Schweiz
Wirtschaft

UBS ernennt Sergio Ermotti zum neuen CEO, Ralph Hamers tritt zurück

Sergio Ermotti neuer UBS-CEO: Gründe, Reaktionen, Folgen

29.03.2023, 06:5029.03.2023, 13:57
Mehr «Schweiz»
CAPTION ADDITION: ADDS NAME - Newly appointed Group Chief Executive Officer Sergio Ermotti leaves a news conference in Zurich, Switzerland on Wednesday, March 29, 2023. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Er zeigt neu, wolang es geht: Sergio Ermotti.Bild: keystone

Was ist passiert?

Die UBS holt Sergio Ermotti zurück. Er übernimmt erneut den CEO-Posten und wird damit auch die neue Bank nach der geplanten Übernahme der Credit Suisse leiten. Begründet wird dies mit den neuen Herausforderungen, welche der Zusammenschluss mit sich bringt.

Der jetzige CEO Ralph Hamers habe sich bereit erklärt, im Interesse des kombinierten Unternehmens, des Schweizer Finanzsektors und des Landes zurückzutreten, teilte die UBS am Mittwoch mit. Er werde während einer Übergangsphase noch beratend zur Seite stehen, um einen erfolgreichen Abschluss der Transaktion und eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten.

Bereits nach der UBS-Generalversammlung am nächsten Mittwoch übernimmt der Ermotti das Ruder bei der grössten Schweizer Bank als Konzernchef. Seinen Posten als Swiss-Re-Präsident wird er aufgeben. Um jedoch einen geordneten Übergang beim Rückversicherer zu ermöglichen, werde sich Ermotti an der Generalversammlung am 12. April zur Wiederwahl stellen und nach einer kurzen Übergabeperiode zurückzutreten.

Das sagt Ermotti

Newly appointed Group Chief Executive Officer of Swiss Bank UBS Sergio Ermotti, center, UBS Chairman Colm Kelleher, right, and outgoing CEO Ralph Hamers leave after a news conference in Zurich, Switze ...
Ermotti, Kelleher und HamersBild: keystone

Ermotti konnte nicht anders, als den Job bei der grössten Schweizer Bank noch einmal anzunehmen. Zum einen habe er sich verpflichtet gefühlt, zum anderen habe er immer schon bei so einer Fusion dabei sein wollen.

Er fühle sich geehrt, gefragt worden zu sein, diese Transformation zu managen, sagte Ermotti am Mittwoch vor Medien. Ermotti, der nun den Posten als Swiss-Re-Präsident wieder an den Nagel hängen wird, habe es einerseits als einen Ruf zur Pflicht empfunden («call of duty»). Andererseits wäre es für ihn ein Widerspruch gewesen abzulehnen, wo er doch daran glaube, dass es der richtige Schritt für die UBS sei.

Es werde jetzt ein weiteres wichtiges Kapital in der UBS-Geschichte geschrieben, sagte Ermotti. Und seiner Meinung nach sei Grösse eben doch entscheidend. Es sei wichtig für die Schweiz eine stabile globale Grossbank zu haben, wenn das Land ein Finanzzentrum bleiben wolle. Er glaube eher an «too small to survive» (zu klein zum Überleben) als an «too big to fail». Und er wolle mit der Bank hier als Gewinner herausgehen.

Ihm sei gleichzeitig durchaus bewusst, dass man nun erst einmal Vertrauen wiederherstellen müsse. Auch brauche er erst einmal einige Monate Zeit, um all die offenen Fragen zu beantworten. Da bitte er um Geduld.

Auch wisse er heute noch nicht, ob zu weiteren Veränderungen im Top-Management kommen wird. Sowohl die UBS als auch die CS hätten sehr gute Leute. Die ganze Situation müsse jetzt erst noch ausgewertet werden. Und dabei wolle er unvoreingenommen an die Sache rangehen und das Beste für die Mitarbeiter rausholen, für die der UBS und der CS gleichermassen.

Jetzt stehe die Stabilisierung der Situation im Vordergrund, sagte zudem Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher. Danach müsse man alles ganz genau anschauen. Die Kultur der CS sei schon eine andere als die der UBS. Und es gebe einen «schlechten» Teil, welcher vor allem das Investment Banking und das Riskmanagement betreffe. Die Vermögensverwaltung hingegen sei grösstenteils «sauber».

Die UBS hatte vor anderthalb Wochen angekündigt, die nach mehreren grossen Skandalen in starke Bedrängnis geratene Credit Suisse für 3 Milliarden Franken in UBS-Aktien zu übernehmen.

