Schweiz
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Die Fabrik der Alstom in Birr im Kanton Aargau fotografiert am Mittwoch, 13. Januar 2016. Der franzoesische Industriekonzern Alstom plant in der Schweiz bis zu 1300 Stellen abzubauen. Betroffen sein duerften in erster Linie die Standorte in den aargauischen Gemeinden Baden, Birr, Daettwil, Turgi und Oberentfelden. Der Abbau ist eine Folge davon, dass der US-Konzern General Electric (GE) die Energiesparte von Alstom uebernimmt. Der Deal war im letzten Jahr beschlossen worden. Alstom konzentriert sich nach dem Ausstieg aus dem Energiegeschaeft auf seine Zugsparte. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat am Dienstagabend vom geplanten Stellenabbau bei Alstom erfahren. Er zeigte sich betroffen, hat aber auch ein gewisses Verstaendnis fuer den Entscheid. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Die Fabrik der Alstom in Birr – dieser Standort bleibt erhalten.
Bild: KEYSTONE

War Alstom erst der Anfang? – In der Industrie ist kein Ende des Stellenabbaus in Sicht

Der US-Konzern General Electric hat nach der Übernahme von Alstom nun 1300 Stellen im Kanton Aargau gestrichen. Die Anpassung an den Frankenschock ist nicht abgeschlossen. In der Industrie ist noch kein Ende des Stellenabbaus in Sicht.

Tommaso Manzin, Roman Seiler / Aargauer Zeitung



1300 auf einen Streich. Auf einen Schlag werden bei der vom US-Konzern General Electric (GE) übernommenen Alstom im Kanton Aargau 1300 Stellen gestrichen. Der überraschend hohe Abbau schürt Ängste vor weiteren bösen Überraschungen. Seitens der Politik gibt man sich schon zufrieden, dass die Standorte Baden, Birr, Dättwil, Turgi und Oberentfelden beibehalten werden.

Es gibt gewiss branchenspezifische Gründe für den Kahlschlag. Zu den Sorgen des Energiesektors gehört gerade der Bereich Gas- und Dampfkraft. In der Pressemitteilung weist GE denn auch ausdrücklich darauf hin. Das Unternehmen bestätigt, dass der Wärmekraftwerkmarkt massiv geschrumpft sei.

Preis der Globalisierung

Es gibt aber auch unmittelbar mit General Electric zusammenhängende Erklärungen für den Aderlass beim grössten Arbeitgeber im Kanton Aargau. GE ist mehr daran interessiert, in seinem Stammland USA oder anderen grossen Märkten keine gebrannte Erde zu hinterlassen. In Frankreich oder Deutschland, wo GE im Verhältnis zur Gesamtbelegschaft weniger Jobs streicht, sind die Kosten von Entlassungen für Unternehmen höher. Das ist eigentlich ein Argument für die Schweiz, wenn es um den Zuzug neuer Unternehmen geht. Es macht ihnen aber auch die Verabschiedung wieder leichter.

Der Gemeindeammann von Birr Markus Buettikofer posiert vor der Fabrik der Alstom in Birr im Kanton Aargau am Mittwoch, 13. Januar 2016. Der franzoesische Industriekonzern Alstom plant in der Schweiz bis zu 1300 Stellen abzubauen. Betroffen sein duerften in erster Linie die Standorte in den aargauischen Gemeinden Baden, Birr, Daettwil, Turgi und Oberentfelden. Der Abbau ist eine Folge davon, dass der US-Konzern General Electric (GE) die Energiesparte von Alstom uebernimmt. Der Deal war im letzten Jahr beschlossen worden. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Markus Büttikofer, Gemeindeammann von Birr: Die Sorge ist gross.
Bild: KEYSTONE

