Schweiz
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Diesen Winter hängt die ganze Ski-Saison in der Luft

Diesen Winter hängt die ganze Saison in der Luft. Bild: shutterstock

Die Ticketpreise sind bestimmt – aber wird diese Skisaison überhaupt stattfinden?

Findet der Winter statt? Der Bundesrat will das nicht bejahen, zu unsicher sind die Zeiten. Die Branche hat schon viel Geld ausgegeben.

Niklaus Vontobel / CH Media



Die Skigebiete haben eigentlich alles vorbereitet. Die Preise sind bestimmt (siehe Tabelle). Masken wurden auf Vorrat gekauft, die sich wie Halsschläuche tragen lassen. Oder man hat diese gleich eigens neu entwickeln lassen. Es wurde viel Geld in die Hand genommen: für neue Pisten und Beschneiungsanlagen, Restaurants oder grössere Terrassen, eine Whisky-Destillerie oder für Apps zum Leistungsvergleich.

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Und doch weiss niemand, wie diese Wintersaison wird. Vieles scheint möglich, kaum etwas unmöglich. Es wird eine Wintersaison im Schwebezustand. Als der Bundesrat letzte Woche strengere Massnahmen vorstellte, liessen die Magistraten keinen Zweifel an dieser Unsicherheit.

«Aktuell gilt die Schweiz als Risikoland. Das ist Gift für den Tourismus», sagte Simonetta Sommaruga. Die Chefin des Infrastrukturdepartements ist zuständig für den öffentlichen Verkehr und damit für die Seilbahnen. Es brauche nun alle, um das Virus einzudämmen. «Wenn wir eine gute Wintersaison haben wollen, müssen wir weitere Massnahmen oder gar Schliessungen verhindern.»

Auch für die Wintersaison dürfte eine Aussage von Alain Berset zutreffen, die der Bundesrat auf einen anderen Wirtschaftszweig bezogen hatte: «Wir können heute nicht mit Bestimmtheit sagen, was passieren wird. Wir wissen es nicht. Diese Unsicherheit müssen wir akzeptieren. Wir müssen sehr flexibel sein, um uns anzupassen.»

Die Lancierung der Wintersaison musste verschoben werden

Anders gesagt: Erst muss die Schweiz schauen, wie sie das Virus wieder unter Kontrolle bringt. Erst dann kann der Bundesrat das Signal geben, das der Tourismus lange gefordert hatte: «Der Winter findet statt!» So ist es dem Vernehmen nach den Spitzen der Branche auch direkt mitgeteilt worden, als sich Tourismus und Bundesrat zuletzt zu einem Gipfel trafen.

Immerhin: Trotz der schärferen Regeln ist aktuell eine Wintersaison noch immer möglich. Dem Vernehmen nach hat Wirtschaftsminister Guy Parmelin der Branche auch Mut gemacht. Sobald die Epidemie wieder genügend im Griff sei, werde er die Lancierung der Wintersaison unterstützen. Dann würde sich Parmelin auch wieder öffentlich hinstellen und wie vor der Sommersaison der Schweizer Bevölkerung empfehlen: «Machen Sie Ferien in der Schweiz!»

Ein bundesrätliches Signal zur Saison gilt im Wintertourismus als entscheidend. Auf der Webseite von «Die Schweiz fährt Ski!» – eine Initiative der ganzen Branche – wird vermeldet, es müssten «dringend deutliche Signale» gesendet werden. Damit ist der Bundesrat gemeint. Sein Schweigen habe schon Folgen gehabt: Es gebe bisher kaum Buchungen. «Anders als in Nachbarländern fehlt in der Schweiz bisher eine klare Ansage», heisst es weiter bei «Die Schweiz fährt Ski». Damit wiederum ist der machtvolle Auftritt des österreichischen Bundeskanzlers gemeint. Sebastian Kurz hatte im September zur Eröffnung der Wintersaison eigens eine grosse Pressekonferenz einberufen, gleich zwei Minister mitgebracht – und der Welt verkündet: «Skifahren, Kulinarik, Natur und Gastfreundschaft geniessen – all das wird im Winter möglich sein.»

