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So erleben Passagiere das Chaos am Flughafen Zürich – nicht alle nehmen es gelassen

Ein technischer Fehler der Flugsicherung Skyguide hat am Mittwochmorgen die Schweizer Flughäfen lahmgelegt. Tausende strandeten. Bei einigen Betroffenen lagen die Nerven blank, wie ein Augenschein vor Ort zeigt.
15.06.2022, 10:43
Stefan Ehrbar / ch media
Alle Flüge am Mittwochmorgen wurden gestrichen.
Alle Flüge am Mittwochmorgen wurden gestrichen.Bild: keystone

Das ältere Paar aus den USA erfährt im Bus kurz vor dem Flughafen Zürich von der technischen Panne, die den Betrieb lahmgelegt und alle Flüge vorläufig an den Boden gezwungen hat (CH Media berichtete). «You're kidding, right?», fragt Martha* den Reporter.

«Ausgerechnet an diesem einen Tag, an dem wir fliegen wollen!»

Es ist kein schlechter Scherz, sondern bittere Realität für Tausende Fluggäste an diesem Mittwochmorgen. Eine technische Störung bei der Flugsicherung Skyguide hat nicht nur am Flughafen Zürich, sondern auch in Genf dafür gesorgt, dass kein einziges Flugzeug mehr abhebt oder landet. Der Flughafen Basel, der von den Franzosen kontrolliert wird, war hingegen nicht betroffen.

Tausende warten vor den Schaltern

Die Abflugstafeln in Zürich kennen an diesem Morgen vor allem eine Farbe: Rot. «Annulliert», steht bei Dutzenden Flügen. Die Schlange vor dem Schalter der Swiss, an dem Fluggäste ihre Tickets umbuchen können, wächst minütlich an. Hunderte warten um 9.30 Uhr.

Das Gerücht geht um, dass andere Airlines weniger Flüge annullieren als die Swiss. Einige Fluggäste glauben zu wissen, dass Skyguide Opfer eines Hackerangriffs geworden sei. «Macht das überhaupt Sinn, hier anzustehen?», fragt ein Jugendlicher seinen Kollegen angesichts der Warteschlange. Ihr Flug nach Hamburg wurde gestrichen, über eine Alternative wurden sie noch nicht informiert.

Chaos am Flugahfen Zürich
Chaos am Flugahfen ZürichBild: keystone

Auch vor den Check-In-Schaltern von betroffenen Flügen und Airlines sammeln sich Tausende Passagiere. Doch von Chaos zu sprechen, wäre übertrieben: Der Flughafen Zürich ist geräumig, ein Durchkommen gibt es immer. Hinzu kommt, dass viele schon durch die Sicherheitskontrolle geschritten waren, als das Debakel seinen Lauf nahm.

Alles Fluchen nützt nichts

Viele nehmen es sowieso gelassen. «Unser Guide ist seit zwei Stunden am Anstehen am Infoschalter», sagt eine Betroffene, die in der Abflughalle wartet. Ihr eigentlicher Flug sei gestrichen worden, ob es mit der Umbuchung klappt, sei nicht klar. Aber nicht alles sei schlecht:

«Unsere Reiseleitung hat uns inzwischen mit einem Cüpli verwöhnt.»

Andere können ihren Unmut nicht verstecken. «Ja gopferdammi!», herrscht ein Mann am Priority-Schalter vor der Sicherheitskontrolle die Mitarbeiterin an. Sie hat ihm gerade erklärt, dass er am falschen Schalter steht. «Dabei wurde ich doch gerade hierhin geschickt», tobt er. Alles Ausrufen nützt nichts: An diesem Schalter kann dem Mann nicht geholfen werden. Fluchend macht er sich auf den Weg.

Um halb neun gibt Skyguide Entwarnung: Die Panne habe behoben werden können, doch am Vormittag wird der Betrieb noch mit reduzierter Kapazität durchgeführt. Weitere Verspätungen und Annullationen könnten folgen. Glück im Unglück: Der Mittwoch ist traditionell nicht der stärkste Tag am Flughafen und auch die Ferienzeit ist noch nicht angebrochen.

Hektik kommt nicht auf

«Flug 881 von Air Canada startet neu um 13 Uhr», ertönt es um 9.30 Uhr via Lautsprecher. Geplant war 9.40 Uhr. Betroffene Fluggäste könnten einen Getränkegutschein abholen, heisst es weiter. Für andere Flüge gibt es nur sehr selektiv Informationen. Auch das Personal weiss nicht immer weiter: «Sie müssen schauen, was im Mail ihrer Airline steht», vertröstet eine Mitarbeiterin eine hilfesuchende Frau.

In der Bye-Bye-Bar vor der Sicherheitskontrolle herrscht inzwischen reger Betrieb. Hier wird getrunken statt sich geärgert. Zu keinem Zeitpunkt kommt Hektik auf, Medienschaffende suchen teils schon fast verzweifelt nach spektakulären Bildern. Bei der Sicherheitskontrolle sind die Reisenden wie gewohnt nach ein paar Minuten durch.

Bild: keystone

In der Warteschlange vor dem Ticketschalter bringt es derweil eine etwa 40-jährige Frau auf den Punkt. «Wir sollten jetzt schon in Barcelona sein», sagt sie zu ihrem Bekannten. Extra früh seien sie und ihr Mann aufgestanden an diesem Morgen, um halb vier Uhr. Jetzt sei stattdessen erst mal Anstehen in Zürich angesagt.

«Aber in Anbetracht der Weltlage gibt es Schlimmeres.»

Und Martha? Der Flug von ihr und ihrem Ehemann nach New York ist für 13.15 Uhr geplant. Noch sieht es danach aus, als ob er pünktlich abheben würde. «Sie werden das Problem bis dann schon gefunden haben», sagte die Touristin noch im Bus - und hat recht behalten.

*Name geändert

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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ciri
15.06.2022 11:19registriert Januar 2015
Jo... fluchen, schimpfen und das Personal anpfuttern bringt in solchen Situationen ja bekanntlich so viel.. 🙄 nimmste halt ne zwangspause. ein buch, ein bier und gut ist.
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Pebbles F.
15.06.2022 11:30registriert Mai 2021
Der Junge der sich fragt, ob es sich lohne am Flughafen zu warten wegen seines Flugs nach Hamburg.....äh, nein.

Und jetzt zum Mitschreiben: nach Hamburg gibts supi Zugverbindungen von Zürich, von Basel und von woher auch immer. Tagsüber oder Nachtzüge.
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Marco Haggis
15.06.2022 11:43registriert Januar 2021
Ist zwar okay, dass jetzt ein Artikel darüber gemacht wird, wirkt aber sehr darum bemüht, noch irgendwelche relevanten Infos niederzuschreiben. Gab eine Panne, bisschen Generve aber ansonsten passierte eigentlich nichts.

Ist schon schön, in der langweiligen Schweiz zu leben.
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