Gegen noch etwas ist Industriepolitik machtlos: den Wettbewerbsverlust durch die Aufwertung der Währung. Es mag ein Zufall sein, dass der prozentuale Stellenabbau von GE in der Schweiz grösser ist als in Deutschland oder Frankreich, Es ist aber kaum denkbar, dass der harte Franken und die damit verbundenen hohen Kosten im Kalkül der Unternehmen keine Rolle spielen.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Franken durch die Schweizerische Nationalbank vor genau einem Jahr liess den Franken sprunghaft aufwerten und schüttelte neben Detailhandel und Bergtourismus vor allem die Industrie durch. Von einem Tag auf den anderen wurden deren Produkte im Hauptmarkt Europa um 20 Prozent teurer. Viele Firmen senkten sofort die Preise, um konkurrenzfähig zu bleiben. Doch das liess die Margen schrumpfen. Rund ein Drittel der Mitgliedsfirmen schreiben gemäss einer Umfrage des Verbands der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) rote Zahlen. Der Auftragseingang brach in den ersten neun Monaten 2015 um 14,1 Prozent ein. Als Folge wurden schätzungsweise 9000 Stellen wegrationalisiert.

Die grössten Kahlschläge

2002 gingen in der Teilschliessung der ABB-Motorenfabrik in Birr 250 Stellen verloren. Die Schliessung des ehemaligen Adtranz-Werks in Pratteln durch den neuen Besitzer Bombardier kostete 2005 360 Festangestellten und 163 temporären Mitarbeiter den Job. 2013 gehen mit dem Konkurs von Ilford in Freiburg 130 Stellen verloren, Bis 2001 gibt Sulzer verschiedene Geschäftssparten auf, unter anderem den Maschinenbau: 4400 von 6200 Mitarbeitern müssen die Firma verlassen. Im Jahr 2007 streicht die Papierfabrik Biberist 550 Jobs, 2010 die Kartonfabrik Deisswil 250 Stellen.

Viele der von den Firmen aufgegleisten Massnahmen lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen umsetzen. «Das volle Ausmass der Auswirkungen des starken Franken dürfte erst im Verlauf dieses Jahres sichtbar werden», sagt Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann. Er geht davon aus, dass es zu weiteren Restrukturierungen kommen wird. Wie viele Jobs betroffen sein werden, sei nicht abschätzbar. «Der überbewertete Franken hat einen beschleunigten Strukturwandel ausgelöst, der nach wie vor am Laufen ist.» Zu einer eigentlichen Deindustrialisierung werde es aber nicht kommen.

Mehr Beschäftigte im Ausland

Betroffen sind vor allem im Export tätige kleinere und mittlere Unternehmen, die weitgehend in der Schweiz produzieren sowie Zulieferer von Exporteuren. Sie sehen sich teilweise gezwungen, vor allem manuelle Tätigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen, ins Ausland zu verlagern. Solche Verlagerungen dürften aber nicht verteufelt werden, mahnt Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann: «Sie verschaffen Unternehmen Luft, um in die Gewinnzone zu kommen. So können sie künftig wieder in der Schweiz investieren und neue Arbeitsplätze schaffen.» Insgesamt beschäftigen Schweizer Industriefirmen über 560'000 Mitarbeitende im Ausland. In der Schweiz dürften es Ende 2015 noch rund 320'000 gewesen sein. Zwar dürfte sich der Franken im Verlauf dieses Jahres wohl weiter abschwächen. Stark überbewertet sei unsere Währung dennoch, so Zimmermann.

Die Ankündigung von Alstom weckt Befürchtungen, dass sich solche Hiobsbotschaften in den kommenden Monaten häufen könnten. Im harten Franken nur eine Art Fitnesskur für die Industrie, als Trainingscamp zur Steigerung der Fitness und Innovationskraft zu sehen, würde sich dann als eine krasse Unterschätzung der Lage erweisen.

