Schweiz
Wallis

Crans-Montana: Identifikation und Behandlung der Opfer sind schwierig

People lay candles and flowers near the Le Constellation bar, where a devastating fire left dead and injured during the New Year's celebrations in Crans-Montana, Swiss Alps, Switzerland, Thursday ...
Viele Angehörige haben noch keine Gewissheit, die Identifikation der Opfer von Crans-Montana gestaltet sich schwierig.Bild: keystone

Identifikation und Behandlung der Opfer von Crans-Montana schwierig – das sind die Gründe

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana sind viele Opfer noch nicht identifiziert. Verschiedene Umstände erschweren den Prozess. Auch die Behandlung von durch das Feuer Schwerverletzten ist heikel.
02.01.2026, 04:4907.01.2026, 09:39

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat die Identifikation der Opfer Priorität, damit Angehörige der am Unglücksort Anwesenden so rasch wie möglich Gewissheit erhalten. Der Prozess gestaltet sich aber schwierig und wird laut der Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud noch «längere Zeit» andauern. Dies, obwohl man «erhebliche» Mittel dafür einsetze, wie Pilloud an der Medienkonferenz am Donnerstagabend sagte.

Beatrice Pilloud, Attorney General of the Canton of Valais, reacts during a press conference about the Le Constellation bar and lounge leaving people dead and injured, during New Year’s celebration, i ...
Die Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud.Bild: keystone

Mehrere Umstände erschweren die Identifikation und sorgen für eine längere Wartezeit, wie unter anderem der Tages-Anzeiger berichtet:

  • Die Brandverletzungen von vielen Opfern sind derart schlimm, dass diese nicht mehr erkennbar sind. Selbst zuverlässige Identifikationsmerkmale wie Fingerabdrücke sind nicht mehr verwertbar. Deshalb müssen in vielen Fällen DNA-Proben genommen und mit potenziellen Angehörigen abgeglichen werden – das nimmt Zeit in Anspruch und kann für Angehörige sehr belastend sein.
  • Erschwert wird der DNA-Abgleich noch, wenn Opfer aus dem Ausland stammen. Dies ist in Crans-Montana der Fall. Wie die Behörden bestätigten, sind auch zahlreiche ausländische Gäste unter den Betroffenen, bestätigt sind Opfer aus Frankreich und Italien. Der Transport von Proben nimmt Zeit in Anspruch, zudem verwenden nicht alle Länder die gleichen Methoden, was ebenfalls zu Verzögerungen führen kann.
  • Im Vergleich zu anderen Katastrophen, wie beispielsweise Flugzeugabstürzen, existieren bei einer frei zugänglichen Bar wie dem betroffenen Lokal in Crans-Montana keine Listen mit den Anwesenden. Es ist nicht klar, wer sich dort wann genau aufgehalten hat. Das führt dazu, dass sich mehr besorgte Angehörige melden, was wiederum zu mehr Arbeit für die Ermittelnden führt.
  • Ebenfalls erschwerend wirkten auch die Umstände im zwar international bekannten, aber vergleichsweise abgelegenen Alpenort Crans-Montana. Obwohl die Rettungskräfte in grosser Anzahl anrückten und zahlreiche Helikopter im Einsatz standen, waren und sind Transport und Triage der Opfer zeitintensiv. Betroffene wurden unter anderem nach Zürich und in die Ostschweiz, aber auch nach Frankreich, Italien und Deutschland zur Behandlung gebracht.

Die Identifikation von Opfern ist ein äusserst sensibler Prozess. Weil Verwechslungen mit hundertprozentiger Gewissheit ausgeschlossen werden müssen, ist das Unterfangen – gerade unter erschwerten Bedingungen wie in Crans-Montana – langwierig.

Doch nicht nur die Identifikation der Todesopfer ist schwierig, auch die Behandlung der Verletzten ist heikel. 80 Opfer befinden sich Stand Donnerstagabend in kritischem Zustand, sie haben teilweise erhebliche Brandverletzungen erlitten.

Der Chefarzt des Krankenhauses in Morges und Spezialist für Brandverletzungen, Wassim Raffoul, erklärte gegenüber RTS, dass einige Opfer Verbrennungen erlitten hatten, die 60 Prozent der Körperoberfläche betreffen.

Gemäss Raffoul hat das Universitätsspital in Lausanne, das unter anderem auf Brandverletzungen spezialisiert ist, «etwa dreizehn erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen», bei denen die Verbrennungen fast zwei Drittel des Körpers beträfen. Bereits ab zehn bis zwanzig Prozent betroffener Körperoberfläche gelten Brandopfer als schwer verletzt, eine langfristige Behandlung ist notwendig.

