Schweiz
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Jahresarbeitszeit? Darum ist der Bundesrat (noch) dagegen



ARCHIV - ZUR PRESSEKONFERENZ ZUM AUSBAU DER BAHNINFRASTRUKTUR STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Nachdem der Schleifzug durch Schleifen die Schienen bearbeitet hat, kontrolliert ein Mitarbeiter die Arbeit an den Schienen, aufgenommen am 29. April 2013 im Loetschbergtunnel (der alte Tunnel von Kandersteg nach Goppenstein). Mit dem Schleifzug wird das urspruengliche Schienenprofil in den Kurven der Strecke wieder hergestellt, in denen die Schienen unregelmaessig beansprucht werden. Die von der BLS beauftragte Firma Scheuchzer fuehrt die Schleifarbeiten nachts zwischen 21.00 und 3.00 Uhr durch, da der Verkehr tags zu dicht waere. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat stellt sich gegen eine Lockerung der Regeln zur Arbeitszeit. Er beantragt dem Parlament, auf eine Gesetzesvorlage der ständerätlichen Wirtschaftskommission (WAK) nicht einzutreten.

In seiner am Dienstag im Bundesblatt veröffentlichten Stellungnahme kritisiert der Bundesrat, dass die WAK die Sozialpartner nicht einbezogen habe. «Schon allein deshalb erachtet der Bundesrat die Erfolgschancen dieser Revisionsvorlage als gering», schreibt er.

Der Bundesrat anerkennt zwar, dass die Kommission Anpassungen vorgenommen habe. Damit könnten die in der Vernehmlassung geäusserten Befürchtungen aber kaum substanziell entkräftet werden, heisst es in der Stellungnahme.

Nach Jahresarbeitszeitmodell

Der Gesetzesentwurf der WAK geht auf eine parlamentarische Initiative von Konrad Graber (CVP/LU) zurück. Sie bezweckt, dass mehr Personen nach einem Jahresarbeitszeitmodell arbeiten: Arbeitgeber sollen künftig Vorgesetzte und Fachspezialisten, die mindestens 120'000 Franken verdienen oder einen höheren Bildungsabschluss haben, einem Jahresarbeitszeitmodell unterstellen können.

Möglich wäre dies aber nur mit Zustimmung der Betroffenen oder der Arbeitnehmervertretung des Betriebs. Auch soll die wöchentliche Arbeitszeit 67 Stunden nicht überschreiten dürfen. Und die jährliche Arbeitszeit soll auf mindestens 40 Wochen verteilt werden müssen.

Arbeiten ab 4 Uhr morgens

Für den Fall, dass das Parlament auf die Vorlage eintritt, empfiehlt der Bundesrat, verschiedene Aspekte zu prüfen, damit diese mit den Sozialpartnern diskutiert werden können. Unter anderem betrifft dies das vorgeschlagene Modell für Tages- und Abendarbeitszeit.

Neu wäre es für Betriebe möglich, ohne Bewilligung Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die dem zustimmen, ab 4 Uhr morgens zu beschäftigen beziehungsweise bis 24 Uhr. Das berge Risiken für die Gesundheit, schreibt der Bundesrat. Die medizinischen Erkenntnisse sprächen klar gegen einen Arbeitsbeginn vor 5 Uhr.

30 Prozent betroffen

Weiter gibt der Bundesrat zu bedenken, dass mit den vorgeschlagenen Kriterien rund 30 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer potenziell betroffen wären. Er schlägt vor, einzig auf den Lohn als Kriterium abzustellen. Das würde die Arbeit für die Arbeitsinspektorate vereinfachen, argumentiert er. Zudem wären damit maximal 15 Prozent aller Arbeitnehmenden betroffen.

Die Wirtschaftskommission hatte auch einen zweiten Entwurf in die Vernehmlassung geschickt, der auf eine parlamentarische Initiative der ehemaligen St. Galler FDP-Ständerätin und heutigen Bundesrätin Karin Keller-Sutter zurückgeht. Dieser sah vor, dass der Arbeitgeber für die gleichen Gruppen von Arbeitnehmenden auf die Erfassung der Arbeits- und Ruhezeit verzichten kann. Darauf will die Kommission aber verzichten, wie sie nach der Vernehmlassung beschloss. (aeg/sda)

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36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • einmalquer 08.10.2019 19:27
    Highlight Highlight Es ist schon richtig, dass der Bundesrat das nicht will.

    Sonst hätten plötzlich viele ArbeitnehmerInnen gleich lange Arbeitszeiten wie Personen die zu Hause Kleinkinder betreuen.

