Schweiz
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Über 700 Lehrstellen im Aargau unbesetzt – «Lieber keinen als einen Faulen»

Über 700 Ausbildungsplätze sind im Aargau noch zu haben – und das wenige Wochen vor Lehrbeginn. Am meisten Nachwuchs fehlt der Informatikbranche, gefolgt von der Gebäudetechnik und der Baubranche. 

Mario Fuchs / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Das Schuljahr ist zu Ende, die Sommerferien haben begonnen. In wenigen Wochen starten weit über 4000 junge Leute im Aargau in ihre Berufslehre. Doch die Statistik des kantonalen Lehrstellennachweises zeigt: Über 700 Lehrstellen sind noch nicht besetzt (Stand 18. Juni).

Am meisten Nachwuchs fehlt der Informatikbranche: 63 Lehrstellen sind noch offen, das sind 40 Prozent. Für Hakan Erci, Vorstandsmitglied des Branchenverbands ICT-Berufsbildung Aargau, ist dieser Mangel «nichts Neues». Er sagt: «Seit ein paar Jahren bereitet uns die Suche nach Lernenden immer mehr Kopfzerbrechen.»

Des membres de l'EPFL enseignent a des enfants le moyen de creer un detecteur de parents, lors de la journee des portes ouvertes de la Faculte Informatique et Communications (IC) de l'EPFL, ce samedi 22 novembre 2014, a l'EPFL de Lausanne. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Schüler informieren sich an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne zum Thema Informatik. Bild: KEYSTONE

Den Hauptgrund sieht er in der «Qualität der Schulabgänger»: Oft stimmten zwar die Schulnoten, doch sei wenig Arbeitswille und Eigeninitiative vorhanden. «Wir haben viele Kleinbetriebe. Die nehmen lieber keinen Lernenden als einen Faulen», sagt Erci. Hinzu komme, dass man bei den Lehrern kaum mehr eine Lobby habe.

Sanitärbranche mit Imageproblemen

«Seklehrer sagen ihren Schülern, ihr müsst euch gar nicht bewerben, ihr habt sowieso keine Chance. Und Bez-Lehrer schicken ihre Schüler an die Kantons- oder Mittelschulen.» Erci hofft nun auf den Juli und den August: Dann werden erfahrungsgemäss noch zahlreiche Lehrverträge abgeschlossen.

Am zweitmeisten Lernende fehlen in der Gebäudetechnik. Hier sind es 84 offene Ausbildungsplätze (32 Prozent). Laut Renate Kaufmann, Geschäftsleiterin des Branchenverbands Suissetec Aargau, seien die Zahlen beim Heizungsinstallateur auf Vorjahresniveau, beim Spengler leicht darunter.

«Einen grossen Einbruch haben wir aber beim Sanitär», sagt Kaufmann. Warum, sei schwierig zu sagen. «Der Beruf ist wohl zu wenig attraktiv und zu wenig bekannt.» Man habe feststellen müssen, dass viele Jugendliche gar nicht mehr wüssten, was ein Sanitär überhaupt mache, denn: «Das Wasser kommt ja einfach zum Hahnen heraus.» Der nationale Verband Suissetec unternehme «grosse Anstrengungen», um junge Leute wieder für Beruf zu begeistern.

«Müssen oft bei den Lehrern und Eltern Türen öffnen»

Auch die Suissetec-Lehrbetriebe stellen gewisse Anforderungen an Lernende. Falls jemand nicht oder nur unter Vorbehalt für eine Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis geeignet sei, bestehe auch die Möglichkeit, stattdessen eine Ausbildung mit Attest abzuschliessen. «Wir appellieren an unsere Lehrmeister, dass dies gut geprüft wird, denn zuletzt hatten wir deswegen leider viele Lehrabbrüche und Vertragsumwandlungen.»

