Schweiz
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Bolgen Plaza

Ein Anwohner hat dem Bolgen Plaza einen Riegel geschoben. bild: zvg

Die Macht der Alpenkönige: Warum der Bolgen-Entscheid eine Ausnahme ist

Das Bolgen Plaza in Davos muss künftig um 19 Uhr schliessen. «Wenn ein Querulant will, steht alles still», war nach dem Entscheid zu lesen. Dabei ist es eher umgekehrt: Wo in den Bergen ein mächtiger Bauherr ein Projekt plant, kämpfen Gegner auf verlorenem Posten. Drei Beispiele.



«Davos kocht vor Wut», schreibt der «Blick» am Donnerstag. Ein einzelner Anwohner hat gegen die «Partyzone» Bolgen Plaza Einsprache erhoben und vor Bundesgericht gewonnen. Jetzt ist um 19 Uhr Schluss mit Halligalli am Fusse des Jakobshorns.

Dass sich die Besitzer des Bolgen Plaza bei dessen Bau nicht immer an die Gesetze hielten, wird ausser Acht gelassen. Auf der Doppelseite der Zeitung blicken die wütenden und enttäuschten Betreiber in die Kamera, ein praxisfernes Urteil der «Herren Richter» sei das gewesen, heisst es.

Tatsächlich ist Davos ein Ausnahmefall. In der Regel werden gern Augen zugedrückt und Areale umgezont, wenn es um Skigebiete geht. Naturschützer und Einzelpersonen können zwar mit Einsprachen Projekte über Jahre hinauszögern. Am Ende aber sind sie trotzdem meist die Verlierer. Denn gegen die mächtigen Lokalmatadore der Alpen haben sie kaum eine Chance. Drei Beispiele:

Eiger-Express Grindelwald

Noch vor Ende 2016 soll die Baubewilligung für die neue V-Bahn von Grindelwald-Grund bis zum Eigergletscher mit 28 Sitzplätzen unter Dach und Fach sein. Die Bahn soll die Fahrtzeit auf die Jungfrau verkürzen und Grindelwald attraktiver und wieder konkurrenzfähiger machen. Doch für den Jungfraubahnen-CEO erweisen sich fünf Einsprachen als wahre Knacknüsse. Eine Hotelier-Familie wehrt sich gegen die Linienführung des Eiger-Expresses, ebenso Pro Natura und ein privater Grundeigentümer.

Eine Einsprache gegen eine geplante Haltestelle sowie eine gegen ein geplantes Parkhaus sind ebenfalls hängig. 

Doch das muss den CEO der Jungfraubahnen, Urs Kessler, nicht beeindrucken. Dass die V-Bahn kommen wird, daran scheint niemand ernsthaft zu zweifeln. Schliesslich leben über 90 Prozent der Grindelwalder von den Bahnen, über 600 halten Jungfraubahnen-Aktien. Kessler gibt sich auf jeden Fall siegesgewiss – und scheint für das Durchsetzen seines Projektes wirkungsvolle Mittel zu haben. Seine Kritiker berichteten vor zwei Jahren im «Beobachter» von Einschüchterungsversuchen und Schikanen.

Tennis Champion Roger Federer vor dem Tennis Showmatch mit Skirennstar Lindsey Vonn auf dem Jungfraujoch auf 3454 Meter ueber Meer anlaesslich der Eroeffnung des Lindt Swiss Chocolate Heaven am Mittwoch, 16. Juli 2014. Im Bild v.l.n.r.: CEO der Jungfraubahnen Urs Kessler, Skirennstar Lindsey Vonn, Tennis Champion Roger Federer und CEO von Lindt und Spruengli Ernst Tanner.(PHOTOPRESS/Alexandra Wey)

Urs Kessler, CEO der Engelberg-Bergbahnen (ganz links) mit Prominenz und Köchen. Bild: PHOTOPRESS

«Schneeparadies» Titlis

Unter dem Titel «Schneeparadies» schwebt den Titlisbahnen seit Jahren ein einziges grosses Skigebiet vom Titlis über die Melchseefrutt bis nach Hasliberg vor – aus umweltpolitischen Gründen ein äusserst umstrittenes Projekt. Als erster Schritt sollte eine direkte Gondelbahn-Verbindung zwischen Engelberg und Titlis-Stand die bisherige Anlage ersetzen. Eine sogenannte «massvolle Weiterentwicklung des Tourismusgebietes Engelberg-Trübsee-Titlis».