Die Behandlung von Brandverletzungen nimmt laut Raffoul grundsätzlich viel Zeit in Anspruch, wegen der Wundreinigung, da ein hohes Infektionsrisiko besteht, aber auch, weil in vielen Fällen Hauttransplantationen nötig sind. Diese erfordern eine Behandlungszeit von mehreren Wochen oder gar Monaten.

People lay candles near the Le Constellation bar, where a devastating fire left dead and injured during the New Year's celebrations in Crans-Montana, Swiss Alps, Switzerland, Thursday, Jan. 1, 20 ...
Trauernde entzünden am Unglücksort Kerzen für die Opfer von Crans-Montana.Bild: keystone

Auch der Personal- und Zeitaufwand für die Behandlung von schweren Brandverletzungen ist immens, wie Marcel Schlatter, Sprecher des Unispitals Zürich, gegenüber RTS erklärt. Beispielsweise muss bereits bei einem Verbandswechsel eine Vollnarkose vorgenommen werden, wofür jeweils ein ganzes Team mobilisiert werden muss.

Im Fall von Crans-Montana erschweren die Umstände am Unglücksort, unter denen die Betroffenen litten, die Genesung zusätzlich. Weil in dem Raum wegen der enormen Hitze auch Kunststoffe verbrannten, entstanden hochgiftige Dämpfe, die die Opfer einatmeten. Darüber hinaus kam es aufgrund der Panik im Keller der Bar bei einigen Opfern zu Quetschungen, Knochenbrüchen und Blutungen.

Die aktuellsten Informationen zur Brandkatastrophe findest du hier im Liveticker:

(con)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
21 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
züristone
02.01.2026 05:29registriert August 2015
Es ist herzzerreissend zu lesen und sich vorzustellen welche Hölle die Opfer erlebt haben und man kann nur hoffen, dass sie durch den Rauch schnell das Bewusstsein verloren haben. Leider müssen die Verletzen jetzt noch Qualen leiden. Verbrennungen in diesem Ausmass sind leider ‚lebenslänglich‘. Ich hoffe so sehr, dass viele noch genesen werden und denke auch an die Angehörigen die verzweifelt von Spital zu Spital gehen um ihre Familienmitglieder zu finden. Es ist ein Albtraum.
982
Melden
Zum Kommentar
avatar
Natürlich
02.01.2026 08:10registriert März 2016
Das schlimmste in meinen Augen (neben den 40 Toten) sind doch die Dutzenden Schwerverletzten welche nun lebenslang und (je nach dem schwerst) gezeichnet, entstellt, behindert und mit unvorstellbaren Schmerzen gebrandmarkt sind. Das finde ich so schrecklich, da sind Jugendliche darunter welche nie mehr so leben können wie vorher 😢

Ich kann und will mir die Schmerzen und das Leid der Hospitalisierten nicht vorstellen, das muss absoluter Horror sein.
791
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gina3
02.01.2026 06:45registriert September 2023
Es ist wirklich ein endloser Albtraum für alle: für die Opfer und ihre Angehörigen, für diejenigen, die noch in Ungewissheit sind, für die Rettungskräfte, Feuerwehrleute und Polizisten. Ein unglaubliches Drama.
Das Einzige, was ein wenig tröstet, sind die Worte von Staatsrat Mathias Reynard: Es gab eine Welle der Solidarität innerhalb des Landes, aber auch mit den Nachbarländern. Solidarität, Mitgefühl und starke Empathie. Ich hoffe, dass die ständigen Kriege und die zunehmende soziale Ungerechtigkeit uns diese Werte, die uns menschlich machen, nicht rauben.
816
Melden
Zum Kommentar
21
Einen Tag vor dem Riesenslalom: Schweigeminute statt Vogellisi in Adelboden
Trauerstimmung statt Jubel, Trubel, Heiterkeit – in Adelboden ist an diesem nationalen Tag der Trauer alles anders als sonst. Für die Rennen am Wochenende soll wieder einigermassen Normalität herrschen.
Adelboden am Tag vor dem Weltcup-Wochenende. Der Himmel ist grau, doch eine weisse Decke legt sich über den Skiort und sorgt für eine besinnliche Stimmung. Alle Geräusche sind gedämpft – bis es Punkt 14 Uhr ganz still wird und anschliessend die Glocken der schmucken Dorfkirche zu läuten beginnen und der Schneefall genau dann zu einem Crescendo ansetzt.
Zur Story