Block gehütet. Und die haben pariert.» Der Berner «Bund» nannte Louise Schneider in einem Porträt 2012 «eine Mutterfigur für die linke Szene in Bern». Als «vollamtliche GSoA-Aktivistin» ist sie in der WOZ bezeichnet worden.

Auch jetzt will sie wieder für die GSoA auf die Strasse gehen und Unterschriften sammeln. So oft und so lange es die Gesundheit zulasse. «Selbstverständlich.»

1 / 8
Sprayen für den Frieden
Die SNB mit dem Graffiti der 86-jährigen Friedensaktivistin Louise Schneider mit dem Slogan «Geld für Waffen tötet».
quelle: keystone / anthony anex
Auf Facebook teilenAuf X teilen

«Waffen machen Flüchtlinge»

«Ich bin eine Pazifistin. Ich bin konsequent gegen jegliche Waffen», sagt Louise Schneider selbst. Sie sei so erzogen worden. «Mein Vater hat gesagt: Jeder Schlag kommt zurück.» 

So analysiert sie auch die momentane Flüchtlingswelle. «Da produziert man Waffen für den Krieg und investiert Geld in Kriegsmaterial, auch die Schweiz. Waffen machen Flüchtlinge – aber diese will man dann nicht.»

Die Nationalbank hat noch nicht entschieden ob sie Anzeige erstatten will gegen die «Vandalin». «Wir werden den Fall juristisch überprüfen», zitiert der «Bund» Walter Meier, Mediensprecher der Nationalbank.

«Aber wissen Sie, ich kann das ja jetzt abwaschen», sagt Louise Schneider. Sie habe absichtlich solche Farbe gewählt. (smo) 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Sieben Männer nach versuchtem Einbruch in Höchstetten festegnommen
Die Kantonspolizei Bern hat in der Nacht auf Sonntag sieben Männer nach einem versuchten Einbruchdiebstahl in ein Verkaufsgeschäft in Höchstetten BE mithilfe von Drohnen und Diensthunden angehalten. Drei Minderjährige und vier Erwachsene im Alter von 18 bis 22 Jahren wurden vorläufig festgenommen.
Zur Story