Bundesrat war zurückhaltender als Kurz – das hat sich ausbezahlt

Einen solchen Auftritt hätte der schweizerische Tourismus lange Zeit auch gern gesehen. Doch das war vor der Explosion der Fallzahlen in ganz Europa. Mittlerweile ist eine gewisse Einsicht eingekehrt: Würde Kurz seine Aussagen vom September auch heute noch wiederholen? Wohl kaum. Das weiss man im Tourismus inzwischen, so wird es auch in Bundesbern gesehen.

Kurz hat an diesem Wochenende reagieren müssen. Im November gilt, was der Bundeskanzler einen «zweiten Lockdown» nennt. Restaurants müssen geschlossen bleiben. Bloss noch Abhol- und Lieferdienste sind erlaubt. Es sind keine Veranstaltungen mehr möglich in Kultur, Sport und Freizeit. Und von 20 Uhr abends bis morgens um 6 Uhr darf man keine anderen Menschen mehr besuchen gehen.

Auf politische Signale darf der Tourismus derzeit also nicht zählen, weder in Österreich noch in der Schweiz.

Die Situation sei gegenwärtig tatsächlich schwierig, heisst es auf Anfrage vom Wirtschaftsdepartement. Bundesrat Parmelin sei es aber wichtig, dass dennoch für die Wintersaison die bestmöglichen Rahmenbedingungen geschaffen werden können. Momentan gelte es, die Auswirkungen der zweiten Welle im Auge zu behalten. So oder so werde sich Parmelin weiterhin zum Tourismus und zur bevorstehenden Saison äussern, allenfalls auch mit einer Videobotschaft. Eine Sprecherin sagt:

«Seine Hoffnung, dass wir auch in diesem Winter Ferien in der Schweiz machen können, ist intakt.»

Pandemie-Absicherungen sollen die Unsicherheit vertreiben

Die Wintergebiete warten nicht auf den Bundesrat. Man hilft sich selbst, so weit möglich. Ein Weg sind die Pandemie-Absicherungen, die viele Wintersportgebiete eingeführt haben. Bei «Die Schweiz fährt Ski» wird gar so etwas wie ein generelles Versprechen gemacht. Im Fall eines Corona-Ereignisses garantiere man eine «flexible zuvorkommende Handhabung bei nicht bezogenen Leistungen.»

In Arosa Lenzerheide zum Beispiel wurde den Gästen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen zugesichert: bei einem vorzeitigen Abbruch der Saison würde sie eine Gutschrift für die kommende Saison erhalten. Das hat geholfen. Die Vorverkäufe zogen an.

Und die Wintergebiete tun, was sie können, um Ansteckungen zu verhindern. Meist gilt Maskenpflicht in allen Anlagen, in geschlossenen Räumen und allen Restaurants. In Engelberg wird mithilfe von UV-Licht und Verneblungsanlagen desinfiziert. In Laax darf in einigen Restaurants neu Online bestellt werden, damit man am Tisch sitzen bleiben kann.

Adelboden-Lenk

Es werden «Winter Community Masks» verkauft, die vom Bündner Startup Muntagnard auf diesen Winter hin neu entwickelt wurden. Die Masken werden zu einem vergünstigten Preis verkauft.

Es wurden 15 Millionen Franken investiert, um das Beschneien am Betelberg Lenk auszubauen. Neu können nun wichtige Pisten durchgängig beschneit werden, wie: Leiterli-Stoss, Tschuggen oder Balmen und das «Swiss Snow Kids Village».

Skifahrer und Snowboarder können ihr Tempo messen. Und man kann via App nachschauen, wie viele Höhenmeter man einem Tag geschafft hat.

