Schweiz
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John Randall, general manager at Salt + Smoke restaurant, wears a mask and gloves as he takes an order over the phone Friday, April 10, 2020, in St. Louis. Many restaurants like Salt + Smoke have started selling groceries and other provisions as a way to help make up for revenue lost during the coronavirus outbreak. (AP Photo/Jeff Roberson)

Handschuhe und Masken wären wahrscheinlich ein Muss bei einer Öffnung der Gastrobetriebe. Bild: AP

«Macht finanziell keinen Sinn»: Nicht alle Wirte wollen ihre Beizen sofort wieder öffnen

Der Verband GastroSuisse setzt momentan alles daran, Restaurants und Bars schnellstmöglich wieder zu öffnen. Auch Politiker fordern vermehrt deren Öffnung. Eine Umfrage zeigt jedoch: Rund die Hälfte der Gastrobetriebe will das gar nicht.



Petrus beglückt uns dieser Tage mit traumhaftem Wetter. Normalerweise provozieren die ersten T-shirt-tauglichen Temperaturen im Jahr einen Sturm auf Gartenbeizen und sonstige Verpflegungsetablissments, die Platz haben, um ein paar Stühle im Freien aufzustellen.

Nicht so dieses Jahr. Die Gründe sind klar. Das Coronavirus hat alles lahmgelegt. Und doch ist so einiges nicht klar. Denn nach über einem Monat Lockdown fängt die Schweiz langsam damit an, Geschäfte wieder zu öffnen. Schrittweise. Der Bundesrat hat seinen Plan letzte Woche kommuniziert.

Nun können wir ab kommenden Montag die Haare wieder schön haben. Von den Restaurants und Bars steht jedoch nichts in den Lockerungsplänen. Der Präsident von GastroSuisse, Casimir Platzer, goutierte dies gar nicht. Er forderte lautstark eine Anhörung seiner Anliegen im Bundesrat. Vergebens. Pläne und Konzepte wurden erarbeiten, um zu beweisen, dass man Gastrobetriebe auch unter Einhaltung der Hygiene- und Social-Distancing-Massnahmen führen kann.

Auch in der Politik mehrten sich die Stimmen, hauptsächlich von FDP- und SVP-Mitgliedern, die eine sofortige Öffnung der hiesigen Beizen und Bars forderten.

Es brachte alles nichts. Gesundheitsminister Alain Berset deutete zwar an einer Pressekonferenz in Chur an, dass man eventuell ab Anfang Juni etwas machen könnte, sicher ist aber nichts.

Und dann das: Die Tagesschau berichtete, dass die Hälfte der Zürcher Gastrounternehmer ihre Betriebe gar nicht rasch öffnen wollen. Grundlage war eine Umfrage des Gastgewerbeverbands Zürich-City.

Um in dem ganzen Tohuwabohu auch die eigentlichen Restaurant- und Barbesitzer mal zu Wort kommen zu lassen, hat watson ein paar Gastrobetriebe nach ihren Meinungen gefragt.

Maurice Huraibi, Restaurant Le Cèdre, Zürich

Wir sind klar für eine Öffnung. Auch wenn diese für den Anfang mit Einschränkungen daherkommt. Wir haben bereits einen Plan ausgearbeitet, wie das funktionieren könnte. An den 4er-Tischen würden nur zwei Leute sitzen, der Abstand wäre gegeben. Auch würden wir Maximalzeiten einführen, wie lange die Gäste bleiben dürften. Also zum Beispiel von 18 bis 20 Uhr, danach von 20 bis 22:30 Uhr.

Das Personal würde Masken und Handschuhe tragen. Wir wissen, dass das dem Ambiente nicht gerade förderlich ist, aber ich denke, die Leute würden trotzdem kommen. Vor allem Junge. Aus Gesprächen hören wir immer wieder, dass man sich eine Öffnung wünscht. Die ältere Kundschaft wäre da anfangs etwas vorsichtiger, aber man muss das Ganze auch langsam angehen.

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Das Le Cèdre in Zürich. bild: zvg

Auch finanziell würde das Sinn machen für uns. An der Badenerstrasse haben wir theoretisch Platz für 260 Leute, vielleicht wären es halt zu Beginn nur 80 Leute. Klar, Umsatz würden wir nicht genug machen, aber es ist besser als nichts. Die Fixkosten verschwinden ja auch nicht einfach.

