Und wann wird es wieder billiger? Preise im März 2022Bild: keystone
Rohöl kostet gleich viel wie vor dem Krieg – aber warum ist Benzin noch immer viel teurer?
Als der Rohölpreis schnell in die Höhe ging, tat es der Benzinpreis auch. Jetzt, da Rohöl billiger ist, sinkt der Benzinpreis nur langsam. Der Preisüberwacher untersucht, Autofahrer können sich selber helfen.
«Die Tank-Sauerei geht weiter …», schimpfte die Bild-Zeitung unlängst und meinte, folgende «Sauerei» entdeckt zu haben: der Preis von Rohöl sei zwar gesunken, doch die «Öl-Riesen» würden diese Kostensenkung nicht vollständig weitergeben an den Tankstellen. Als Kronzeuge wird der Verband der deutschen Automobilisten herangezogen. Der ADAC hat festgestellt:
«Gemessen am Rohölpreis und am Dollarkurs ist Benzin derzeit sehr deutlich zu teuer.»
Tatsächlich hat es an den Weltmärkten für Rohöl eine überraschende Wende gegeben. Nachdem Russland am 24. Februar in die Ukraine eingefallen war, schoss der Rohölpreis in die Höhe. Doch inzwischen wird das schwarze Gold schon seit Wochen billiger und noch billiger, bis es diese Woche geschehen ist: Rohöl kostet wieder ungefähr so viel wie vor der russischen Invasion – nämlich weniger als 100 Dollar pro Fass.
Nach diesem Auf und Ab stellen sich tatsächlich Fragen. Als Rohöl teuer wurde, haben da die «Öl-Riesen» bloss diese Kostensteigerungen weitergegeben – oder setzten sie die Preise höher als nötig und optimierten so nebenbei ihre Marge? Und jetzt, da Rohöl billiger wird, sinken die Preise an den Zapfsäulen genauso schnell – oder nehmen es die Ölkonzerne da gemütlicher? Wird Benzin wieder so teuer wie zuvor?
Eine «Tank-Sauerei» wird anscheinend auch in der Schweiz von vielen Autofahrern und Autofahrerinnen vermutet. Beat Niederhauser, Stellvertreter des Preisüberwachers, sagt zu CH Media:
«Wir haben viele Meldungen erhalten, in welchen vermutet wird, dass Preissteigerungen des Rohöls rascher weitergegeben werden als die entsprechenden Senkungen.»
Der Preisüberwacher führt derzeit eine Untersuchung durch, die klären soll, ob in der Schweiz überzogene Treibstoff-Margen eingelöst wurden. Auch wenn diese Untersuchung noch andauert, ist für Niederhauser klar: mehr Transparenz könnte die Tankstellen dazu bewegen, auch sinkende Preise schneller weiterzugeben. Denn je mehr Übersicht es gibt, desto rascher passen die Mineralölfirmen die Preise auch gegen unten an, weil sie nicht von der Konkurrenz abgehängt werden wollen.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Mijasma
11.08.2022 09:46registriert Oktober 2018
Eine Stimme für die App in der Schweiz von mir. Wer ist auch noch dafür?
Das wurde schon zigmal geschrieben! Die Öl-Multis geben Preiserhöhungen ziemlich zeitnah an die Verbraucher weiter. Sinkt der Preis, wird die Senkung mit grosser Verzögerung weitergegeben. Das nennt man Gewinnmaximierung!
Für die schlagartige Preiserhöhung reicht der Verweis auf den Weltmarkt. Wenn der Preis dort wieder sinkt bedenkt man auf einmal die Raffineriekette und die Lagerhaltung.
So etwa geht die Mischrechnung zur Gewinnmaximierung.
Die Schweizer Einkaufsstrassen sind voll wie nie – warum Händler trotzdem jammern
Die Schweizer Detailhändler rechnen mit einem schlechten Jahr. Doch aktuelle Daten zeigen: Nicht alle Branchen leiden. Für Lebensmittel geben die Menschen etwa mehr Geld aus, während Kleider-Läden darben. Die Gründe.
Der Detailhandel leidet. Läden schliessen, Preise sinken, Flächen bleiben leer. Der Branchenverband Swiss Retail Federation teilte vor kurzem mit, die Umsätze seien 2025 unter jenen des Vorjahres geblieben – laut ersten Auswertungen um bis zu 1,3 Prozent. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Der tiefen Inflation, Reallohnerhöhungen und einem Preiskampf im Detailhandel stünden etwa höhere Prämien für die Krankenkassen gegenüber. Die Haushalte würden «auf die Ausgabenbremse treten». «Es bereitet uns Sorge», wird Direktorin Dagmar Jenni zitiert.
Zur Story
Würdest du uns einer Freundin / einem Freund weiterempfehlen?
unwahrscheinlichsehr wahrscheinlich
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Mach doch bitte den Adblocker weg!
Vollnervige Pop-Up-Werbung haben wir nämlich sowieso nicht. Und von der Werbung leben hier 80 Journalist:innen.
Wenn der Preis dort wieder sinkt bedenkt man auf einmal die Raffineriekette und die Lagerhaltung.
So etwa geht die Mischrechnung zur Gewinnmaximierung.