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Schweiz
Wirtschaft

Hauseigentümer sollen bei schwerem Erdbeben Schäden mitfinanziere

Erdbeben wie hier in Zagreb k
Erdbeben wie hier in Zagreb im März 2020 können verheerende Schäden anrichten. Die Schweiz blieb von solch starken Beben in den letzten Jahrzehnten verschont.Bild: sda

Hauseigentümer sollen bei schwerem Erdbeben in der Schweiz Schäden mitfinanzieren

In der Schweiz existiert keine bundesweite obligatorische Erdbebenversicherung. Aus Gründen.
09.11.2022, 16:4409.11.2022, 16:46

Beim Eintreten eines schweren Erdbebens sollen alle Hauseigentümer einen Beitrag zur Schadendeckung leisten. Im Nachgang eines Parlamentsentscheids von vergangenem Jahr hat der Bundesrat am Mittwoch eine Vorlage für eine Verfassungsänderung in Auftrag gegeben.

Dabei soll laut dem Bundesrat der Eckwert gelten, dass alle Hauseigentümerinnen und -eigentümer einen Beitrag von maximal 0.7 Prozent der Gebäudeversicherungssumme zur Schadensdeckung leisten sollen. Damit könnten gegenwärtig Gebäudeschäden bis zu rund zwanzig Milliarden Franken abgedeckt werden.

Für wen soll das gelten?

Die Eventualverpflichtung soll für alle Gebäude in der Schweiz mit einer Versicherungssumme bis 25 Millionen Franken gelten, so der Bundesrat. Ausgenommen werden sollen Bundesbauten.

Schwere Erdbeben gehören laut dem Bundesrat zu den seltenen, aber grössten Risiken, denen die Schweiz ausgesetzt ist. In der Schweiz existiert keine bundesweite obligatorische Erdbebenversicherung. Aktuell sind rund 15 Prozent der Gebäude gegen Erdbebenschäden versichert.

Wie gehts weiter?

Die Auslösung der Eventualverpflichtung soll dem Bundesrat obliegen. Erst dann wären je 100'000 Gebäudeversicherungssumme ein Beitrag von höchstens 700 Franken zu entrichten. Geschädigte Gebäudeeigentümer hätten einen Selbstbehalt von 5 Prozent der Versicherungssumme zu tragen.

Diese Vorschläge hatte eine Arbeitsgruppe von Bund, Kantonen und Verbänden gemacht. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) nun beauftragt, bis im Dezember 2023 eine Vernehmlassungsvorlage zu erstellen.

Über die Verfassungsänderung müssten nach dem Parlament auch Volk und Stände abstimmen, bevor sie in Kraft treten könnte.

Warum ist das in der Politik umstritten?

Vergangenes Jahr hatte das Parlament den Bundesrat verpflichtet, Grundlagen für die Finanzierung von Gebäudeschäden im Fall eines Erdbebens mittels einer Eventualverpflichtung zu schaffen. Den Anstoss dafür gab die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerats (Urek-S).

Das Thema Erdbebenversicherung ist jedoch umstritten. Im Parlament lehnte eine Minderheit den Vorschlag ab – und zwar mit dem Argument, dass es schon heute für alle Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern möglich sei, eine Erdbebenversicherung abzuschliessen. Die Verantwortung solle bei den Privaten bleiben.

Der Bundesrat hatte bisher ebenfalls grundsätzliche Bedenken. Eine obligatorische Erdbebenversicherung sei seit 25 Jahren nicht mehrheitsfähig, gab Finanzminister Ueli Maurer (SVP) in der Ratsdebatte zu bedenken. Ein Grund dafür sei, dass es heute gute private Modelle gebe.

(dsc/sda)

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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Pontifax
09.11.2022 18:05registriert Mai 2021
Also macht man bei den Versicherungen jetzt den selben Betrug wie bei der zweiten Säule. Man merkt, für wessen Portemonnaie das Parlament in wahrheit arbeitet...
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Hans -würkli- Nötig
09.11.2022 19:41registriert Juli 2015
Der kleine private Immo-Besitzer der über ein ganzes Leben vielleicht gerade so abzahlen kann soll sich mit Immo-Grosskonzernen und deren Millionengewinnen solidarisch zeigen?
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Ali mini äntli
09.11.2022 17:19registriert September 2021
Erdbebenversicherung finde ich eine gute Sache. Auch wenn mein gestricktes Holzhaus gut gegen Erdbeben geschützt ist. Die Inneneinrichtung könnte hingegen schon Schaden nehmen.
Die kantonalen Gebäudehaftpflichtversicherungen sind hingegen wesentlich günstiger als die privaten Versicherungen die in den Kantonen auf dem Markt sind, welche keine staatliche Versucherung besteht (Kantönligeist halt).
Die "guten, privaten Versicherungen", wie einige Politiker behaupten, sind eben nur gut für die Aktionäre. Desshalb sind sie für mich auch nicht attraktv.
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