Pro Natura Unterwalden und der WWF erhoben Einsprache gegen das Projekt beim Bundesrat. Der Grund: Der Bau tangierte einen etwa zehn Quadratkilometer grossen Teil eines Wildschutzgebietes. Doch die Einsprache der beiden Umweltschutz-Organisationen nützte nur bedingt. Im November 2013 wurde die Wildschutzzone auf die gegenüberliegende Talseite verschoben. Eine Zone am Südhang, die als idealer Lebensraum für Wildtiere gilt, wurde abgelehnt – sie würde dem «Schneeparadies» im Weg stehen.

Albert Wyler, links, und Eugenio Rueegger, die Direktoren der Titlisbahnen bei der Eroeffnung der Rotair-Titlisbahn bei Engelberg im Kanton Obwalden, der ersten rotierenden Bergbahn zwischen Stand und Titlis, aufgenommen am 20. Dezember 1992. (KEYSTONE/Str)

Albert Wyler (links) war langjähriger Präsident der Engelberg-Titlis-Bergbahnen AG. 2012 wurde er wegen unberechtigter Transaktionen in der Finanzbuchhaltung von Norbert Patt abgelöst. Bild: KEYSTONE

Ferienresort Disentis

Eine Ferienwohnungsüberbauung sollte Familien ins bündnerische Disentis locken. 40 Wohnungen in 18 Häusern auf einem Grundstück von 9000 Quadratmetern waren geplant. Das Baugesuch wäre durchgekommen, hätte nicht Helvetia Nostra, eine Vereinigung des Zweitwohnungsinitiativen-Vaters Max Weber, Einsprache erhoben, weil das Projekt gegen das Gesetz verstösst. 

Das Bündner Kantonsgericht und das Bundesgericht hoben Ende 2015 die Bewilligung auf. Nun wird geprüft, ob das Projekt auch mit Erstwohnungen realisierbar ist. 

Für Roland Büchi, CEO der Disentis AG, zwar eine Enttäuschung, von einem Rückschlag kann aber nicht die Rede sein: Sein geplantes Ferienresort für 60 Millionen, 140 bewirtschaftete Wohnungen in sechs Häusern, wurde durch den Bundesgerichtsentscheid nicht tangiert. In einem Schreiben der Bündner Regierung vom Juli 2016 heisst es: «Um dieses Projekt planungs- und baurechtlich zu ermöglichen, wird das Baugesetz (BauG) mit dem Artikel 27b1s «Zona speciala Catrina» (Spezialzone Catrina) ergänzt (...)». 

Bild

Kurzerhand zur Spezialzone umfunktioniet: Das Catrina in Disentis. bild: pressebild

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Barracuda 21.10.2016 17:47
    Highlight Highlight Danke, endlich mal ein etwas differenzierter Beitrag zu diesem Thema. Was der Blick aufgezogen hat in dieser Diskussion ist unterste Schublade, aber bei dieser muss man sich auch bedienen, um den gemeinen Blick Kommentarschreiber zu bedienen. Der Fall ist sonnenklar, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat. Die Freiheit hört dort auf, wo andere erheblich darunter leiden müssten oder selbst massiv eingeschränkt werden. Aber heute ist sich jeder selbst der Nächste. Gottseidank sind wenigstens diesmal die Dorfkönige von Davos gleich vor dem Gesetz.
  • Chris van Berg 21.10.2016 13:40
    Highlight Highlight Halte persönlich auch nichts von Querulanten welche ihr eigenes Wohl über jedes der Allgemeinheit stellen.
    Die Rechte des Individuums sind aber der Elementare unterschied zu Ländern wie China. Die Umsiedelung von ein paar Tausend, zum wohl der Allgemeinheit sind hier nicht möglich.
  • El Vals del Obrero 21.10.2016 13:12
    Highlight Highlight Der Frust bei Einsprachen mag ja verständlich sein.