Aletsch Arena (Riederalp, Bettmeralp, Fiesch-Eggishorn)

Käufer von Saison- und Jahreskarten erhalten kostenlos einen Halsschlauch, der vom BAG definierten Standards entspricht. Für alle anderen Gäste werde dieser Halsschlauch zu «attraktiven Preisen» verkauft.

Andermatt Sedrun

Es werden zertifizierte Multifunktionstücher an die Gäste verkauft, zum Preis der Selbstkosten. Diese Tücher entsprechen den Empfehlungen des BAG.

Am Glütschexpress wurde die Kapazität ausgebaut, um Warteschlangen zu verkürzen. Es wurden 50 Prozent mehr Terassenplätze geschaffen, damit die Gäste weniger in Innenräumen sitzen müssen. Zusätzliche Decken hat man ebenfalls beschafft.

An der Pendelbahn Andermatt-Gurschen kann man neu reservieren. So soll die Nachfrage besser gesteuert werden können, damit sich nicht irgendwo Wintergäste ballen. Kunden mit einer Jahreskarte müssen nicht mehr mit allen anderen Schlange stehen – sie können in die «Primeline» (nur am Gütsch-Express).

Arosa Lenzerheide

Gäste mit einer Jahreskarte zahlen 12 Franken (Einkaufspreis) für einen zertifizierten Mund-Nasen-Schutz. Sonst kostet dieser 20 Franken. Jedoch ist die Anzahl begrenzt, ob nachbestellt werden kann, ist noch nicht klar. Der Schutz wurde in der Schweiz hergestellt vom Bündner Startup Muntagnard und kann gewaschen werden.

Auf der Seite Arosa wurde die Beschneiung ausgebaut. Die «Black Diamond Slope» konnte bisher nur befahren werden, wenn es sehr viel Naturschnee gab, neu ist man unabhängig von der Schneemenge.

Die Berghütte Tschuggen in Arosa. Das Kleinflugzeug stürzte in der Nähe der Bergstation abseits der Skipiste ab. (Archivbild)

In der Tschuggenhütte Arosa wird der Apres-Ski dieses Jahr wohl anders aussehen. Bild: KEYSTONE

Davos Klosters

Es werden an den Kassen zertifizierte Multifunktionstücher zu 5 Franken verkauft, die den BAG-Empfehlungen entsprechen. Wie schon im Sommer werden auch einfache Masken zu 1 Franken angeboten.

Engadin St. Moritz

Die Mitarbeiter tragen Multifunktionstücher, die den Empfehlungen des BAG entsprechen. Gäste können solche Schlauchtücher im Sportfachhandel kaufen, zum Beispiel in den Skivermietungen, die sich bei den Talstationen befinden.

Auf Corvatsch gibt es eine neue Whisky-Destillerie auf 3303 Meter über Meer sowie ein neues Restaurant, das Alpetta. Auf Corviglia gibt es eine neue Cross-Piste, eine neue Freeride-Piste sowie das neue Restaurant & Bar Marguns. In Zuoz gibt es eine Race Slope mit Zeitmessung und an der Talstation Diavolezza eine «Virtual Reality Experience».

Engelberg (Titlis)

Alle Inhaber von einer Jahres- oder einer Saisonkarte erhalten eine Maske mit Filter in Form eines Halstuches kostenlos nach Hause geschickt und zwar Anfang Dezember.

Auf dem Trübsee wurde die gedeckte Gastronomie ausgebaut, um mehr Platz zu schaffen. Die Kapazitäten der Ticketautomaten wurden an der Talstation verdoppelt, damit mehr Gäste ihre Tickets kontaktlos kaufen können. Der Onlineshop wurde verbessert. Die Rolltreppenhandläufe in der Talstation werden mit UV-Licht beleuchtet, damit diese frei von Viren bleiben. Die Titlis Rotair Gondeln werden mithilfe einer Verneblungsanlage laufend desinfiziert, die Titlis Xpress Gondeln ab Engelberg ebenfalls.

