Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV ? ZU DEN THEMEN AN DER HERBSTSESSION DER EIDGENOESSISCHEN RAETE VON HEUTE MITTWOCH, 11. SEPTEMBER 2019, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - [Symbolic Image, Staged Picture] A counselor of the regional employment agency RAV shows an unemployed person an information brochure on electronic applications during a counseling session at the RAV office in Thun, Canton of Berne, Switzerland, on April 28, 2017. (KEYSTONE/Gaetan Bally)..[Symbolbild, Gestellte Aufnahme] Eine Beraterin des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV zeigt einer arbeitslosen Person eine Informationsbroschuere zum Thema elektronische Bewerbung wahrend eines Beratungsgespraechs, aufgenommen am 28. April 2017 im RAV in Thun. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Weniger Arbeitslose und tiefe Arbeitslosenquote im Jahr 2019



Der Schweizer Arbeitsmarkt ist in bester Verfassung: Viele Arbeitssuchende haben im vergangenen Jahr eine Stelle gefunden, es herrscht nahezu Vollbeschäftigung und die Finanzen der Arbeitslosenversicherung sind im Lot. Für Diskussionsstoff sorgt aber die Frage, wie ältere Arbeitssuchende besser unterstützt werden können.

Die am Freitag vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vorgelegten Daten zeichnen ein positives Bild des hiesigen Arbeitsmarkts: Die Arbeitslosenquote ist 2019 im Durchschnitt um 0.2 Prozentpunkte auf 2.3 Prozent zurückgegangen und liegt so tief wie zuletzt Anfang der 2000er-Jahre. Und die Zahl der als arbeitslos gemeldeten Personen sank um 9.5 Prozent auf noch 107'000.

Der Arbeitsmarkt habe sich in einem weltweit von Unsicherheit geprägten Konjunkturumfeld sehr erfreulich entwickelt, bilanzierte Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Seco, vor den Medien. In den Sommermonaten sei die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit 2008 sogar unter die Schwelle von 100'000 gefallen.

Die positive Stimmung am Arbeitsmarkt zeige sich auch anhand weiterer Entwicklungen: So sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen um gut ein Fünftel gesunken und auch der rückläufige Trend bei ausgesteuerten Personen, die keinen Anspruch mehr auf Arbeitslosenentschädigung haben, halte an. Zudem hätten Arbeitssuchende im Durchschnitt nach nur sechs Monaten wieder eine Stelle gefunden, betonte Zürcher.

Hilfe für ältere Arbeitslose

Doch nicht alle profitieren gleich gut von der positiven Entwicklung. Zu reden geben nach wie vor die Herausforderungen, die sich älteren Arbeitslosen stellen. Zwar ging auch bei den 50- bis 64-Jährigen die Arbeitslosenquote zurück. Im Durchschnitt vergingen laut Statistik aber beinahe neun Monate, bis sie Arbeit fanden. Bei den 15- bis 24-Jährigen waren es nur drei Monate.

Ältere Arbeitnehmende hätten bei der Arbeitssuche mehr Mühe als jüngere, stellt Adrian Wüthrich vom Arbeitnehmerverband Travail.Suisse fest. Es sei daher nicht erstaunlich, dass bei Langzeitarbeitslosen ältere Menschen stärker vertreten seien, was sich in den letzten Jahren auch bei den Aussteuerungen gezeigt habe.

Die Politik hat das Problem erkannt: Der Bundesrat stellt künftig für Projekte zur Wiedereingliederung älterer Arbeitssuchenden zusätzliche Mittel zur Verfügung. Noch würden konkrete Massnahmen beraten, Pläne gebe es aber betreffend praxisnaher Schulung und verbesserter Beratung, sagte Zürcher. Darüber hinaus wird im Parlament über die Einführung einer Überbrückungsrente für ausgesteuerte Arbeitslose über 60 diskutiert.

Trübere Aussichten

Künftig sei allgemein mit etwas höheren Arbeitslosenquoten zu rechnen, fuhr Zürcher fort. Das Seco erwartet für 2020 einen leichten Anstieg auf 2.4 Prozent und einen Wert von 2.6 Prozent im Jahr darauf. Die gedämpfte Konjunkturlage werde wie gewohnt mit Verzögerung auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, hiess es.

Bereits im Monat Dezember legte die Arbeitslosenquote auf 2.5 von 2.3 Prozent im Monat davor zu. Dafür machte Boris Zürcher jedoch in erster Linie saisonale Effekte verantwortlich. Vor allem in der Baubranche nehme die Arbeitslosigkeit in der kalten Jahreszeit in der Regel zu, was auch diesmal der Fall war. Um saisonale Faktoren bereinigt verharrte die Quote bei 2.3 Prozent.

Das Seco zählte zum Jahresende zudem 10'500 Stellensuchende mehr als im Vormonat. Und die Zahl der als offen gemeldeten Stellen sank auf knapp 30'000. Mehr als die Hälfte davon unterlag der im Juli 2018 eingeführten Stellenmeldepflicht für Berufsarten mit einer Arbeitslosenquote von mindestens 8 Prozent. Seit Jahresbeginn gilt dafür mit 5 Prozent ein neuer Grenzwert.

Schuldenfreie ALV

Die zuletzt gute Entwicklung am Arbeitsmarkt entlastet auch die Kassen des Bundes. Das Rechnungsjahr 2019 schloss der Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung (ALV) Schätzungen zufolge mit einem Überschuss von 1.60 Milliarden Franken ab und so können die bei der Bundestresorie offenen Darlehen restlos zurückbezahlt werden.

Die gute Finanzlage werde dazu führen, dass das 2011 zur Sanierung der ALV eingeführte Solidaritätsprozent aufgehoben werden könne, versprach Oliver Schärli, Leiter des Seco-Bereichs Arbeitsmarkt/Arbeitslosenversicherung. Das werde allerdings frühestens 2021 der Fall sein. Das Beitragsprozent wird auf höheren, nicht versicherten Lohnanteilen erhoben. (sda/awp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die 30 am wenigsten verkauften Autos der Schweiz

Die neue Form der Landwirtschaft

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________
10.01.2020 16:20registriert August 2017
...Zwar ging auch bei den 50- bis 64-Jährigen die Arbeitslosenquote zurück...
Weil sie ausgesteuert wurden? 🤔
Derweil feuert Manor fleissig Ü50 Mitarbeiter.
252
Melden
Zum Kommentar
5

Kommentar

Die Konzernverantwortungs-Initiative aus einem afrikanischen Blickwinkel

Als gebürtiger Südsudanese beobachte ich die Debatte in der Schweiz um die Konzernverantwortungs-Initiative (KVI) mit Befremden. Beinahe alle Nichtregierungsorganisationen (NGO), die auch in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, engagieren sich für diese Initiative in der Hoffnung, dass es künftig weniger Menschenrechtsverletzungen gibt, die von Schweizer Firmen in Entwicklungsländern verursacht werden.

Insgeheim wissen die meisten dieser NGO sehr wohl, dass die systematische Verletzung von …

Artikel lesen
Link zum Artikel