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Crans-Montana: Behörden ermitteln zu Baumaterial und Umbau der Bar

Crans Montana Brand Le Constellation
Die Schallisolierung an der Decke des Unglücksorts steht im Zentrum der Ermittlungen. Bild: Screenshot x

Baumaterial und Umbau der Bar – dazu ermitteln die Behörden im Fall Crans-Montana

Während sich die Schweiz auf einen nationalen Trauertag vorbereitet, rücken die Ermittlungen zu möglichen Sicherheitsmängeln und behördlichen Versäumnissen in den Fokus. Recherchen mehrerer Sonntagszeitungen zeichnen ein Bild mit vielen offenen Punkten.
04.01.2026, 08:5507.01.2026, 09:34

Wie der «SonntagsBlick» und die «SonntagsZeitung» berichten, plant der Bund gemeinsam mit den Schweizer Kirchen einen nationalen Trauertag für Freitag, den 9. Januar. Bundespräsident Guy Parmelin kündigte an, dass um 14 Uhr landesweit die Kirchenglocken läuten sollen. Zudem ist eine Schweigeminute vorgesehen.

Die aktuellsten News zu Crans-Montana im Ticker:

«In diesem Moment der Einkehr können alle Menschen in der Schweiz persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken»
Guy Parmelin

Dies sagte Parmelin in Interviews mit beiden Zeitungen. Der Trauertag soll ein Zeichen der Solidarität über Sprach- und Kantonsgrenzen hinweg setzen.

Swiss Federal President Guy Parmelin, Stephane Ganzer, State Councillor and head of the Department of Security, Institutions and Sport of the Canton of Valais, Frederic Gisler, Commander of the Valais ...
Bundespräsident Guy Parmelin bei seinem Besuch in Crans-Montana.Bild: keystone

Dämmmaterial im Zentrum der Ermittlungen

Parallel zur nationalen Anteilnahme laufen die strafrechtlichen Abklärungen. Laut «NZZ am Sonntag», «SonntagsZeitung» und «SonntagsBlick» konzentrieren sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unter anderem auf die in der Bar verwendeten Materialien – insbesondere auf die Schallisolierung an der Decke.

Crans Montana Brand Le Constellation
Auf Bildern der Umbauarbeiten ist zu sehen, wie das Dämmmaterial zur grossflächigen isolierung der Decke angebracht wurde.Bild: Screenshot X

Nach heutigem Kenntnisstand könnten diese Dämmplatten eine zentrale Rolle beim raschen Ausbreiten des Feuers gespielt haben. Die «NZZ am Sonntag» schreibt unter Berufung auf Bildmaterial aus dem Inneren des Lokals, dass es sich möglicherweise um leicht entflammbares Material gehandelt habe. Zwei von der «SonntagsZeitung» befragte Experten äusserten zudem Zweifel an der fachgerechten Montage der Isolierung.

Crans Montana Decke Feuer
In einem Video ist zu sehen, wie das Dämmmaterial an der Decke wohl durch Wunderkerzen auf einer Flasche in Brand gesetzt wird.Bild: Screenshot Video

Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud mahnte gegenüber dem «SonntagsBlick» jedoch zur Zurückhaltung: Ob das Material den geltenden Normen entsprochen habe oder nicht, sei Gegenstand laufender Untersuchungen. Eine abschliessende Beurteilung sei derzeit nicht möglich.

KEYPIX - Beatrice Pilloud, Attorney General of the Canton of Valais, reacts during a press conference about the Le Constellation bar and lounge leaving people dead and injured, during New Year’s celeb ...
Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud leitet die Untersuchungen.Bild: KEYSTONE

War der Innenumbau bewilligt?

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Umbauten im Inneren der Bar. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, ist unklar, ob der Innenumbau formell bewilligt war. In den vergangenen elf Jahren finde sich im Walliser Amtsblatt keine publizierte Baueingabe für entsprechende Arbeiten – obwohl solche Eingriffe normalerweise dort aufgelistet werden müssten.

Allerdings weist die Zeitung darauf hin, dass das Walliser Recht Ausnahmen kennt: Kleinere oder als «unbedeutend» eingestufte Arbeiten können unter Umständen ohne Baubewilligung vorgenommen werden. Ob diese Regel hier zutraf, bleibt offen. Der Betreiber der Bar habe auf Anfragen der Zeitung nicht reagiert, auch von den zuständigen Behörden sei keine klare Auskunft erteilt worden. Gemeinde, Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft verwiesen sich gegenseitig weiter.

Am Freitag vertraute der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer (FDP) gegenüber watson noch darauf, dass die Gemeinde den Betrieb kontrolliert habe: «Alles kann man nicht verhindern».Video: watson/reto heimann, lucas zollinger

Spitäler ziehen Lehren aus früheren Katastrophen

Neben den Ermittlungen geraten auch die Abläufe nach dem Brand in den Fokus. Der Generaldirektor des Spitalverbunds Wallis, Eric Bonvin, berichtete in der «SonntagsZeitung», dass Journalistinnen und Journalisten versucht hätten, in Patientenzimmer vorzudringen – teils verkleidet mit weissen Kitteln.

CORRECTS CITY TO SION - Eric Bonvin, director of the Hospital du Valais, speaks during a press conference in Sion, Switzerland, Friday, Jan. 2, 2026. (Jean-Christophe Bott/Keystone via AP)
CORRECTION  ...
Der Generaldirektor des Spitalverbunds Wallis, Eric Bonvin.Bild: keystone

Das Spital in Sitten habe deshalb rasch einen Sicherheitsdienst aufgeboten. Diese Massnahme sei eine direkte Lehre aus dem Busunglück von Siders im Jahr 2012 gewesen, sagte Bonvin. Damals starben 28 Menschen, viele davon Kinder. «Wir hatten die Medieninvasion diesmal besser unter Kontrolle», so der Spitaldirektor.

Trauer, Ermittlungen und unbeantwortete Fragen

Während die Schweiz der Opfer gedenkt, zeigt sich immer deutlicher: Die juristische Aufarbeitung der Brandkatastrophe wird komplex und langwierig. Fragen zur Verantwortung, zu Sicherheitsstandards und zu möglichen Versäumnissen der Behörden sind bislang ungeklärt.

Fest steht: Crans-Montana und die Schweiz werden diesen Jahreswechsel nicht vergessen – die Ermittlungen dürften noch lange beschäftigen. (mke)

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