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Alt-Bundesrat und SVP-Vizepraesident Christoph Blocher spricht zu den Medien waehrend einer Medienkonferenz am Dienstag, 10. Maerz 2015 in Bern. Die SVP informierte ueber den Beginn der Unterschriftensammlung zur Selbstbestimmungsinitiative

Christoph Blocher will den NZZ-VR einnehmen. Allein, es wird ihm nicht gelingen.  Bild: KEYSTONE

Vor der grossen Showdown-GV: 5 Dinge, die alle NZZ-Freunde mit Blocher-Ängsten wissen müssen

Vor der NZZ-Generalversammlung am Samstag herrscht Aufregung. Der Verwaltungsrat und sein Präsident sind angeschlagen, Protestgruppen aus dem Aktionariat blasen zum Angriff und im Hintergrund lauert: Christoph Blocher. 



Normalerweise passiert nicht viel bei einer Generalversammlung der NZZ-Aktionäre. Die meisten gehen nur hin, um sich verpflegen zu lassen und sich einmal jährlich ihrer gesellschaftlichen Wichtigkeit qua Existenz als NZZ-Aktionär zu versichern. 

Seit einigen Jahren ist das anders. Die Gewinne aus dem Printgeschäft sind eingebrochen, das Digitalgeschäft hat die frühere Führung verschlafen und nationalkonservative Kreise um SVP-Nationalrat Thomas Matter und die an den Immobilien interessierte «IG Freunde der NZZ» kaufen Aktien auf, um Einfluss auf das frühere FDP-Sprachrohr NZZ zu gewinnen. Kommenden Samstag steckt noch mehr Zunder drin. Der derzeitige Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod hat versucht, Christoph Blochers Hagiographen und BaZ-Chefredaktor Markus Somm als NZZ-Chefredaktor zu installieren. 

Der lange Schatten von Christoph Blocher

Dieser Plan scheiterte unter anderem daran, weil die Information zu früh aus dem Verwaltungsrat gesickert und die Redaktion auf die Barrikaden gestiegen ist. Dennoch ist jetzt klar, wie sehr Christoph Blocher auf Einfluss bei der NZZ drängt. Und gleichzeitig kursiert immer wieder das Gerücht, Blocher kaufe über Strohmänner massiert Aktien, um an den Generalversammlungen Druck auf den NZZ Verwaltungsrat auszuüben oder sich gar in den NZZ Verwaltungsrat wählen zu lassen.

Und so stellen sich vor der GV am Samstag Fragen: Wird das Aktionariat Jornod bestrafen und abwählen? Wird er zurücktreten? Oder wird Blocher genügend Stimmrechte mobilisieren können, um Jornod zu retten und selbst in den VR einzuziehen? Oder wird das Aktionariat gar aus Wut über die versuchte Installation Somms den gesamten Verwaltungsrat auswechseln? 

Fünf Fragen und fünf Antworten zur Klärung der Ausgangslage:

1. Wer versucht, die Festung NZZ einzunehmen?

Gemäss «Tages-Anzeiger» sind es drei Gruppierungen, die am Samstag die NZZ Mediengruppe umkrempeln wollen.

Zum einen macht die «IG Freunde der NZZ» um SVP-Nationalrat Thomas Matter (ZH) und PR-Berater Edwin van der Geest mobil. Die Gruppierung verfügt über rund 10 Prozent der NZZ-Aktien und versucht, über einzelne Verwaltungsräte Einfluss zu nehmen. Um den Druck auf die Verwaltungsräte erhöhen zu können, will die IG am Samstag ihre Amtszeit von vier Jahren auf ein Jahr beschränken. 

Zum anderen hat eine Gruppe von NZZ-Angestellten Aktien gekauft und will den VR-Präsidenten Etienne Jornod abwählen. Als Alternative soll das FDP-Urgestein und SwissRe-Verwaltungsratspräsident Walter F. Kielholz eingesetzt werden. 

Als drittes agiert eine Gruppe von ehemaligen NZZ-Redaktoren und Kadern, die im Hintergrund auf Aktionäre zugehen und mit deren Hilfe den gesamten Verwaltungsrat abwählen wollen. Dies würde eine ausserordentliche Generalversammlung nötig machen. Ein allenfalls neu gewählter Verwaltungsrat soll auch den österreichischen CEO Veit Dengler entlassen. VR und Unternehmensleitung hätten die NZZ der Lächerlichkeit preisgegeben, heisst es aus dieser Gruppierung, die sich inoffiziell «Die wahren Freunde der NZZ» nennen soll.