Bauarbeiter auf der neuen Staumauer mit dem Stausee auf der Muttenalp im Glarner Grosstal bei Tierfehd im Kanton Glarus am Mittwoch, 24. Juni 2015, anlaesslich eines Medienanlass' der Axpo zum Projekt

Bauarbeiter auf der neuen Staumauer mit dem Stausee auf der Muttenalp im Glarner Grosstal bei Tierfehd im Kanton Glarus. Bild: KEYSTONE

An dritter Stelle bei der Anzahl noch offener Ausbildungsplätze steht mit 124 (30 Prozent) die Baubranche. Pascal Johner, Geschäftsführer des Aargauer Baumeisterverbands, prognostiziert, dass die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge in etwa gleich hoch sein wird wie im Jahr 2014.

«Dies aber nur dank grossem Aufwand», betont Johner. Auch er sieht das Handicap im Image der angebotenen Berufe: «Wir müssen oft bei den Lehrern und Eltern Türen öffnen.» Im Bau müsse man natürlich anpacken können – aber nicht nur. Und auch er hofft auf Juli und August: «Das waren immer starke Monate.» Gemäss Gesetz können Lernende bis drei Monate nach Berufsschulstart einsteigen. (aargauerzeitung.ch)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • leclerc 07.07.2015 19:09
    Highlight Highlight nie mehr würde ich einen job auf dem bau annehmen! (bin in der lehre zum elektriker)
    sehr schlechter lohn, man wird nur ausgenutzt und lernt nichts beim arbeiten, überstunden en masse aber noch nie ein danke gehört.
    da geh ich lieber ins büro :)
  • Sandokan 07.07.2015 17:06
    Highlight Highlight Schlechter Artikel von der Aargauer Zeitung.
    Besonders in der Informatik sind die Lehrplätze rar. Faule Jugendliche? Also bitte!! 14-15 jährige sind doch oft verträumt und oft ist es einfach viel zu früh für eine Berufswahl in diesem Alter. Liebe Watson, AZ Medien sind oft wie Blick und 20min. Lasst das bitte.
  • Sabina51 07.07.2015 14:12
    Highlight Highlight Das ist ein Witz!!! Ich glaub es nicht was ich hier lese. Mein Sohn hat den Informatiker Praktiker mit Bravour (Note 5) bestanden. Leider kann die jetzige Firma ihn nicht weiternehmen für die Lehre Informatiker EFZ und dies wurde ihm erst vor 3 Wo. mitgeteilt!
    Er ist nun seit 3 Wochen auf der Suche nach einer Informatiker - Lehre im Kanton Aargau!!! Es hat keine offenen Lehrstellen!!! Er hat überall gesucht, sich beworben, auch blind beworben: NICHTS! und auf dem ASK! haben sie auch keine Infos von noch offenen Lehrstellen!
    Von wo hat die Aargauer Zeitung diese Info???
  • Addi 07.07.2015 11:12
    Highlight Highlight "Bei einem guten Lehrmeister kann auch ein schwacher Schüler aufblühen." - Stimmt, so sehe ich es auch!
  • Amboss 07.07.2015 10:10
    Highlight Highlight Es ist schon ein Problem, dass viele Lehrer schlichtwegs keine Ahnung vom Gebiet "Technik" haben. Und auch nicht den Platz im dichtgedrängten Lehrgang, solche Theman zu behandelt.
    Dabei wären dies so spannende Themen und gerade für Jugendliche, welche eine Lehre machen wollen.
    Was ist Beton? Wie funktioniert die Wasserversorgung? Und was passiert mit dem Abwasser? Wie die Stromversorgung?
    Grundkenntnisse über Werkstoffe...?
    und so weiter.
    Solche Themen werden an der Schule kaum behandelt...
    • Amboss 09.07.2015 13:05
      Highlight Highlight Aber hallo? Dies ist kein Spezialwissen... Wie oft haben sie heute schon mit Beton oder Stahl in Kontakt getreten?
      Überall in unserer Umgebung kommt dies vor. Wäre doch noch spannend zu wissen, was Beton eigentlich ist...
      Gingen sie heute noch nicht Duschen? Und noch nicht aufs WC.
      Das sollte eigentlich Allgemeinwissen sein. Und vor allem für die Kinder, für welche eine Lehre in Frage kommt, wäre es doch wichtiger zu wissen, was Beton ist, als Bertha von Suttner zu kennen...
    • Amboss 09.07.2015 14:58
      Highlight Highlight Alles korrekt was sie schreiben, keine Frage.
      Aber es geht hier doch darum, was Jugendliche bis Ende Schulzeit wissen sollten.
      Und die von mir genannten Bereiche werden in der Schule sehr stiefmütterlich behandelt. Es geht mir um grundlegendes: Beton ist nicht gleich Zement, Stahl ist nicht gleich Metall, eine Strasse tut man nicht "teeren"
      Solche Dinge, Technische Grundkenntinsse werden aus meiner Sicht viel zu wenig gelehrt.
      Dafür zwei Fremdsprache, obwohl man noch nicht mal die Grammatik der Muttersprache kennt...
    • Amboss 10.07.2015 07:43
      Highlight Highlight @Idiot: Was haben sie denn für ein Problem?
      Was wollen sie damit sagen? Wieso billiges Berufsbildungssystem? Was könnte man denn besser machen?
      Ich finde unser System gut. Man ist mit knapp 20 mit der Lehre fertig, und hat dann alle Optionen. Vom Studium bis zur normalen Erwerbstätigkeit...
  • ralck 07.07.2015 09:48
    Highlight Highlight heute musst du dich ende zweite oberstufe entscheiden, was wegweisend für die nächsten jahre des lebens sein sollte. manche jungs müssen eine lehrstelle haben, bevor sie überhaupt ein haar da unten finden. dann kommst du in eine 4-jährige lehre – und davon 1 oder 2 jahre einfach als billiger ben die arbeit erledigt – und musst lernen, arbeiten und irgendwie auch noch das leben geniessen oder? sonst wird man ja so langweilig, wie alle erwachsenen an der bahnhofstrasse…
    es ist super, wenn man sich um perfekte lehrlinge sorgen will, aber dann soll man ihnen auch eine perfekte ausbildung bieten!
    • mrgoku 07.07.2015 14:09
      Highlight Highlight ich glaube in der schweiz können wir uns definitiv nicht beklagen was ausbildung betrifft!
  • Silas89 07.07.2015 09:44
    Highlight Highlight Das Thema Faulheit müsste man detaillierter betrachten. Will ein Lagerist nicht Stapler fahren, weil er das gar nicht darf (keine Ausbildung) und der Chef verlangt es trotzdem? Will der Informatiker nicht das Büro putzen? Was einige Lehrbetriebe ignorieren ist, dass der Lehrling weniger kostet, weil man ihn sich nicht für alles einsetzen darf und ihn betreuen muss!