So erklärt der Verwaltungsrat den Wechsel

UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hat vor den Medien erkärt, warum er Sergio Ermotti als geeigneten Konzernchef der neuen Super-Grossbank UBS sieht. Entscheidend sei bei der Wahl jedoch nicht seine Nationalität gewesen, sagte er am Mittwoch.

epa10548396 Newly appointed Group Chief Executive Officer of Swiss Bank UBS Sergio P. Ermotti (R) and UBS Chairman Colm Kelleher attend a news conference in Zurich, Switzerland, 29 March 2023. Followi ...
Kelleher und ErmottiBild: keystone

Es sei «nett», dass Ermotti Schweizer ist, es handle sich aber um eine globale Lösung und nicht um eine schweizerische. Immerhin sei es die grösste Bankenfusion seit der Finanzkrise 2008. Es helfe vielleicht bei der Kommunikation in Bern, es gehe hier aber in keinster Weise darum «politische» Risiken zu vermeiden.

Auch der jetzige CEO, Ralph Hamers, sei geeignet gewesen, sagte Kelleher weiter. Aber der Verwaltungstrat habe entschieden, dass Ermotti der «bessere Pilot» in diesen Zeiten sei. Vielleicht auch, weil er bereits einmal die Investmentbank der UBS verkleinert habe, sagte Kelleher.

ARCHIV --- ZUM NEUEN CEO DER UBS, RALPH HAMERS, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- epa06327259 Ralph Hamers, CEO & Chairman Executive Board of ING Group after he receive t ...
Ralph Hamers war seit 2020 UBS-CEO.Bild: EPA

Für Ermotti ist es indes kein Job auf Zeit. «Ich bleibe, so lange ich dazu gebeten werde, mindestens aber so lange bis 'der Job' getan ist.» Über einen Zeitplan sei nicht gesprochen worden, fügte Präsident Kelleher hinzu. Man dürfe die Herausforderungen, die anstünden, nicht unterschätzen.

Hamers verbarg es nicht, dass er durchaus auch gerne die Integration nach der Übernahme der CS durch die UBS geleitet hätte. Liebend gerne hätte auch er den Job übernommen, wie er sagte. Er unterstütze aber die Entscheidung des Verwaltungsrats.

Er werde Ermotti noch mindestens die nächsten Monate zur Seite stehen, dort, wo er gebraucht werde, sagte Hamers. Wo es ihn danach hinführe, wisse er noch nicht.

Bürgerliches loben - Linksgrüne fordern

Die Ernennung Sergio Ermottis zum neuen Konzernchef der mit der Krisenbank CS fusionierten Grossbank UBS ist seitens der politischen Parteien auf gemischtes Echo gestossen. Bürgerliche lobten den Entscheid. Linksgrüne verlangten eine Verantwortungskultur auf dem Finanzplatz.

Die SVP zeigte sich am Mittwochmorgen erfreut über die Rückkehr Ermottis in schwierigen Zeiten. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA hielt sie fest: «Offensichtlich zeigt die Motion der SVP bereits Wirkung, wonach die Mehrheit der Führung systemrelevanter Unternehmen das Schweizer Bürgerrecht haben muss.» Der Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel kommentierte auf Twitter kurz mit «smart».

Elisabeth Schneider-Schneiter, Nationalraetin CVP-BL, spricht waehrend einer Medienkonferenz ueber die Bilanz der Mercosur-Reise, am Dienstag, 8. Mai 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Schneider-SchneiterBild: KEYSTONE

Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (BL) schrieb ebenfalls auf diesem Kanal, der Entscheid sei gut und richtig. Die Ernennung des Bankers sei «wichtiger als alle politischen Vorstösse».

Die Grünliberalen teilten mit, in die Besetzung des Chefpostens der Bank habe die Politik nicht hineinzureden. Parteipräsident und Nationalrat Jürg Grossen (BE) zeigte sich zuversichtlich, dass Ermotti «die Aufgabe mit Fingerspitzengefühl angehen wird».

Die SP kommentierte den Personalentscheid nicht. Für sie stehen griffige Regelungen im Vordergrund, damit «die Kultur der Verantwortungslosigkeit im Bankensektor» ein Ende findet. Das Prinzip «Gewinne privat, die Kosten dem Staat» müsse gestoppt und das «Finanz-Casino» geschlossen werden. Banken sollten Gesellschaft und Wirtschaft dienen, nicht sie gefährden.

Der Freiburger Nationalrat Gerhard Andrey (Grüne) sagte Keystone-SDA, es dürfe nicht davon abhängen, welche Personalentscheide ein Privatunternehmen treffe. Letztlich brauche es eine Verantwortungskultur. Zu deren Umsetzung müssten Regeln sicherstellen, dass das höchste Management zu seiner Verantwortung steht.