Erträglich sind vom stetigen Exporterfolg verursachte Aufwertungen. Doch der Franken erfährt immer wieder Aufwertungsschübe, die ihre Ursache im Ausland haben. Herrscht eine Krise, wird er zur Fluchtwährung. Für die hiesigen Banken ist diese Stabilität ein grosser Konkurrenzvorteil. Sie ziehen Geld aus aller Welt an, was die helvetische Währung zusätzlich verteuert. Dies ist für die Geldhäuser weniger eine Herausforderung als ein weiterer Pluspunkt: Man tauscht sein Geld lieber in Franken, wenn dieser im Ruf steht, aufzuwerten. Und das tut er zuverlässig, seit 100 Jahren, unaufhaltsam.

Aufwertung ohne Ende?

Die Industrie steigert die Effizienz, spezialisiert sich, dringt in Geschäfte mit höheren Margen vor – und kann sich halten. Nicht aber, ohne beständig leicht zu schrumpfen. Und das wird sie weiter tun. Denn es wäre ein Zufall, wenn die Industrie immer mit derselben Rate einen Innovationsschub herbeizaubern könnte, wie der Franken aufwertet.

Morgen Freitag jährt sich das Ende des Mindestkurses. Eine Neuauflage ist keine Option, die Nationalbank hat gezeigt, dass sie ihn nicht unter allen Umständen schützen kann. Das hat auch damit zu tun, dass sie nicht genügend Rückendeckung aus der Politik erfuhr. Im Gegenteil wurden die Risiken von Verlusten auf ihrer Bilanz geschürt, die Nationalbank mit Eurokäufen zur Stützung des Mindestkurses aufblähen musste. Diese Gewichtung war und ist ein politischer Entscheid. Er bringt es aber auch mit sich, dass es immer wieder Aufwertungen geben wird, die von vielen Firmen durch Effizienzsteigerungen in nützlicher Frist – das heisst: vor dem Konkurs – nicht zu bewerkstelligen sind.

