Diese Bar betrieb Jacques Moretti auf Korsika
In Januar 2026 sind die Kais von Bonifacio menschenleer. Die Muschelrestaurants, die Pizzerien, die Boutiquen, die Hotels und die Bars sind grösstenteils geschlossen. Die Fassaden wirken unter dem grauen Himmel traurig, und einige nutzen die Ruhe, um Bauarbeiten durchzuführen. Die Betreiber sprechen hier häufig über Geld und darüber, wie sie ihre Geschäfte weiter ausbauen können.
Eines der Lokale trägt ein rotes Schild mit dem Namen «Capitaine Bonbons». Es handelt sich um das ehemalige «Lolla Palooza», das 2014 geschlossen wurde, den Club von Jacques Moretti – der sich nach dem tödlichen Brand vom 1. Januar in Crans-Montana in Untersuchungshaft befindet. Früher feierten auch hier Jugendliche. Die Einrichtung wurde von mehreren Gesprächspartnern als zwielichtiger Schuppen und als Stripclub beschrieben.
In den sozialen Netzwerken findet man noch immer Fotos, die das Partytreiben in Morettis Lokal zeigen. Auf einigen Fotos sind leichtbekleidete Tänzerinnen zu sehen, die die Feiern jener Zeit «belebten».
Auf Jacques Moretti und das Lokal in Bonifacio angesprochen, lassen die wenigen Händler, denen man auf der Strasse begegnet, verlauten:
Die Anwälte von Jacques Moretti wollten auf unsere Fragen nicht antworten. Bis zu einer Entscheidung der Justiz gelten er und seine Ehefrau als unschuldig.
Am Freitag hat sich der Vater von Moretti gegenüber der französischen Zeitung Le Figaro geäussert. Er versicherte:
watson hat sich deshalb auf die Spur von Moretti in Korisika, wo er aufgewachsen ist und einen Grossteil seines Lebens verbracht hat, begeben.
Das sagen Nachbarn
Der erste Hinweis findet sich an den Kais von Bonifacio. Der Club von Jacques Moretti, das «Lolla Palooza», empfing lokale und internationale DJs und veranstaltete ausgelassene Partys. Jacques Moretti eröffnete ihn, nachdem er 2008 in der Haute-Savoie wegen Zuhälterei verurteilt worden war.
Auf demselben Kai, direkt neben dem «Lolla Palooza», befindet sich ein weiterer Club, der B52, der von der Familie Filippeddu betrieben wird, die der Polizei gut bekannt ist. Als historische Akteurin im Kasinogeschäft mit Sitz in Brasilien gilt sie als eine der einflussreichsten korsischen Verbrecherfamilien, die Verbindungen zur kriminellen Bande «Petit Bar» hat, die im Drogenhandel, Raubüberfällen und Erpressungen tätig ist.
Eines der Mitglieder der Familie Filippeddu wurde wegen Erpressung angezeigt, gemeinsam mit nationalistischen Anhängern der korsischen Bewegung FLNC und deren legalem Ableger, der Cuncolta naziunalista. Einer Partei, der einige Verwandte von Jacques Moretti nahe standen.
Das B52 gab es bereits bei der Eröffnung des «Lolla Palooza» und existiert bis heute. Sein Slogan lautet: «Go big or go home».
Auf Korsika sind sich alle einig: Wer es wagt, in Konkurrenz mit Gangstern zu treten, muss sich mit ihnen «arrangieren». Dieses Arrangement kann verschiedene Formen annehmen, etwa den Austausch von Gefälligkeiten, die Abgabe eines Prozentsatzes des Umsatzes. Oder es kann mit einem Bündnis mit einer anderen kriminellen Gruppe verbunden sein.
Stéphane Quéré ist Spezialist für kriminelle Organisationen und illegale Geschäfte. Er unterricht an der «École française des sciences criminelles» und sagt:
Personen aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität
Wir verlassen den Hafen und fahren in das Herkunftsdorf von Jacques Moretti. Nach Informationen aus Justizkreisen und von Ermittlern vor Ort auf Korsika gilt er als enger Vertrauter von René Pascal C. Letzterer wird in einer aktuellen Notiz des französischen Informations-, Geheimdienst- und Analysezentrums für organisierte Kriminalität (Sirasco) als Mitglied des Sisti-Clans geführt, einer Abspaltung der kriminellen Organisation La Brise de Mer, die etwa zwischen 1970 und 2000 aktiv war.
Die Auseinandersetzungen zwischen den Clans unter Beteiligung der Sisti haben laut der Sirasco zu mindestens zwei Morden geführt, einem im Jahr 2022 und einem weiteren im Jahr 2023.
René Pascal C. wurde im März 1977 geboren. Im Jahr 2018 gründete er in Ghisonaccia ein Finanzinvestitionsunternehmen, das er gemeinsam mit Bruno C. führt. Der Firmensitz befindet sich auf einem Küstenanwesen, auf dem sich ein Vier-Sterne-Campingplatz befindet. Jacques Moretti und René Pascal C. sind somit nahezu gleichaltrig und stammen aus demselben Dorf. Doch die Verbindungen gehen noch weiter: Die Tante von Jacques Moretti, die eben jenen Campingplatz leitete, ist mit Bruno C. verheiratet. Es besteht somit eine durch Heirat begründete Verbindung zwischen den beiden Familien.
Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass aufgrund der geringen Grösse Korsikas jeder jeden kennt – wenn auch nur dem Namen nach. Alle befragten Personen sprechen von einer «zwangsläufigen Nähe» zu den Clans, der man sich nur schwer entziehen kann. Mehrere Quellen bestätigen, dass Jacques Moretti von der Polizei nicht als Mitglied der kriminellen Szene angesehen wird.
Moretti in U-Haft
Jacques Moretti wurde am Morgen des 9. Januar vom Staatsanwalt des Kantons Wallis vernommen. Im Anschluss an die Anhörung wurde er in Untersuchungshaft genommen, während seine Ehefrau wieder auf freien Fuss gesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft begründet diese Massnahme mit einem nun als real eingeschätzten Fluchtrisiko. «Dies wurde unter Berücksichtigung seiner Angaben, seines bisherigen Lebenswegs und seiner Situation in der Schweiz neu bewertet», schrieb die Generalstaatsanwältin in einer Mitteilung am Freitag.
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