«Uns geht es nicht gut» – Restaurant-Angestellter kritisiert Normalbetrieb
Am zweiten Tag nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana berichten vor der Bar «Le Constellation» Medienschaffende aus aller Welt, während die Polizei ihre Ermittlungen fortsetzt und Trauernde vor Ort noch immer Blumen ablegen.
Tourismus am Unglücksort
Nur wenige Schritte entfernt schlendern Touristinnen und Touristen durch die Gassen. Sie teilen sich die Strassen mit Menschen, denen man den Schock und die Trauer an den Gesichtern ablesen kann.
Auch einige der Feriengäste wirken betroffen. Eine Touristin aus Italien sagt zu watson, dass sie den Opfern am Ort des Geschehens am Vorabend Respekt gezollt habe. Sie und ihre Begleitung hätten sich aber trotz der Katastrophe entschieden, ihre Ferien fortzuführen.
Während sich einige Restaurants zum Öffnen bereit machen, bleiben andere noch geschlossen. Der Wirt eines Restaurants im Dorfzentrum sagt zu watson, er habe noch nicht entschieden, ob er an diesem Tag bereits wieder Gäste empfangen könne.
An der Tür einer Bar hängt ein Zettel, auf dem steht, dass man aus Respekt vor den Opfern am Neujahrstag geschlossen bleibe.
Angestellter: «Uns geht es nicht gut»
In einem eleganten Restaurant unweit der Unglücksstelle herrscht Normalbetrieb, auf der Terrasse sitzen Menschen in dicken Daunen- und Felljacken in der Sonne. Im Inneren des Restaurants sind die Angestellten an der Arbeit, hantieren in der Küche oder hinter der Bar. Ihre Gesichter sind ernst, die Stimmung ist gedrückt.
Ein Angestellter kommt hinter der Bar hervor, unter seinen Augen liegen tiefe Schatten. Er will anonym bleiben. Auf die Frage, wieso das Restaurant weiterhin geöffnet bleibt, antwortet er, dass er sich dasselbe frage.
«Die Stimmung unter den Angestellten ist extrem bedrückt, es geht uns nicht gut», sagt er. Viele von ihnen seien in der Silvesternacht selbst vor Ort gewesen, einige hätten Freunde und Bekannte verloren.
Die Entscheidung, trotz allem geöffnet zu bleiben, habe der Betreiber des Restaurants gefällt. Er selbst sei nicht vor Ort, sagt sein Angestellter.
Dass sie nun Gäste in Ferienstimmung bedienen müssten, als wäre nichts geschehen, sei schwer zu ertragen, sagt der Mann.
Zum Schluss kritisiert der Mann die Sicherheitsvorkehrungen in anderen Restaurants und Bars im Ort. Hier mischt sich Wut in seine Stimme: «Das hätte auch bei uns oder in einer anderen Bar geschehen können.»
Er hoffe darauf, dass sich nun etwas ändere. Dass mehrere Bars schon an diesem Abend wieder normal öffnen würden, stimme ihn skeptisch.
Das Telefon klingelt, der Angestellte geht ran. Die Arbeit geht weiter.