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 15.01.2016 15:38
    Highlight Highlight Die Deindustrialisierung der Schweiz ist schon lange im Gang. Man hat die zunehmenden Schwierigkeiten kommen sehen. Umso bedenklicher ist es, dass die Wirtschaftsförderer immer noch die Ansiedlung von strukturschwachen Arbeitsplätzen, die vorwiegend von Zuwanderern besetzt werden, unterstützen.
  • Schneider Alex 15.01.2016 06:44
    Highlight Highlight Wenn wir die Zuwanderung schon früher beschränkt hätten, hätten wir heute nicht die Probleme mit den nun freigestellten Arbeitskräften.
    Wenn die Unternehmen in der Schweiz eine Abgabe leisten müssten, wenn sie Ausländer anstellen - wie das Prof. Rainer Eichenberger vorschlägt - würden sie es sich zweimal überlegen, welche Produktion sie wo betreiben. Diese Abgabe wäre als Entgelt für die entstehenden Infrastruktur- und Sozialkosten zu verstehen. So wie das heute läuft, werden die Gewinne privatisiert und die Kosten für die abgebauten Arbeitsplätze sozialisiert.
  • Buddhatwig 14.01.2016 10:31
    Highlight Highlight Die Lösung ist Innovation. Man muss Jobs schaffen wo es noch in anderen Länder keinen gibt.
  • Karl33 14.01.2016 10:08
    Highlight Highlight Ich kenne etliche die bei GE angestellt sind. Sind aber allesamt mobile hochqualifizierte Arbeitskräfte die aus GB, Irland, F etc für den Job in die Schweiz gekommen sind. Wäre interessant zu wissen, wie sich die entlassenen Arbeitenden zusammensetzen, hinsichtlich Nationalität.
  • dä dingsbums 14.01.2016 09:32
    Highlight Highlight Wenn ich die Kommentare (hier und von Politiker aller Parteien) so lese, wird nur eines klar: Keiner hat eine Ahnung wie man den Werkplatz Schweiz stärken kann.
    - Tiefe Steuern locken Briefkastenfirmen an, nützen in der Industrie aber nicht viel.
    - Euro Mindestkurs? Hm, ja, vielleicht, oder doch nicht? Wie User droelfmalbumst bemerkt hat, ist die Textilindustrie vorher schon abgewandert.
    Wie können wir solche Arbeitsplätze behalten? Eine der drängenden Fragen der Schweiz. Wir diskutieren aber lieber über Ausschaffungen, Gotthardröhren und Einheitskrankenkassen.
    Hat jemand eine gute Idee?
    • TheMan 14.01.2016 09:57
      Highlight Highlight Wie wäre es mit Zuwanderung Stoppen, wieder auf Qualität setzen. Wen eine Firma ins Ausland, dan ohne Ihre Patente, Swiss Made wegnehmen falls zuviele Entlassungen, auch bei Zuvielen Ausländer in der Firma. Firma zu mehr Steuern/Arbeitslosengeld bezahlen verdonnern Falls sie Leute entlassen, weniger von dem wen sie Leute Einstellen.
    • Gibaue 14.01.2016 10:02
      Highlight Highlight Keine Schaffung von Rechtsunsicherheiten (MEI, DSI usw.) tiefe Steuern, ein flexibler Arbeitsmarkt, hervorragende Ausbildung auf allen Stufen, Unternehmerkultur. Mit anderen Worten das Silicon Valley Europas. Und trotzdem werden wir Stellen nicht "behalten" können, globalisierte Märkte sind dynamisch, wer "behalten" will verliert. Wir (Bürger, Politiker, Unternehmen etc.) können allerdings dafür sorgen, dass es neue Stellen in der Schweiz geben wird.
    • TheMan 14.01.2016 11:16
      Highlight Highlight Gibaue die PFZ hat uns nur mehr Probleme gebracht. Nur der Chefetage hat sie mehr Lohn gebracht. Da man Teure Mitarbeiter sprich Schweizer entlassen kann. Die PFZ hat nie was für die Wirtschaft gebracht. Und sorry die Wirtschaft ist jede Person nicht nur die Leute in der Chefetage oder Die Firmen. Wen wir mehr arbeitslose haben, kaufen wir weniger was sich wieder auf die Wirtschaft auswirkt. Die muss dan Sparen, entlässt Leute oder Spart sie ein mit Billigausländer. Und die Entlassenen können wieder weniger kaufen usw.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gibaue 14.01.2016 09:20
    Highlight Highlight Der Werkplatz Schweiz wird nur überleben, wenn der Arbeitsmarkt so flexibel wie möglich und die Zuwanderung nicht abgewürgt wird. Die Globalisierung lässt sich nicht an den Schweizer Grenzen aussperren, wer sich abschottet oder den Arbeitsmarkt verkalkt riskiert, dass gar nicht mehr investiert resp. desinvestiert wird. Die Schweiz ist als Markt zu klein, GE & Co. können auf die CH verzichten, jedoch nicht auf Länder wie DE und FR. Diese Entlassungen zeigen die neg. Seite der Globalisierung, nationalistische Vogelstrauss-Taktiken werden sie uns aber noch in ganz anderem Ausmass spüren lassen.
  • Mischa Sutter 14.01.2016 09:05
    Highlight Highlight Den Preis für die Globalisierung bezahlen die Arbeitnehmer.
    Firmen werden ausgesaugt,dass Tafelsilber verscherbelt Knowhow ins Ausland transferiert und unsere ach so Schweizer Werte vertretende Politiker füllen sich die Taschen. Die Zeche zahlt der Arbeitnehmer.
    • FrancoL 14.01.2016 11:22
      Highlight Highlight Das trifft aber nicht nur für die Globalisierung zu!

      Die Fehler der Unternehmungen im allgemeinen werden durch den Arbeitnehmer bezahlt.

      Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen dass auch Arbeitgeber ihre Einbussen bei Fehlplanungen eingehen müssen, doch im Schnitt ist das Auffangpolster vorhanden.
  • mrgoku 14.01.2016 08:29
    Highlight Highlight das ganze hat schon seit vielen jahren begonnen. die ganze Textilindustrie die wir in der schweiz hatten. heute gibt's gar nichts mehr. haben alle zu und ihre Standorte nach Rumänien und co. verlagert...

    die schweiz ist halt. Finance, Insurance, Chocolate, Chees and Watches.... Für die Industrie sehe ich nicht wirklich eine Chance. Unsere Preise sind viel zu hoch. Auch der USP "Swiss Quality" kann man immer mehr vergessen. die chineses verlangen die hälfte vom preis und die Qualität ist ebebürtig! (in gewissen Sachen, zum glück noch nicht in allem)
    • Henzo 14.01.2016 09:04
      Highlight Highlight sehe ich auch so... und schweizer Firmen werden nach und nach an ausländische Gruppen übertragen, da jeder möglichst viel Geld machen möchte. Ein Ausverkauf der Schweiz und am Schluss landen die kleinen auf der Strasse.
  • DerTaran 14.01.2016 08:22
    Highlight Highlight Geld drucken, der Armee, der AHV, den Kantonen und den Gemeinden schenken und schon haben wir wieder einen Wechselkurs von 1.30, so einfach wäre das, aber trotz aller gegenteiligen Aussagen will die Nationalbank wohl einen Kurs von 1.10, was interessiert die Banker schon die Industrie.
    • Daniel Caduff 14.01.2016 08:52
      Highlight Highlight Das was Du vorschlägst, bedeutet Inflation. Und damit halt eine Entwertung aller bestehenden Vermögen. Insbesondere der AHV- und Pensionskassenvermögen. Politisch ist das fast unmöglich. Wenn es um das eigene Ersparte geht, sind sich die Meisten selbst am nächsten. Eine Möglichkeit wäre ev. ein Staatsfond, wie ihn z.B. Norwegen kennt. - Mit allen Risiken, die Wertpapiere halt so mit sich bringen. Mittelfristig sehe ich die Industrie in der Hochlohn-Schweiz aber tatsächlich fast nur noch im High-End-Bereich, wo auch heute noch eine hohe Wertschöpfung möglich ist.
    • DerTaran 14.01.2016 09:38
      Highlight Highlight Klar, aber Inflation ist ja entgegen der allgemeinen Meinung im deutschsprachigen Raum nichts schlechtes. Und hier könnte man die Enteignung von AHV und Pensionskassen dadurch kompensieren, dass man das Geld genau dort investiert. Ausserdem befinden wir uns in einer Deflation, die man so auch bekämpfen könnte. Der Franken muss wieder realistisch bewertet werden, wem nützt der starke Franken, wenn die Kaufkraft nicht mitwächst?
      Im High-End Bereich müssen wir mit Deutschland und den USA konkurrieren, aber Deutschland hat mit dem Euro keine harte Währung mehr und den USA war das schon immer egal.
    • Daniel Caduff 14.01.2016 11:47
      Highlight Highlight Da versteh ich Dich jetzt glaube ich nicht ganz. Für Inflation verantwortlich ist die Geldmengenausweitung. In welche Güter oder Dienstleistungen Du das zusätzliche Geld dann investierst (also z.B. AHV) ändert nichts an der Ausweitung der Geldmenge.