    Und das ist unzumutbar - oder nur Familienfrauen.
  • Lowend 08.10.2019 14:06
    Highlight Highlight Das ist der beste Grund zu schauen, dass es keine rechte Mehrheit nach den Wahlen gibt, denn sonst bekommt die Wirtschaft ihre gewünschten Sklaven mit Sicherheit.
  • Minicooper 08.10.2019 13:54
    Highlight Highlight Aber hallo, sind Bähnler andere Menschen. Habe bei der SBB 33 Jahre Schicht gearbeitet. Alle Arbeitszeiten von 0:00 - 24:00 auch Samstags und Sonntags. Man könnte meinen Schichtarbeiter werden nie krank. Frechheit.
  • Sherlock_Holmes 08.10.2019 12:26
    Highlight Highlight Zur Karikatur:

    Heute tut dies mancher freiwillig und schreit dabei vor Glück ...

    Obwohl wir es inzwischen eigentlich besser wissen müssten.

    Die krank machenden physischen und psychischen Risikofaktoren sind wissenschaftlich eingehend untersucht und bekannt.

    Sicher hängt das individuelle Leistungsvermögen von vielen Faktoren ab.

    Eine 67h-Woche bedeutet jedoch über 9.5h/7d oder 11h/6d reine (!) Arbeitszeit.
    Über einige Tage oder Wochen mag dies gehen. Auf Dauer ist dies krank (machend).

    Wer so handelt, betreibt Raubbau an sich selbst, seinem sozialen Umfeld und an der Gesellschaft.

    Benutzer Bild
    • Merida 08.10.2019 13:48
      Highlight Highlight Bei einer fixen Jahresarbeitszeit hast du dafür min. 3 Monate Ferien, wenn du dir das mit den 67h Wochen ab und zu antun willst.
    • Ökonometriker 08.10.2019 15:33
      Highlight Highlight Ich arbeite öfters über 50h pro Woche und kann mir so jährlich mehrere Monate Ferien gönnen. Wenn man 60h mit tollen Leuten an einem interessanten Projekt in einem gemütlichen Büro arbeitet ist das eine Qualität als wenn man auf einer Baustelle körperlich bei jedem Wetter schuftet.
  • wolge 08.10.2019 12:24
    Highlight Highlight Jahresarbeitszeit funktioniert nur mit „modernen“ Organisations- und Führungsmodellen die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

    Solange 99% der Unternehmen nach einem veralteten, tayloristischen System aus Zeiten der Industrialisierung funktionieren, werden einzig Burnout, Depressionen und andere psychosomatische Erkrankungen das Ergebnis sein.

    Es benötigt eine rigorose Umdenke. Weg vom Unternehmen als Maschine und dem Menschen als Zahnrad (Ressource), hin zum Unternehmen als lebendiges System und dem Menschen als Individuum.
    • wolge 08.10.2019 14:44
      Highlight Highlight Wirtschaftsphilosoph und Autor des Bestsellers „Reinventing Organizations“ Frédéric Laloux plädiert dafür, Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, Strukturen radikal zu vereinfachen und Raum für Mitsprache und Selbstmanagement zu schaffen.

      Der belgische Visionär berichtet von beispielhaften Erfolgsgeschichten und erklärt, warum die Zukunft selbstführenden Organisationen gehört, und was er unter Wholeness und Evolutionary Purpose versteht...

