Schweiz
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epa07331103 Vas Narasimhan, CEO of Swiss pharmaceutical group Novartis, speaks during the annual results media conference at the Novartis Campus in Basel, Switzerland, 30 January 2019.  EPA/PATRICK STRAUB

Topmanager Vas Narasimhan. Bild: EPA/KEYSTONE

Das Heldenbild bekommt Kratzer

Der Ruf von Novartis-Chef Vas Narasimhan hat seit dem Skandal um die Datenmanipulation stark gelitten.

Andreas Möckli / Schweiz am wochenende



Er meditiert fast täglich, macht fast eine Stunde Sport, meist morgens. Er nimmt die Treppe statt den Lift, ernährt sich vegetarisch. Zudem fastet er an Arbeitstagen bis zu 16 Stunden. In dieser Zeit gibt es nur Kaffee, Wasser und Proteine. Intervallfasten nennt sich das – und liegt voll im Trend. Heilig sind ihm zudem seine fünf Wochen Ferien.

Dieses Konzept ist nicht etwa in einem Buch zum Thema Selbstoptimierung nachzulesen. Nein, es stammt von Novartis-Chef Vas Narasimhan.

Er werde oft gefragt, woher er die Energie nehme, schreibt der 42-Jährige auf dem Online-Karriereportal Linkedin. «Ähnlich wie bei Sportlern muss ich mich körperlich und geistig vorbereiten, damit ich meine Höchstleistungen erbringen kann.» Es sei der einzige Weg, um genug Kraft für das Amt des Konzernchefs zu haben – und für seine wichtigste Aufgabe: Vater und Ehemann.

Solche Sätze sind neu für die Schweizer Wirtschaftsgilde. Noch nie hat ein Topmanager ungefragt so viel Persönliches von sich preisgegeben. Er bewegt sich auf sozialen Medien wie Twitter oder Instagram. Vas, wie ihn alle nennen, stellt selbst Ferienfotos ins Netz, so etwa kürzlich ein Bild mit seinen beiden Söhnen auf Island. In Interviews spricht er über gutes Führen und darüber, wie Novartis das Vertrauen der Gesellschaft in das Unternehmen nach zahlreichen Skandalen wieder aufbauen will.

Im Tagesgeschäft verschaffte sich Vas mit einem rasanten Start viel Respekt. Schon kurz nachdem er die Leitung des Pharmakonzerns im Februar 2018 übernommen hat, trennt sich Novartis von Firmenteilen oder bringt sie an die Börse. Gleichzeitig zieht sich der Pharmakonzern aus Forschungsgebieten zurück und steigt in das aufstrebende Feld der Gentherapien ein.

Sein erster grosser Fehler als Konzernchef

Bis vor kurzem sah es also so aus, als würde Vas, der Held, der Saubermann, alles richtig machen. Bis zum 6. August. An diesem Tag wurde ein Schreiben bekannt, das es in sich hat. Die US-Zulassungsbehörde FDA kritisiert Novartis scharf, droht mit rechtlichen Schritten. Mitarbeiter fälschten Testverfahren mit lebenden Mäusen, die für die Zulassung der neuen Gentherapie namens Zolgensma eine Rolle spielten. Noch schwerer wiegt, dass Novartis bereits seit Mitte März von der Manipulation wusste. Der Pharmakonzern wartete dreieinhalb Monate, bis er sich an die FDA wandte. In der Zwischenzeit hatte die US-Behörde grünes Licht für die Gentherapie erteilt.

Die Empörung in den Medien ist gross. Von seinem ersten grossen Fehler ist die Rede. Es sei rätselhaft, wie Vas so etwas passieren könne, sei er doch angetreten, um Novartis frei von weiteren Skandalen zu halten. Als letztes Jahr die Zahlung von Novartis an Ex-Trump-Anwalt Michael Cohen aufflog, gelobte Vas Besserung. Zwar ging der Fehltritt auf das Konto seines Vorgängers Joe Jimenez. Doch Vas musste den Schaden ausbügeln. Er entschuldigte sich umgehend. Und in seiner typischen Art wandte er sich an seine Mitarbeiter: «Gestern war kein guter Tag für Novartis. Auch für meine Familie war es ein schwieriger Tag. Ich ging frustriert und müde schlafen.»