      Deine Frage "wem nützt der harte Franken" ist zwar rhetorisch, aber halt doch sehr wichtig: Er nützt natürlich all den Branchen, die mehr importieren, als sie exportieren. Und er nützt den Banken, die damit mehr ausländische Devisen kaufen / handeln können. Und er nützt den Angestellten dieser Branchen....
    Weitere Antworten anzeigen
  • christianlaurin 14.01.2016 07:51
    Highlight Highlight Bravo! Wir haben es geschafft "self inflicted wounds" zu machen. Die Idee mit den "Gehirn" Geld zu verdienen ist sehr gut, kein Witz. ABER, hier ist das Problem. Wir wollen doch mit MEI das Bilateralen kündigen und aufs alte Verträge zurück gehen. Auch keine Schlechte Idee, obwohl ich nicht zustimme. Weil hier ist das Problem. Die Alte Verträge sind GÜTER Verträge, nicht Gehirn Verträge. In die Bilateralen sind Gehirn, sprich sich Services drin aber die wollen wir doch nicht. Probleme, Probleme, Probleme. Wir sind wirklich Meister in "self inflicted wounds".
  • _kokolorix 14.01.2016 07:22
    Highlight Highlight wann werden wir endlich begreifen, das wir diesen wettbewerb nicht durchhalten können. die ezb, die usa, china alle sind krampfhaft bemüht die jeweiligen währungen zu entwerten um die exportwirtschaft zu subventionieren.
    export ist kein nachaltiges wirtschaftsmodell!
    wir müssen uns auf die binnenachfrage konzentrieren und die ungleiche einkommensverteilung begrenzen.
    wir müssen das praktische know how in der schweiz erhalten und den ausverkauf unserer produktion stoppen.
    • Daniel Caduff 14.01.2016 08:55
      Highlight Highlight In der Theorie richtig und gut. Gerade das aktuelle Bespiel zeigt Dir aber die Grenze Deines Ansatzes auf. Ein Unternehmen wie ALSTOM, das Investitionsgüter produziert, die nur langsam amortisiert werden, braucht einen sehr grossen Absatzmarkt. Kein einzelner Kunde von ALSTOM kauft jedes Jahr wieder 100 neue Züge. Mit der SBB alleine könnte ALSTOM den bestehenden Umsatz niemals erwirtschaften. Die Arbeitsplätze wären deswegen nicht heute verschwunden, sonder schon viel früher.
    • FrancoL 14.01.2016 09:26
      Highlight Highlight @kokolorix; Schön wider einem das Wort Binnenmarkt zu hören. Ja die Schweiz hatte und hätte die Möglichkeit den Binnenmarkt zu stärken und fördern. Als Hochpreisinsel müsste dies grundsätzlich geschehen. Es müssten aber bei den unteren Einkommen Korrekturen vorgenommen werden und die Schweizer müssten für das Gesamtwohl der Schweiz auch den Binnenmarkt bevorzugen, auch wenn es unter dem Strich teurer wird.
      @Daniel Caduff;
      Mit Unternehmen wie Alstom die Grenzen des Binnenmarktes aufzeigen? Nein, Der Binnenmarkt braucht "Alstom" nicht, dafür generiert/sichert er Arbeitsplätze bei vielen KMUs.
    • _kokolorix 14.01.2016 10:22
      Highlight Highlight @Daniel Caduff
      Man kann eine so generelle Änderung der Wirtschaftspolitik nicht an einer einzigen Firma aufhängen.
      Generell haben die Schweiz und Deutschland einen extremen Exportüberschuss, der früher oder später einbrechen wird weil die Abnehmerländer überschulden und pleite gehen.
      Das ist einfach ein dummes, kurzsichtiges Geschäftsmodell, das ein paar Wenige superreich und die grosse Mehrheit arm und abhängig macht
    Weitere Antworten anzeigen
  • Scaros_2 14.01.2016 07:12
    Highlight Highlight Natürlich ist das nur der Anfang. Wir müssen in der Schweiz innovative Know-How Ideen erschaffen. Unsere Position hat sich verändert und wir sichern unsere Jobs nur, wenn wir kreativ sind. Algorithmische Arbeiten, Fliessbandmontage usw. all das geht in Billiglohnländer. Wir aber sollten das Gehirn darstellen und so müssen die Jobs hier in Zukunft aussehen.