      Play Icon
    • Dominik Treier 08.10.2019 20:05
      Highlight Highlight Danke!
  • Merida 08.10.2019 12:05
    Highlight Highlight Ich arbeite seit 14 Jahren mit Jahresabeitszeit. Das hat Vor-und Nachteile. So gibt es sehr arbeitsintensive Zeiten und andere, wo es sehr ruhig ist. Ich kann vieles selber einteilen, bin aber doch auch an rigorose Fixzeiten gebunden.
    Wichtig ist einfach, dass es klar geregelt ist und alle Beteiligten damit einverstanden sind.
    • Dominik Treier 08.10.2019 13:24
      Highlight Highlight Gerade bei Zweiterem liegt doch das Problem! Wir haben in der Schweiz weder einen starken Sozialstaat, noch ein Grundeinkommen und wenn so eine Lösung legal ist, bedeutet das automatisch das jeder Arbeitgeber der will, sie dank seiner Machtposition seinen Angestellten aufdrücken und so einen grossen Teil seiner Fluktuationsrisiken abwälzen kann. Nein sagen können sich gerade nidrigere Qualifizierte nur mit einfachem Berufs- oder gar ohne Abschluss nicht leisten!
    • Merida 08.10.2019 13:45
      Highlight Highlight In meinem Job geht es nur so... Ist kantonal für alle gleich geregelt. Allerdings braucht es für den Job mindestens einen Bachelor Abschluss.
    • Safster 08.10.2019 14:40
      Highlight Highlight @Dominik Treier: Deshalb betrifft es ja gerade nicht die niedriger Qualifizierten. Ihr Argument ist leider falsch.
  • pluginbaby 08.10.2019 12:05
    Highlight Highlight Gutes Bild - der Gleisbauer. Bei der Eisenbahn kennt man die JAZ schon lange. Dort arbeitet man auch im 24h Betrieb. Egal ob unmotiviert, müde oder schlechtes Wetter 😉
  • PlayaGua 08.10.2019 12:00
    Highlight Highlight De facto gilt das ja schon lange. Ist nur eine Anpassung an die Realität.
  • Dominik Treier 08.10.2019 11:40
    Highlight Highlight Lange Arbeit = Hohe Leistung
    Das Ammenmärchen der Wirtschaftselite!
    • Ril 08.10.2019 12:25
      Highlight Highlight Funktioniert gut für die, dann hat man keine Zeit, um sich als Arbeitnehmer zu organisieren, oder nach Anderem umzusehen oder weiterzubilden (Abendschule etc). Das ist super für die Retention von Schlechtbezahlten
    • Count Suduku 08.10.2019 12:33
      Highlight Highlight Der Mensch ist halt nichts mehr als eine Maschine
  • Markus97 08.10.2019 10:50
    Highlight Highlight Ich bin aktuell im Studium und werde wohl danach Betroffen sein. Den Vorschlag finde ich gut. Ein hoher Lohn und somit eine hohe Verantwortung fordern einen gewissen Einsatz der manchmal über die normalen Arbeitszeiten hinaus geht. In der Realität ist das auch heute schon so. Führungskräfte akzeptieren das in der Regel, obwohl sie nicht müssten. Es macht keinen guten Eindruck auf die Mitarbeitenden wenn eine Führungsperson einfach nachhause geht obwohl die Bude brennt. Neu wäre das man dies kompensieren würde, was eine gute Sache ist.
    • Rolf stühlinger (1) 08.10.2019 11:10
      Highlight Highlight Ein hoher lohn = hohe verantwortung? Wieder so ein liberales märchen.
      Monteure auf der baustelle haben deutlich mehr verantwortung zu tragen. Oder polizisten. Oder krankenschwester als jeder der dies mit seinem lohn behauptet! Umso mehr lohn desto mehr komplette unfähigkeit! Sie sbb führung, ubs führung etc
    • Sarkasmusdetektor 08.10.2019 11:30
      Highlight Highlight Wart erst mal ab, ob du den Vorschlag nach ein paar Jahren in der realen Arbeitswelt immer noch so toll findest. Hier geht es übrigens nicht um Führungskräfte, für diese gelten heute schon lockerere Regeln. Es geht darum, diese Regeln auf normale Angestellte auszudehnen.
    • Dominik Treier 08.10.2019 11:35
      Highlight Highlight Jaja die hohen Löhne fordern was... Z.b. das man es dafür seinem Arbeitgeber erlaubt seine Gesundheit kaputt zu machen und der einen dann ins staatliche Gesundheits- und Sozialwesen abschiebt und dafür dann noch 3 Lobbyisten in Bern mehr einstellt um die elendig hohen Unternehmenssteuern zu senken, denn Unternehmen verursachen ja keine Kosten... Ach ja und deine Arbeit wird, oh Wunder, mit so hohen Wochenarbeitszeiten auch nicht besser... Mal ehrlich hast du eine Ahnung dass 85% der Arbeit in nur 15% der Arbeitszeit gemacht werden? Der Mensch ist für so lange Arbeit nicht geschaffen!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ökonometriker 08.10.2019 10:36
    Highlight Highlight Finde die Forderung, dies auf den Jahreslohn abzustellen, vernünftig. Hauptsache es wird endlich legalisiert, denn gemacht wird es defacto sowieso.
  • mrgoku 08.10.2019 10:33
    Highlight Highlight Leben um zu Arbeiten - Das Motto in der Schweiz

    Oder Leben um zu Dienen, ohne widerrede.

    Pushen pushen pushen, Vollgas und dann krank. Nie wieder gesund. Leben im Eimer....

    Scheint der gängigste Zyklus zu sein...
    • Dominik Treier 08.10.2019 11:37
      Highlight Highlight Und dann wird man ins staatliche Sozialwesen abgeschoben, woran die Unternehmen aber natürlich immer weniger zahlen wollen... Die Wirtschaft hat vergessen, dass sie da ist um den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt!
  • DerGrund 08.10.2019 10:22
    Highlight Highlight Und natürlich steigt die Produktivität bei einer Wochenarbeitszeit von 67h massiv an 🤷‍♂️ jeder kennt ihn, diesen Motivationsschub abends, nach 10h Arbeit!
    • Count Suduku 08.10.2019 12:32
      Highlight Highlight Solang ich nicht einen Nervenzusammenbruch habe, kann ich einfach nicht meine 4 Stunden Schlaf antreten

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