Im Unterschied zur Zahlung an Cohen wird sich Vas für den aktuellen Fall vermutlich nicht entschuldigen. «Wir haben versucht, alles richtig zu machen», sagte er vergangene Woche an einer Telefonkonferenz. Er wies den Vorwurf zurück, die FDA erst so spät informiert zu haben, um die Zulassung nicht zu gefährden. Doch genau diese Lesart hat sich breitgemacht. Mehrere USPolitiker kritisieren Novartis scharf dafür. Ein Ausschuss des Senats verlangt detaillierte Auskünfte zum Fall. Vas beteuerte, Novartis habe den Dingen zunächst auf den Grund gehen müssen, um zu wissen, was Sache ist. Dazu mussten die fraglichen Tests mit lebenden Mäusen wiederholt werden, was Zeit beansprucht habe. Erst danach habe man die FDA vollständig ins Bild setzen können. Zudem sei stets klar gewesen, dass die fraglichen Daten keinen Einfluss auf die Wirksamkeit des Produkts und die Sicherheit der Patienten gehabt hätten.

Auf dem harten Boden der Realität gelandet

Hatte Novartis also tatsächlich keine andere Wahl, als die FDA erst so spät zu informieren? Die Zweifel sind auch in der Branche gross. «Verdirb es dir nie mit der FDA», lautet die goldene Regel in der Pharmaindustrie. Spätestens Anfang Mai, als die Diskrepanzen bei den fraglichen Daten bestätigt wurden, hätte sich Vas und sein Team an die FDA wenden können – selbst mit unvollständigen Informationen.

Das glänzende Bild von Vas erhält damit Kratzer. Er, der sich wahlweise zum Helden oder Saubermann hochstilisieren liess, fällt nun auf dem Boden der Realität auf. «Ich verstehe nicht, weshalb man es zuliess, dass Vas derart hochgejubelt wurde», sagt einer, der seit vielen Jahren als Berater in der Pharmabranche tätig ist. Tauche ein Skandal auf, sei der Fall umso tiefer. Ein Chef eines derart grossen Konzerns tue gut daran, mit einer gewissen Bescheidenheit aufzutreten, sagt ein anderer Beobachter. Natürlich sei er gewinnend, ein guter Kommunikator, sagen beide. Doch er tappte in die klassische Falle: Er habe das viele Lob, das er erhielt, allzu ernst genommen und es auch noch bewirtschaftet. Im Nachhinein zeigt sich, dass er sich vermutlich überschätzt habe.

Für Beispiele eines rasanten Aufstiegs und steilen Falls muss Vas nicht weit suchen. Sein Vor-Vorgänger Daniel Vasella wurde über Nacht zur Persona non grata, nachdem seine Abgangsentschädigung von 72Millionen Franken bekannt geworden war. Oder Marcel Ospel, Ex-Chef der UBS, dem angelastet wird, die grösste Schweizer Bank mit seiner Strategie an den Abgrund geführt zu haben. Natürlich ist Vas noch weit von solchen Abstürzen entfernt, doch zeigen sie, wie hoch die Fallhöhe in der Wirtschaftswelt sein kann.

Vas gelobt, aus den gemachten Fehlern zu lernen. Wenn er zurückdenke, erkenne er Möglichkeiten, wie Novartis diese Situation besser hätte bewältigen können. Das gebe er zu, sagte er am Donnerstag an einer Telefonkonferenz mit 12000 Führungskräften. Er sei als Führungskraft nicht perfekt und denke, dass «wir alle weiter daran arbeiten werden».

Vielleicht gewinnt Vas ja beim täglich Meditieren neue Erkenntnisse.