Und mit dem Abstand ist es so eine Sache: Wenn ich für das Restaurant einkaufen gehe im Aligro, dann ist der Laden überfüllt mit Leuten. Social Distancing sieht anders aus. Ich denke, es ist Zeit, wieder zu öffnen. Nicht von Null auf Hundert, langsam. Das Ganze braucht natürlich Zeit. Aber einen ersten Schritt sollten wir jetzt tätigen.

Mike Walker, Café Parterre, Luzern

Wollen wir eine sofortige Öffnung? Eine komplizierte und heikle Frage. Die Gastronomie in der Schweiz ist extrem vielfältig. Für die einen würde es bestimmt klappen, für andere nicht. Für uns wäre das gar nichts.

Bei uns ist es nämlich so: Wir haben sieben Tage die Woche geöffnet, die Leute kommen für Kaffee, Gipfeli und Sitzungen, aber auch über die Mittagszeit zum Lunch oder abends, um ein Bier zu trinken. Am Wochenende sind wir eine Bar. Eine partielle Öffnung mit strikten Schutzmassnahmen würde bei uns nicht funktionieren. Dies hat mehrere Gründe.

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Das Café Parterre in Luzern. bild: zvg

Erstens: Die Leute kommen nicht nur zu uns, um schnell etwas zu essen. Die Leute wollen ein Ambiente geboten bekommen. Sie wollen kein Personal, das mit Schutzmasken und Handschuhen Krankenhaus-Charme versprüht. Die Leuten kommen, um zu «Socialisen», nicht um sich sozial zu distanzieren.

Zweitens: Finanziell würde es keinen Sinn machen. Um Social-Distancing-Massnahmen einzuhalten, könnten viel weniger Leute reingelassen werden. Wir bräuchten gleich viele Mitarbeiter, hätten aber weniger Umsatz.

Natürlich würden wir auch gerne wieder öffnen, aber uns wäre es wohler, noch ein bis zwei Monate zu warten, und dann ganz zu öffnen.

Andreas Branca, Il Giardino Urbano, Basel

Wir sind eine klassische Gartenbeiz, vom Wetter abhängig, alles findet draussen statt. Wir machen unseren Umsatz von März bis Oktober, zwei Monate sind jetzt bereits weggefallen. Ob wir uns eine sofortige Öffnung wünschen? Ja, klar!

Als wir kurz vor dem Lockdown noch ein Wochenende lang 50 Gäste betreuen durften, funktionierte das prima, obwohl wir eigentlich Platz für 75 Personen hätten. Momentan bauen wir den Garten gerade ein bisschen um, damit die Social-Distancing-Massnahmen auch wirklich umgesetzt werden können.

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Das Il Giardino ist momentan geschlossen. bild: zvg

Dürften wir wieder öffnen, wäre das super für uns. Es würde uns in finanzieller Hinsicht wieder ein bisschen Luft verschaffen. Die Rechnungen flattern ja trotzdem ins Haus, auch wenn wir geschlossen haben. Ich denke, es wäre den Schutzmassnahmen sogar förderlich. Wenn ich diese Tage am Rheinufer vorbeispaziere, sehe ich unglaublich viele Leute dort rumsitzen, zum Teil ohne den nötigen Abstand. Bei uns wäre dieser, dank den Vorschriften, garantiert.

Uns ist bewusst, dass es keinen Sinn macht, alle Bars und Restaurant jetzt auf einen Schlag zu öffnen. Aber für uns würde das definitiv Sinn machen.

Milan Marquard, La Stanza, Kafi Lang, Silo-Silo und weitere, Zürich

Die Umsetzung von zwei Metern Abstand ist extrem schwierig. Die Gastronomie funktioniert einfach nicht so. Die Leute wären verunsichert und würden die Gastroangebote gar nicht nutzen. Wir denken, dass es klüger wäre, etwas länger zuzulassen. Natürlich müsste man Betriebe, die in finanzielle Nöte kommen, dann noch mehr unterstützen.

Es bringt uns einfach nichts, jetzt aufzumachen, mit Massnahmen, die erstens nicht einheitlich und zweitens nicht vollends durchdacht sind. Auch wenn es viele Massnahmen sind, die umgesetzt werden müssen, wird es nicht funktionieren. Die Gäste müssen sich wohl fühlen. Ob das der Fall wäre, wenn das Personal mit Masken und Handschuhen umherläuft, ist fraglich.

Wir würden es bevorzugen, wenn man ein gut durchdachtes Hygienekonzept erstellt, dass auch umsetzbar ist. Das ist besser, als jetzt auf Gedeih und Verderb auf eine Öffnung zu pochen, mit Massnahmen, die nicht realisierbar sind oder Gäste abschrecken.

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