2. Wie gross sind die Chancen auf Erfolg? 

Gering. Die NZZ Mediengruppe verfügt über eine sogenannte Aktienvinkulierung, die besagt, dass ein einzelner Aktionär nicht mehr als ein Prozent aller Aktien besitzen darf. Hinzu kommt, dass an der GV nur stimmberechtigt ist, wen der Verwaltungsrat in das Aktienregister eintragen lässt. Leute, die im Verdacht stehen, Mitglied der «IG Freunde der NZZ» zu sein oder in deren Dunstkreis zu stehen, können es also gleich vergessen. Das gleiche gilt selbstredend für Leute, die dem Verwaltungsrat unverhohlen drohen. Und für solche, die Mitglied einer anderen Partei als der FDP sind.  

Im heterogen zusammengesetzten NZZ-Aktionariat mit den verschiedenen Interessenlagen genügend stimmberechtigte Aktionäre mit genügend Aktien zusammen zu kriegen und eine Mehrheit der stimmberechtigten Aktien zu kontrollieren, wird gemeinhin als ein Ding der Unmöglichkeit betrachtet. Allenfalls kann es für den einen oder anderen Verwaltungsrat knapp werden, aber dass eine konzertierte Abwahlaktion des gesamten Verwaltungsrats gelingt, ist nahezu unmöglich. 

3. Werden Verwaltungsräte, der Präsident oder der CEO zurücktreten? 

Nein. Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod ist ein Machtmensch, der den Apotheken-Zulieferer Galenica in seiner Amtszeit zu grossem wirtschaftlichen Erfolg geführt hat. Widerstand gegen seine Person oder seine Amtsführung sieht Jornod als sportliche Herausforderung und nicht als persönlichen Angriff, der zu denken geben müsste. Für die übrigen Verwaltungsräte gilt: Der VR-Job bei der NZZ ist noch immer eine Prestige-Angelegenheit. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Informationen über Somms geplante Einsetzung als NZZ-Chefredaktor von einem oder mehreren unzufriedenen Mitgliedern des Verwaltungsrats an die Öffentlichkeit getragen worden sind. Dies, nachdem der Verwaltungsrat einstimmig für Somm votiert hatte. Hätte oder hätten dieser oder diese Verwaltungsräte die Sache über das Prestige ihres VR-Sitzes gestellt, wären Gegenstimmen oder Protestrücktritte schon Ende vergangenen Jahres erfolgt. 

4. Will Blocher Einfluss nehmen?

Ja, das will er. Mit der «Weltwoche» und der «Basler Zeitung» verfügt Blocher zwar über zwei Sprachrohre, doch die NZZ ist und bleibt sein Traum. Das Ziel, aus der «Basler Zeitung» mit Chefredaktor Somm eine politisch auf nationaler Ebene relevante Zeitung zu machen, ist bisher gescheitert und die «Weltwoche» kann den Schein der Unabhängigkeit spätestens seit Roger Köppels Nationalratskandidatur für die SVP nicht mehr aufrecht erhalten. Selbst wenn es Blocher nicht gelingt, auf die NZZ Einfluss zu nehmen, ist es für ihn sowohl wirtschaftlich als auch politisch-publizistisch interessant, mit den beiden zur NZZ Mediengruppe gehörenden Zeitungen «St. Galler Tagblatt» und «Neue Luzerner Zeitung» zusammen zu spannen. Bereits früher wollte Blocher über die «Basler Zeitung» mit den AZ Medien (Verleger Peter Wanner hält die Mehrheit an watson) zusammengehen, um seine publizistische Reichweite zu erweitern. Der Deal sollte sein: Der AZ-Verleger erhält die wirtschaftliche Kontrolle, Somm die publizistische. Ein ähnlicher Deal muss gemäss Blochers Logik mit den beiden NZZ-Tochterhäusern in der Ost- und Zentralschweiz her. 

5. Wird Blocher Einfluss nehmen können? 

Nein. Vorderhand sicher nicht. Blochers Plan, Somm auf den NZZ-Chefredaktions-Sessel zu hieven ist, rechtzeitig aufgeflogen und verhindert worden. Die NZZ-Statuten sehen nicht nur die Vinkulierung und die Beschränkung der Stimmberechtigten voraus, sondern auch die Bestimmung, dass nur FDP-Mitglieder oder Personen, die keiner anderen Partei angehören, Aktien erwerben und stimmberechtigt sein dürfen.    

Der einzige Weg, Einfluss zu nehmen, führt für Blocher über den Verwaltungsrat und dessen Präsidenten. Und dieser Weg ist nach dem Somm-Debakel mindestens für die nächsten zehn Jahre verbaut. 

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