    Versteht mich nicht falsch... Es gibt faule Lehrlinge bei denen der Betrieb nichts falsch macht. Aber nur weil der Lehrmeister das sagt, der Lehrling sei faul, ist es noch lange nicht die Wahrheit.
  • kuhrix 07.07.2015 08:38
    Highlight Highlight In der Informatik haben sie auch immer das Gefühl sie bräuchten allwissende Musterschüler welche schon programmieren können. Mit 15 Jahren und nach ein paar Schnuppertagen hat man halt noch keine Ahnung vom Beruf. Ich war und bin selber faul und nur ein durchschnittlicher Schüler, dennoch habe ich dieses Jahr ohne Probleme meine Informatik-Lehre abgeschlossen. Bei einem guten Lehrmeister kann auch ein schwacher Schüler aufblühen. Es liegen sowieso Welten zwischen Praxis und Theorie. Hauptsache man jammert am Schluss über die Eigeninitiative von 15-Jährigen.
    • mrgoku 07.07.2015 14:14
      Highlight Highlight sehe ich genau so!! es wird verlangt dass ein schüler der sich für ein beruf intressiert schon alles weiss! ob informatik oder KV bei der bank... sinn ist ja dem schüler eine ausbildung anzubieten die ihn intressiert und nicht bei der er schon alles weiss... -.- wollte immer informatik lernen wurde aber nie genommen weil ich in mathe kake war... hat nie was daran geändert dass mir die ganze sache total gefallen hat... steht bei mathe keine 5 kannste alles knicken
  • Ton 07.07.2015 08:28
    Highlight Highlight Zu faul? Die Aussage stört mich. Ein Lehrling ist eben kein Gratis Mitarbeiter sondern ein Auszubildender. In meiner Lehre musste ich mir leider das meiste auf dem Job selbst beibringen, abgesehen vom Schulunterricht. Es wird Leistung erwartet, ohne etwas zu investieren. So froh ich auch bin über die Tatsache eine Lehre abgeschlossen zu haben - ich kenne schlechte Lehrbetriebe nur zu gut. Die Azubis sind 15 wenn sie sich bewerben und müssten schon wissen was sie im Leben werden wollen. Da müssen die Lehrbetriebe eben etwas Motivation entfachen, das geht nicht ohne Zeit zu investieren.
  • Altorez 07.07.2015 08:19
    Highlight Highlight Ich komme jetzt ins dritte Lehrjahr als Systemtechniker .. Bei mir (Kt. Zürich) hatte es auf eine Lehrstelle für welche ich mich beworben habe über 150 Bewerbungen .. Irgendwie kommt mir da etwas komisch vor ..
  • revilo 07.07.2015 08:09
    Highlight Highlight Zu faul, wenn ich das so lese, stehen mir die Haare zu Berge.
    Wie oft habe ich selber in der Lehr gekrampft und bis spät abends gelernt und Hausaufgaben erledigt, nur damit es keine Meldung an den Lehrbetrieb gibt. Oftmals hat sich dadurch meine Leistung im Betrieb geschmälert, da ich nicht mehr genügend Konzentration aufbringen konnte und völlig übermüdet war.