Flumserberg

Es wurde zusammen mit dem Schweizer Sportbekleidungshersteller Belowzero eigens eine Winterschutzmaske entwickelt und hergestellt. Diese Schutzmaske kommt als Halsschlauch mit einschiebbarem Filter daher, der den BAG-Empfehlungen entspricht. Die Inhaber von Jahreskarten erhalten die Maske kostenlos. Andere Gäste können diese Masken an den Kassen kaufen oder im Sportfachhandel für 14.90 Franken.

Es wurde ein zusätzliches Restaurant – in Form eines Holzchalets – in Tannenboden aufgebaut, für Schulen und Gruppen.

Gondel und Sessel sind auf dem Weg zum Maschgenkamm, im Skigebiet Flumserberg, am Donnerstag, 10. Maerz 2016, in Flumserberg. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das Skigebiet Flumserberg. Bild: KEYSTONE

Jungfrau (Grindelwald-Wengen)

Es werden Schutzmasken in Form von Halsschläuchen verkauft, die den Empfehlungen des BAG entsprechen. In den meisten Zügen und Gondeln können die Fenster geöffnet werden.

Ab Dezember 2020 wird die neue V-Bahn in Grindelwald Grund eröffnet, die in der Jungfrau-Region als «Generationenprojekt» gilt. 470 Millionen Franken wurden investiert. Ab jeder grösseren Stadt werden die Gäste nunmehr dank der neuen 3S-Bahn Eiger Express 47 Minuten schneller auf den Pisten beim Eigergletscher sein

Laax

Mund-Nasen-Bedeckungen und Rundschals (Marke UYN), die den BAG-Empfehlungen entsprechen, werden in den Shops an den Talstationen verkauft.

Tageskarten werden nur noch online verkauft oder per App. So will Laax die technischen Voraussetzungen schaffen, um nötigenfalls die Gästezahl beschränken zu können. Am Eröffnungswochenende wurde dies bereits getan. Mehrtageskarten können noch an den Kassen gekauft werden. In grösseren Selbstbedienungsrestaurants können Gäste sich das Essen neu Online bestellen und bekommen es am Tisch serviert.

Matterhorn Zermatt

Verschiedene Masken sind erhältlich an Kassen, Kiosk oder Restaurants: Einwegmasken, Stoffmasken – oder Masken für Wintersportler, die das Aufsetzen und Abnehmen einfacher machen.

Die Gondelbahn Kumme wird neu eröffnet: eine 10er-Gondelbahn von von Tufternkehr nach Rothorn mit einer Zwischenstation im «Wyss Gufer». Es wird die erste ferngesteuerte Gondelbahn der Schweiz sein.

Meiringen-Hasliberg

Es werden zertifizierte Multifunktionstücher verkauft, die den BAG-Empfehlungen entsprechen.

Eröffnung des neuen Bergrestaurants Käserstatt.

Saas Fee

Halsschläuche werden verkauft, die den von der Swiss National COVID-19 Science Task Force festgelegten Standards entsprechen. Und kleine Desinfektionsmittel-Flaschen werden angeboten, versehen mit einem kleinen Karabiner. So können die Gäste die Flaschen an Jacken oder Rucksäcken befestigen, und haben sie jederzeit zur Hand.

Auf «Gemeinschafts-Events» wird verzichtet: Weihnachtsmarkt, Sylvesterparty, Ice Climbing World Cup oder «Kids Days». Stattdessen will man Events mit Familie oder Bekannten ermöglichen, wie: Fonduegondel, Nachtschlitteln, Winterklettersteig, Winter-Foxtrail.

Scuol

Zertifizierte Tücher und Masken werden verkauft

Neu ein eigener Webshop, die Öffnungszeiten der Kassen werden am Abends am Freitag und Samstag verlängert, die Beschneiungsanlagen wurden verlängert.

Verbier 4 Vallées

Seilbahn in Mont-Fort wurde gebaut, Skilifts Grand-Tsay ersetzt, die Beschneiung in La Tzoumaz wurde erweitert.

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