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mangi 18.08.2019 19:47
    Highlight Highlight Wir machen Dich zum Boss ( CS & NOVARTIS) aber eigentlich meinten Sie zum „ SÜNDENBOCK „
  • Mantrax 18.08.2019 18:29
    Highlight Highlight Vas hat etwas überspitzt gesagt als Konzernchef auch keine so schwierige Aufgabe übernommen. Alcon abspalten, als nächstes Sandoz unabhängig machen (und die Biosimilars behalten), dazu noch 2-3 kleinere Übernahmen. Resultat: keinen Wert geschaffen, EBITDA Marge gesteigert, Chef wird gefeiert... http://M
  • Linksextremer Klima-Opportunist 18.08.2019 16:13
    Highlight Highlight Intervall-fasten funktionniert vermutlich auch nur in einer ceo position
    • iisprinzässin 18.08.2019 16:49
      Highlight Highlight Ach Mist, versehentlich geherzt. Intervallfasten funktioniert in jedem Beruf sehr gut, denn es bedeutet nichts anderes als "zwischen den Mahlzeiten nichts essen". Wer das nicht kann hat generell ein Problem.
    • MAOAM 18.08.2019 18:14
      Highlight Highlight @iisprinässin "zwischen den Mahlzeiten nichts essen"
      Genau genommen sind das Zwischen mindestens 16 Stunden.
    • FrancoL 18.08.2019 18:15
      Highlight Highlight @prinzässin; Nei der hat nicht generell ein Problem, der hat ein anderes Essverhalten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • fabsli 18.08.2019 14:22
    Highlight Highlight Lustig, wieviele CEOs sich mit Hochleistungsportlern vergleichen.
  • #Technium# 18.08.2019 13:46
    Highlight Highlight Das Image von Vas hatte schon vorher Kratzer, nämlich, als er beschloss, 2’500 Stellen in der Schweiz abzubauen.
    • Mantrax 18.08.2019 18:25
      Highlight Highlight Um darauf hin an der nächsten Mitarbeiter-Veranstaltung kaum ein Wort dazu zu verlieren sondern sein „unboss yourself“ zu predigen.
    • niklausb 18.08.2019 19:25
      Highlight Highlight Ja mantrax da werden ja eben 2500 leute unbossed
    • DrFreeze 18.08.2019 20:04
      Highlight Highlight Genau, die werden nicht entlassen sondern buchstäblich "unbossed".
  • Frausowieso 18.08.2019 12:46
    Highlight Highlight Der erste Tiefschlag war eher die Ankündigung der Massenentlassungen in der Schweiz und Werksschliessung in UK. Tausende werden ihren Job verlieren. Eine Konzernleitung, die so etwas zu verantworten hat, hat schlicht versagt. Vas ist sicher kein Sympathieträger.
    • niklausb 18.08.2019 13:15
      Highlight Highlight Absolut richtig. Aber wie anhand der Blitze erkennbar ist schein dies in der Schweiz für einige Leute ok zu sein. Ich wünsche diesen Leuten trotzdem nicht auch mal von so einer Entlassungswelle betroffen zu sein.
  • Robi14 18.08.2019 12:15
    Highlight Highlight Wenn man Tests mit lebenden Mäuser widerholt, brauchts einen neuen Ethikantrag. Alleine den zu schreiben dauert, und inkl. Bewilligung bräuchte man dafür viel mehr als 3.5 Monate.
  • x4253 18.08.2019 12:14
    Highlight Highlight Ai ai ai Vas...
    Wer in den USA geschäftet sollte eig wissen, dass man die Feds (Bundesbehörden) auch auf Verdacht hin informieren sollte.
    Alles andere ist unglaublich dumm. Die Feds fühlen sich nun (zurecht) verschaukelt und ziehen die Daumenschrauben entsprechend an.
  • Sandro Lightwood 18.08.2019 11:37
    Highlight Highlight Nice Frisur! 😂
  • The Count 18.08.2019 11:27
    Highlight Highlight Er hatte für vernünftige Menschen noch nie ein Heldenbild.
  • Eight5 18.08.2019 11:09
    Highlight Highlight "Er sei als Führungskraft nicht perfekt und denke, dass «wir alle weiter daran arbeiten werden»."

    Niemand ist perfekt.
    Ich kenne Vas nicht persönlich. Aber ich folge ihm auf LinkedIn.

    Ist ja nicht so dass er hinsteht und sagt: ich bin ein Siebesiech und sowieso der Grösste.

    Nein, die Medien behaupten das und loben ihn bis zum geht nicht mehr. Und verteufeln ihn, wenn ein Fehler passiert.
  • Faceoff 18.08.2019 11:08
    Highlight Highlight "Hochsterilisieren"? An diesem Plagiat dürfte ein gewisser Bruno Labbadia keine Freude haben.
    • Gender Bender 18.08.2019 11:19
      Highlight Highlight lol, lol, lol!!!! Einer der besten Witze ever, ever, ever.
    • batschki 18.08.2019 12:17
      Highlight Highlight 😘
  • rüpelpilzchen 18.08.2019 10:53
    Highlight Highlight "Vielleicht gewinnt Vas ja beim täglich Meditieren neue Erkenntnisse." 🙄
  • LeChef 18.08.2019 10:51
    Highlight Highlight „Zudem sei stets klar gewesen, dass die fraglichen Daten keinen Einfluss auf die Wirksamkeit des Produkts und die Sicherheit der Patienten gehabt hätten“

    Warum dann die Daten fälschen? Könnte im Artikel etwas besser erklärt sein.

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