    Der einzige Punkt, der geändert werden sollte, ist der des Leistungsdrucks. An diesem zerbrechen nämlich viele der Jugendlichen!
    • Oberon 07.07.2015 19:27
      Highlight Highlight Aber nicht nur bei den Jugendlichen, es geht schon lange viel weiter.
  • mastermind 07.07.2015 07:49
    Highlight Highlight Lehrlinge sind ja schliesslich noch nicht per se erwachsen, die müssen von ihrem Lehrbetrieb halt noch "geschliffen" werden. Aber in der heutigen Zeit auch bei der Jobsuche im Stellenbeschrieb nicht anders: und die 20 Jahre alt, 5-10 Jahre Berufserfahrung...
    • mrgoku 07.07.2015 08:44
      Highlight Highlight WORD! alter 20-25
      mind. 3 jahre berufserfahrung... WTF??
  • stadtzuercher 07.07.2015 07:24
    Highlight Highlight der damalige präsident von economiesuisse rudolf wehrli ist ja selbst als beispiel vorangegangen und hat bei seiner globalen firma clariant aufgehört, lehrlinge auszubilden. neoliberaler economiesuisse-abzocker. da darf man für die viel kleineren kmu ruhig etwas verständnis aufbringen in sachen lehrlingausbildung.
  • Unchruut 07.07.2015 07:12
    Highlight Highlight Die Schüler, die "so wenig Eigeninitiative" zeigen, sind auch oft gerade 14-16 Jahre alt. Wenn Sie noch nicht super aktiv und eigeninitiativ sind muss das ja nicht heissen, dass sie zu faul sind. Zudem ist dies meiner Meinung nach ca. 1 Woche schnuppern (und das ist noch lang) oder einem Vorstellungsgespräch, indem man möglichst anständig und brav rüberkommen soll kaum zu beurteilen!
  • Bowell 07.07.2015 07:08
    Highlight Highlight Was machen die restlichen Schulabgänger? 10. Schuljahr, Gymi?
    • mrgoku 07.07.2015 08:46
      Highlight Highlight die grosse mehrheit geht wohl ins 10. schuljahr.. gymi wohl kaum.. bzw. die wenigsten...

      informatik... könnte ich nochmals 10 jahr zurück wäre das meine berufswahl... :)

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