Schweiz
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Nach heftigem Zoff: Tauwetter zwischen Bauernpräsident Ritter und Schneider-Ammann



Markus Ritter, Nationalrat und Bauernverbandspraesident, Bundesrat Johann Schneider-Ammann, von links, waehrend dem Medienanlass

Bild: KEYSTONE

Die Bauern sind derzeit nicht gut zu sprechen auf Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Immerhin sprechen sie jetzt wieder mit ihm: Am Sonntag haben sich der Landwirtschaftsminister und Bauernverbands-Präsident Markus Ritter im bernischen Madiswil getroffen.

Über den Inhalt des Gesprächs gaben die beiden Seiten keine Auskunft. Man habe in «entspannter und sachlicher» Atmosphäre Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Positionen diskutiert, heisst es in einer am Montag verbreiteten gemeinsamen Stellungnahme.

Im Rahmen der jeweiligen Zuständigkeiten soll eine sachliche und lösungsorientierte Zusammenarbeit gepflegt werden. Ein nächstes Treffen ist während der Sommersession geplant. Dass sich der Bruch zwischen Schneider-Ammann und den Bauern an einem einzigen sonntäglichen Treffen im Madiswiler Bären kitten lässt, war nicht zu erwarten.

Wortbruch und Verrat

Auf die Agrarpolitik 2014-2017 mit dem Umbau des Subventionssystems reagierte der Bauernverband 2013 mit der Initiative für Ernährungssicherheit. Als der Bundesrat Budgetkürzungen vorschlug, gingen die Bauern auf die Strasse. Sie warfen Schneider-Ammann Wortbruch vor. In den letzten Jahre hat jeweils das Parlament den Schaden von der Landwirtschaft abgewendet.

Das Zerwürfnis mit dem Bundesrat ist geblieben. Der Bauernverband hatte seine Initiative zu Gunsten eines direkten Gegenvorschlags zurückgezogen. Dieser wurde letzten Herbst an der Urne angenommen. Kurz darauf legte der Bundesrat einen Bericht zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik vor. Eine der Stossrichtungen ist Marktöffnung und Freihandel.

Die Bauern riefen Verrat. Ihre Vertreter setzten Schneider-Ammann im Parlament zu. Die Nationalratskommission wies den Bericht zur Agrarpolitik zurück und will nun das Ruder selbst in die Hand nehmen. Der Bauernverband boykottierte zudem eine Aussprache über den Freihandel mit den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.

Rote Linien

Die EU steht kurz vor dem Abschluss eines Freihandelsabkommens. Nach Ansicht des Bundesrats muss die Schweiz nachziehen. Gegen Freihandel wehrt sich der Bauernverband zwar nicht grundsätzlich, wie Direktor Jacques Bourgeois in einem Interview mit der Zeitung «Le Temps» vom Montag sagte. Er lehne es aber ab, dass die Landwirtschaft zum «Wechselgeld» in der Freihandels-Diskussion werde.

Gewisse rote Linien dürften nicht überschritten werden. Besonders kritisch beurteilt Bourgeois allfällige Grenzöffnungen für Rindfleisch, Poulet, Ölsaaten und Zucker. «Jedes Zugeständnis bei diesen Erzeugnissen wirkt sich negativ aus auf die einheimische Produktion und das Leben der Bauern», sagte er. Ein gewisser Grenzschuss müsse aufrecht erhalten werden. (sda)

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rocky53 23.04.2018 13:09
    Highlight Highlight das heisst nichts anderes als kuschen vor bauernmafia ist bedenklich.schaut mal was an riesenmachinen vor höfen rumsteht,solche brauchts in kanada und nicht für paar äcker bei uns.
  • Herbert Anneler 23.04.2018 12:42
    Highlight Highlight Schön, wenn man die Bauersleute selber einmal fragen würde, was sie brauchten, statt Entscheide über ihre Köpfe zu fällen...
    • Snowy 23.04.2018 15:51
      Highlight Highlight Markus Ritter ist Präsident des schweizerischen Bauernverbands. Nicht, dass ich mit ihm einig wäre, aber wer (wen nicht er) soll für die CH er Bauern reden?
  • Skip Bo 23.04.2018 12:39
    Highlight Highlight JSA's Gesprächsbereitschaft ist auf die Rückweisung durch die NR Kommission zurückzuführen. Die Gesprächsanfragen vom SBV im Vorfeld der Gesamtschau und Mercosur Diskussion wurden von JSA via Vorzimmerchef abgelehnt.
    Freihandel mit Agrarprodukten, welche in der Herstellung von CH Vorschriften (Hormone, Feedlot Haltung, GVO) abweichen bedeutet die Infragestellung dieser Vorschriften.
  • Hierundjetzt 23.04.2018 12:32
    Highlight Highlight Jeder Bauer erhält im Durchschnitt 5‘000.- Subventionen / Sozialhilfe. Pro Monat. Jedes Jahr Milliarden für eine extrem kleine Minderheit

    Und wir streiten darüber ob wir den Sozialhilfeempfänger 10.- abziehen sollen oder AHV-Bezügern 70.- Fränkli mehr bekommen sollen.

    Strukturerhalt in wirtschaftlich komplett abgehängten Regionen wie Bern, Wallis oder Jura gerne.

    Aber diese enormen „Direktzahlungen / Staatliche Sozialhilfe“ muss aufhören. Auch der Ali vom Kebap-Stand muss schliessen, wenns keine Kunden mehr gibt.
    • chleber 23.04.2018 15:30
      Highlight Highlight Ich bin auch ihrer Meinung: am Besten alle Direktzahlungen streichen und den Bauern wieder anständige Preise für die produzierten Nahrungsmittel zahlen.
      Auf industriell produzierte Nahrungsmittel aus dem Ausland, welche über Tausende Kilometer herangekarrt werden, habe ich keine Lust.
    • Hierundjetzt 23.04.2018 17:25
      Highlight Highlight 10.- / Liter zahlst Du aber nicht. Das wäre die Konsequenz davon. Man darf daher strukturerhaltende Massnahmen beibehalten (Subvention) aber so wie heute mit diesen Kleinstbetrieben? Nein. Das ist reine Geldverschleuderung
    • Skip Bo 23.04.2018 18:59
      Highlight Highlight Im Gegensatz zu Ali haben die Bauern Kunden, Emmi und Co. Diese Firmen können ihren VR Präsidenten und CEO's das Mehrfache eines BR Gehaltes zahlen.
      Die Vorgelagerten und die Nachgelagerten machen dank der Zwischenstufe (den Bauern) satte Gewinne.
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