So reagieren die Märkte

Auf die Ankündigung, Sergio Ermotti als Konzernchef zur UBS zurückzuholen, reagiert die Börse positiv. Der Tessiner wird bereits ab kommender Woche am Paradeplatz erneut das Ruder in die Hand nehmen. Die Rückkehr Ermottis kommt damit gut an.

UBS-CEO Ermotti hat 2019 12,5 Mio Franken verdient. (Archiv)
Sergio Ermotti ist zurück bei der UBS.Bild: KEYSTONE

Die UBS-Aktien legen nach einer guten halben Handelsstunde in einem freundlichen Gesamtmarkt 1,9 Prozent zu auf 18,08 Franken, im bisherigen Tageshoch waren es gar 18,27 Franken. Die Titel hatten bereits am Vortag im Zuge einer allgemeinen Beruhigung im globalen Bankensektor 1,7 Prozent zugelegt.

Weniger Freude haben die Aktionäre der Swiss Re. Ermotti gibt nämlich das Amt als Präsident des Verwaltungsrates beim Rückversicherer ab. Die Papiere von Swiss Re büssen im frühen Handel 0,5 Prozent auf 91,82 Franken ein.

Analysten reagieren positiv

Die Rückkehr Ermottis zur UBS wird in Analystenkreisen positiv kommentiert: «Wir begrüssen die Ernennung von Sergio Ermotti und glauben, dass er die richtige Person für die herausfordernde Aufgabe ist», heisst es etwa bei Vontobel. Er habe die Bank bereits nach der globalen Finanzkrise erfolgreich transformiert.

Gemäss ZKB setzt die Bank mit diesem Führungswechsel ein klares Zeichen dafür, dass der Fokus auf der erfolgreichen Integration der Credit Suisse liege. Mit Ermotti hole die UBS einen «ausgewiesenen Kenner der Bank und einen effektiven Vollstrecker» an Bord. Die ZKB-Analysten sind insgesamt der Meinung, dass sich die Risiken für die UBS mit der Übernahme der CS zwar erhöhen, durch die potenziellen Vorteile der Fusion aber mehr als ausgeglichen werden.

Die künftige Zusammensetzung des Führungsteams bei der UBS sei in den Diskussionen der Investoren in der vergangenen Woche ein wichtiges Thema gewesen, kommentiert derweil Goldman Sachs. Die heutige Ankündigung sorge nun für mehr Klarheit und sei entsprechend positiv.

Ein weiterer Marktteilnehmer meinte, dass der CEO-Wechsel auf eine andere Ausrichtung der Prioritäten hindeute. Zur Hauptpriorität werde nun wohl die Integration der CS, während der bisherige Fokus auf organisches Wachstum und Digitalisierung an zweiter Stelle komme.

Sergio Ermotti könnte dabei laut dieser Stimme die richtige Wahl als Restrukturierungsmanager sein, denn der scheidende CEO Ralph Hamers war vor allem auch wegen seiner Erfahrung und Kompetenz im Bereich Digitalisierung zur UBS geholt worden.

(aeg/con/awp/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Mit blossen Händen ausgegraben – wie Minenarbeiter im Kongo gerettet wurden
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
116 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Jonas der doofe
29.03.2023 07:09registriert Juni 2020
Ich bin wirklich, wirklich positiv überrascht!
Im Interesse der Bank ist das wirklich ein guter Schachzug.
Ein Dank auch an Hamers, dass er dazu Hand bietet (wohl nicht umsonst, aber dennoch).
13111
Melden
Zum Kommentar
avatar
Cosmopolitikus
29.03.2023 07:37registriert August 2018
Ein kluger und smarter Schachzug, welcher die Märkte etwas beruhigen wird. Ich halte viel von der Personalie Ermotti und bin zuversichtlich, dass er diese Fusion erfolgreich gestalten wird.
8911
Melden
Zum Kommentar
avatar
ELMatador
29.03.2023 07:34registriert Februar 2020
Ich glaube, es ist ein guter Schritt Richtung Beruhigung des Marktes. Aber warum zum Teufel stellt er sich bei der SwissRE zur Wiederwahl ... Verliert er sonst eine Lohnzahlung oder Ähnliches?

Ist ja nicht so, dass er eine Lücke im Lebenslauf hätte, die ihm eine Anstellung erschweren würde ;-)
5313
Melden
Zum Kommentar
116
Nationalrat will Strommarkt strenger kontrollieren

Der Nationalrat will den Strommarkt strenger kontrollieren. Er hat dazu das Bundesgesetz über die Aufsicht und Transparenz in den Energiegrosshandelsmärkten am Mittwoch einstimmig angenommen. Damit sollen fairere Energiepreise erreicht werden.

Zur Story