    Wenn man nicht will, dass "Querulanten" und "Öko-Spinner" usw. etwas verhindern können, warum ändert man dann die entsprechenden Gesetze nicht?

    Irgendwie ist es bedenklich, wenn so gegen Leute gehetzt wird, nur weil sie ein Recht, dass ihnen gesetzlich zusteht, in Anspruch nehmen.
    • Marcel Nandy Füllemann 23.10.2016 01:46
      Highlight Highlight Alles offene und liberale Menschen. Aber bloss solange es um die eigene Meinung geht. Davon gibt es leider noch mehr Leute..
  • ma vaff... 21.10.2016 12:00
    Highlight Highlight Hihi...
    Matti Chaletbau in Gstaad fehlt noch...
    Die Bergmafia schlechthin
  • Albi Gabriel 21.10.2016 11:43
    Highlight Highlight Was stimmt nicht daran, dass die Querulanten alles blockieren? In den aufgeführten Beispielen haben genau die Topquerulanten von WWF, Pro Natura und Helevetia Nostra innovative und für die Bewohner der Regionen finanziell interessante Projekte verzögert oder sogar gestoppt.
    • Hierundjetzt 21.10.2016 13:49
      Highlight Highlight ...und dummerweise vom Bundesgericht recht erhalten.

      Gemäss Ihrer Argumentation ist unser höchstes Gericht somit auch einQuerulant?
    • Albi Gabriel 21.10.2016 15:26
      Highlight Highlight Nein, nicht unbedingt, aber eine grosser Anteil der Bevölkerung hat leider keine Ahnung bei Abstimmungen und nimmt irgendwelche beknackten Initiativen (Zweitwohnungsinitiative) an, von denen dann ganze Landesteile leiden müssen. Im Prinzip müsste die ganze Raumplanung mit Ausnahme von landeswichtigen Infrastrukturen eine rein kommunale Aufgabe sein, in welche weder der Bund noch die Kantone sich einmischen dürfen. Hätte noch den positiven Nebeneffekt, dass man ganze Abteilungen der Verwaltung einsparen könnte...
    • Barracuda 21.10.2016 17:37
      Highlight Highlight *stammtischklopf*
    Weitere Antworten anzeigen
  • atomschlaf 21.10.2016 11:29
    Highlight Highlight Es gibt auch unzählige Gegenbeispiele.
    Wie auf dem Berninapass, wo Umweltverbände und ENHK eine Verbindung der Skigebiete Diavolezza und Lagalb verunmöglicht hatten, notabene nicht in einem unberührten Talkessel, wofür ich ja noch Verständnis hätte, sondern in einem Gebiet mit Hochspannungsleitung, Stausee, Bahnlinie, vielbefahrerer Hauptstrasse und zwei Luftseilbahnen.
  • Kathar89 21.10.2016 11:22
    Highlight Highlight Mir sind solche "Lokalmatadore" in den Bergen auch bestens bekannt. Machttypen, die sich alles erlauben und Besucher aus dem Unterland auch nach Jahrzehnten noch wie Fremde behandeln.
    Noch ein wenig zu Leide werken und Angst einjagen, damit man ja die Klappe hält oder noch besser verschwindet und sie in ihrer "heilen" Welt in Ruhe bauen lässt wie, wo und was sie wollen.
  • Perwoll 21.10.2016 09:55
    Highlight Highlight Scheint mir eher als hätte hier der Unterländer bei einer Auftragsvergabe den kürzeren gezogen...

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