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Restaurants müssen nach wie vor geschlossen bleiben.
Restaurants müssen nach wie vor geschlossen bleiben. Bild: KEYSTONE
Kommentar

Warum die Beizen noch nicht aufgehen – und das total Sinn macht

Der Entscheid des Bundesrates, die Restaurants noch nicht zu öffnen, ist nachvollziehbar. Nur hat er es verpasst, dies der Bevölkerung verständlich zu erklären.
17.04.2020, 17:4218.04.2020, 16:02

Nach seinem gestrigen Auftritt wird der Bundesrat harsch kritisiert. Zu zurückhaltend seien die Lockerungen der Schutzmassnahmen. Nicht nachvollziehbar sei, warum die einen wieder aufmachen dürfen, während andere weiterhin geschlossen haben müssen. Viele ärgern sich: Ist es nicht widersprüchlich, dass Grossverteiler wieder Kleider verkaufen dürfen, während Kleiderläden geschlossen bleiben? Und was ist mit den Restaurants? Macht es Sinn, Nagelstudios und Beautysalons zu öffnen, aber die Beizen nicht?

Ja, macht es.

Und zwar aus einem einfachen und ganz konkreten Grund: Die Krise ist noch nicht vorbei. Die Ansteckungszahlen gehen jetzt zwar seit ein paar Tagen zurück und auch die Todeszahlen stagnieren. Der grosse Ansturm auf die Spitäler blieb aus. Es kam nicht zu einer Überlastung des Gesundheitssystems, es gab keine überfüllten Intensivstationen. Patienten mussten nicht triagiert werden, Ärzte waren nicht gezwungen, ethisch kaum zumutbare Entscheidungen zu fällen. Zum Glück.

Warum das so ist? Weil die Massnahmen gewirkt haben. Und das müssen sie auch weiterhin. So mühsam sie auch sind, so sehr wir uns ein Zurück in die Normalität wünschen: Noch sind wir weit davon entfernt. Leider.

Dieser Anblick bleibt uns wohl oder übel noch etwas erhalten.
Dieser Anblick bleibt uns wohl oder übel noch etwas erhalten. Bild: KEYSTONE

Die Enttäuschung der Gastroarbeitenden ist nachvollziehbar. Seit Wochen müssen sie ihre Betriebe geschlossen halten, viele wissen nicht, wie lange sie sich so noch halten können. Ihre Situation ist schwierig. Doch jetzt wieder aufzumachen, wäre fatal.

Man stelle sich vor, wie schnell die Leute wieder in den Cafés sitzen würden, wie voll die von Beizen gesäumten Boulevards wären, wie normal sich plötzlich alles wieder anfühlen würde. Man stelle sich vor, was passieren würde, wenn jetzt die Kleiderläden aufgingen. Menschen strömten in die Einkaufspassagen, die öffentlichen Verkehrsmittel würden schlagartig wieder voller, Abstand zu halten würde ein Ding der Unmöglichkeit.

Und das ist genau das, was jetzt nicht passieren darf. Denn eines muss ganz klar gesagt werden: Es stimmt, wir sind über dem Berg. Aber aus der Gefahrenzone raus sind wir nicht. Die Verbreitung des Virus ist noch nicht gestoppt. Nach wie vor stecken sich die Leute mit dem Virus an, geben es weiter, nach wie vor sterben Menschen. Und darum beginnt der mühsame Teil dieser leidigen Geschichte erst jetzt. Jetzt müssen wir das Coronavirus in Schach halten. Es darf nicht zu einer zweiten oder dritten Ansteckungswelle kommen.

Auch Einkaufspassagen wie die Zürcher Bahnhofspassage bleiben vorerst weiterhin leer.
Auch Einkaufspassagen wie die Zürcher Bahnhofspassage bleiben vorerst weiterhin leer.

Um bei der Analogie von Bundesrat Alain Berset zu bleiben, der den Kampf gegen die Corona-Krise mit einem Marathonlauf verglich, könnte man es so ausdrücken: Ein 42-Kilometerlauf erfordert Ausdauer. Je länger man rennt, umso mehr schmerzen die Muskeln, umso schwieriger ist es, durchzubeissen. Insbesondere auf den letzten Kilometern. Aber aufgeben, wenn man schon so weit gekommen ist, will niemand.

So wie der Lockdown schrittweise eingeführt wurde, so wird er jetzt auch Schritt um Schritt geöffnet. Dass Restaurants nicht zu den ersten gehören, die wieder aufmachen dürfen, sollte augenscheinlich sein. Und so war der Entscheid des Bundesrats am Donnerstag richtig. Nur hat er es schlecht erklärt. Denn eigentlich ist es ganz einfach: Es können jetzt nicht alle aufmachen. Und vor allem nicht alle gleichzeitig. Es darf nicht zu viel Bewegung entstehen. Weder an den Arbeitsplätzen noch im öffentlichen Raum.

Es wäre an Simonetta Sommaruga gewesen, dies der Bevölkerung verständlich zu erklären. Doch die Bundespräsidentin hat es verpasst, in diesem Punkt Klarheit zu schaffen. Nicht mit einem Wort wurden die Restaurants in der vierseitigen Verordnung erwähnt. An der Pressekonferenz nahm Sommaruga erst auf Nachfrage Stellung. Dazu liege noch kein Entscheid vor, vielmehr solle die Branche Lösungen vorschlagen.

Mit seiner unkonkreten und unverständlichen Kommunikation hat sich der Bundesrat das Wohlwollen der Gastro- und Gewerbeverbandes verspielt – obwohl er gerade jetzt darauf angewiesen ist, dass alle am selben Strick ziehen.

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