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Der Alstom-Schock: Wie sich Schneider-Ammann und die Aargauer Regierung getäuscht haben

Alstom streicht 1300 Stellen im Aargau – diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe. Denn noch im September waren Aargauer Regierung und sogar die Gewerkschaft Unia zuversichtlich, was die Folgen der GE-Übernahme betrifft.



Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann anlaesslich der Medienkonferenz zum Jahresrueckblick 2013 der Aargauer Kantonspolizei, am Freitag, 28. Maerz 2014, in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann
Bild: KEYSTONE

Die Nachricht schlägt ein wie ein Hammer: Alstom baut an den Aargauer Standorten Baden (Hauptsitz), Birr, Turgi und Oberentfelden 1300 Stellen ab. 5500 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen im Aargau. Das heisst: Fast jede vierte Stelle verschwindet. 

Diese Hiobsbotschaft kommt für den Aargau überraschend. Noch letzten September hatte die EU-Kommission die 12-Milliarden-Euro-Übernahme der Energiesparte von Alstom durch den amerikanischen Technologie-Giganten General Electric (GE) unter Auflagen genehmigt.

GE musste die Gasturbinensparte mit 420 Mitarbeitenden an das italienische Unternehmen Ansaldo verkaufen, welche den Standort Baden zumindest bis 2018 aufrechterhalten dürfte.

Über mögliche Auswirkungen auf den Industriestandort Schweiz und die Mitarbeiter wollte sich GE zwar nicht äussern. Ein Sprecher vertröstete damals, dass GE zu einem späteren Zeitpunkt über die Strategie nach der Übernahme informieren werde. 

Schneider-Ammann hat Verständnis

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hat am Dienstagabend vom geplanten Stellenabbau bei Alstom erfahren. Er zeigte sich betroffen, hat aber auch ein gewisses Verständnis für den Entscheid.
Letzten Juli war Schneider-Ammann nach Gesprächen mit der Unternehmensleitung noch davon ausgegangen, dass es keinen Stellenabbau geben wird. Inzwischen hätten sich die Märkte verändert, die Rahmenbedingungen seien nicht mehr die gleichen, sagte er am Mittwoch gegenüber Journalisten in Bern. «So gesehen muss man ein gewisses Verständnis haben.» (whr/sda)

Bundesrat Johann Schneider-Ammann spricht waehrend einer Medienkonferenz, am Freitag, 18. Dezember 2015 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Hat sich getäuscht: Johann Schneider-Ammann.
Bild: KEYSTONE

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sagte nach Bekanntwerden des Deals zwischen Alstom und General Electric (GE) gegenüber Radio SRF: «Ich bin zuversichtlich, dass diese Tätigkeiten weiter geführt werden und damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben». Bei Gesprächen mit der Alstom-Spitze habe er das Gefühl gehabt, dass man bei Alstom sehr wohl wisse, welch bedeutende Rolle die Schweizer Niederlassung innerhalb des Konzerns spiele.

Auch der Aargauer Volkwirtschaftsdirektor Urs Hofmann zeigte sich optimistisch. Befragt zu den GE-Plänen sagte er zur AZ: «Ich gehe davon aus, dass wie schon früher kommuniziert, wichtige Bereiche in Baden verbleiben und Baden im Energiegeschäft von General Electric einen wichtigen Stellenwert haben wird.»

«Wir sehen den Deal als Chance an für die Standorte Baden und Birr», sagte er ausserdem zu Tele M1. «Wir sind der Meinung, dass der Entscheid aus Brüssel für den Standort Aargau eher positiv zu bewerten ist.» 

Vom ersten Schock über Worst-Case-Szenarien bis zum abgeschlossenen Deal

Dass es um die Energiesparte von Alstom nicht gut steht, machte sich bereits Ende 2013 und Anfang 2014 bemerkbar, als für die Schweiz eine Jobabbau-Runde bekannt gegeben wurde.Hauptgrund: Das Kerngeschäft mit den thermischen Kraftwerken und Turbinen war konjunkturbedingt eingebrochen.

Mitte April 2014 ging es dann mit ersten Übernahmegerüchten durch die General Electric los. Damals war von einem Angebot bei 9.4 Milliarden Euro die Rede. Alstom stand definitiv vor dem Ausverkauf. Das liess in Baden, Hauptsitz von Alstom Thermal Power, die rund 45 Prozent zum Konzernumsatz beisteuert, aufhorchen.Siemens geriet als möglicher Übernehmer plötzlich in die Diskussionen um Alstom.

Bereits vier Jahre zuvor kriselte es bei Alstom. Aufgrund des Leistungsausweises hielt sich der Standort Schweiz und entging einem grossen Stellenabbau.Alstom wollte zu GE, die französische Regierung liebäugelte mit Siemens. Das bewog den GE-Chef Jeffrey Immelt, den Abzug des Schweizer Standortes nach Frankreich anzubieten. Dagegen setzte sich unter anderem Alt-Bundesrat Joseph Deiss als VR-Präsident von Alstom Schweiz zur Wehr.

Der leistungsstarke Standort Schweiz gab zu grossen Hoffnungen Anlass. Im Dezember 2014 besiegelten die Alstom-Aktionäre den Verkauf der Energiesparte an GE. Im Sommer 2015 einigte sich GE mit der EU-Kommission und machte Zugeständnisse. Anfang September 2015 segnete Brüssel die Übernahme ab. (-rr-)

Optimistisch zeigte er sich auch, was die Job-Situation angeht: «Wir gehen davon aus, aufgrund aller Signale, die wir erhalten haben, dass es nicht zu einem groben Aderlass kommt wie noch vor einem Jahr befürchtet.» 

Alstom ist der grösste Arbeitgeber im Kanton. Deshalb «haben wir», so Hofmann, «sehr früh Kontakt zu Alstom aufgenommen und auf oberer Ebene Kontakt gehabt zu GE und aufgezeigt, was für ein guter Standort der Aargau ist».

Hofmanns erste Reaktion heute

Entsprechend bedauert Urs Hofmann heute Mittwoch den möglichen Stellenabbau, ist aber noch immer zuversichtlich. Er will nicht von einem Kahlschlag sprechen. «General Electric hat betont, dass mit zwei Headquartern der Standort Baden gestärkt werden soll», sagt er am Mittwoch gegenüber Radio SRF. «Es ist immerhin auch ein Bekenntnis zum Standort Aargau.»

Die Gewerkschaft Unia dagegen teilte Mitte September dagegen noch mit, dass die Alstom-Mitarbeiter «nach wie vor im Unklaren über die Zukunft» seien. «Auch der weitere Verbleib des Know-hows am Werkplatz Aargau ist offen.» 

(pz)

 

  (aargauerzeitung.ch)

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