    • Henzo 14.01.2016 08:18
      Highlight Highlight Gib dir teilweise Recht, du vergisst dabei aber einige punkte. In einer Arbeitswelt wo nur das "Gehirn" zählt, finden nicht alle Schweizer einen Platz ...nicht jeder Schweizer wird mit einem IQ von 160 geboren (ich auch nicht) ...was machen wir mit denen, die sich mit trockenen Theorien nicht anfreunden können und lieber Manuell arbeiten? Diese Leute haben in unserem System auch ihre Berechtigung. Der zweite Punkt: Du darfst nicht vergessen, dass die Schweiz kein Monopol auf Intelligenz hat. Intelligente Leute sind statistisch gleichförmig über die ganze Welt verteilt (wenn keine entwicklungs
    • Henzo 14.01.2016 08:29
      Highlight Highlight störungen des Gehirns durch Krankheiten, Hunger usw. vorliegen) Das heisst... es gibt auch billiglohnländer mit intelligenten Menschen. Das Wissen in der Schweiz wird in die Welt exportiert und diese "Billigländer" holen auf. Warum sollte jemand in 20 Jahren in der Schweiz investieren, wenn man für (fast) die gleiche Qualität im Ausland zum halben Preis bekommt? ...ein wichtiger Grund dafür ist die Sicherheit in der Schweiz. Die Schweiz hat ein Image der Stabilität. Das Image macht die Schweiz attraktiv ...da müssen wir aufpassen was wir mit diesem Image machen. (zum Beispiel bei Wahlen)
  • dracului 14.01.2016 06:39
    Highlight Highlight Die Trägheit in unserem Wirtschaftssystem ist riesig. Zwischen einer Eingriffsmassnahme in die Wirtschaft (z.B. Mindestkurs) deren Wirkung und den Reaktionen der Unternehmen vergehen viele Jahre. In Bezug auf den einzelnen Mitarbeiter ist diese Zeit schmerzhaft lang und die Berufsaussichten sind nicht rosig. Ich hoffe, dass jeder einzelne Schweizer und deren Familien mindestens auf Hilfe in dieser Zeit der grossen Neuausrichtung hoffen kann.
  • FelixE 14.01.2016 06:29
    Highlight Highlight Diese Entwicklung macht mir durchaus Sorgen.
    Auch die Mutterfirma von meinem Arbeitsplatz muss dieses Jahr die Hälfte bis 2/3 der Arbeitsplätze in der Schweiz streichen.
    Ich bin deshalb der Meinung, dass wir umso mehr Abstimmungen wie die Durchsetzungsinitiative deutlich ablehnen müssen, um den Wirtschaftsstandort Schweiz nicht noch zusätzlich zu gefährden. Denn mit solchen Vorlagen wird das Verhältnis mit den anderen Ländern (resp. der EU) auch nicht besser und führt aus meiner Sicht zu Gefahren beim Export wie aber auch Import (Billaterale Verträge etc.)
    • Daniel Caduff 14.01.2016 09:00
      Highlight Highlight Dein Wort in Spaghettimonsters Ohr.... Ich befürchte genau das Gegenteil: Je mehr wirtschaftliche Schwierigkeiten auf uns zukommen werden, desto verlockender wird für einen Teil der Wähler ein politisches Programm, das eine "heile Welt" verspricht. - Insbesondere dann, wenn man selber nicht mehr im Arbeitsprozess ist. Natürlich wäre die DI ein weiterer Sargnagel für den Werkplatz Schweiz, wer aber schon heute nichts mehr zu verlieren hat, oder seinen eigenen Abstieg befürchtet, tritt eben auffallend oft selber gerne nach unten....
  • Angribull2000 14.01.2016 06:10
    Highlight Highlight Ich Arbeite in der Industrie, und kann euch sagen, das es viel schlimmer wird. Bis jetzt hatten die Firmen auf besserung gehofft und die Investoren fleissig das Loch gestopft, oder die Firmen die Reserven aufgebraucht..... Jetzt haben die Firmen gemerkt das sie sich auf einen Kurs von 1.10 einstellen müssen, und die Anleger wollen endlich wieder grüne Zahlen sehen... Stellenabbau ist unausweichlich..

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