Schweiz
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So will Ueli Maurer den Finanzplatz Schweiz grüner machen



Der Bundesrat möchte die Schweiz als führenden Standort für nachhaltige Finanzdienstleistungen etablieren. Er will regulatorische Lücken stopfen, die Transparenz bei Finanzprodukten erhöhen und auch international tätig werden.

Die Regierung hat diese Woche entsprechende Leitlinien zur Nachhaltigkeit im Finanzsektor verabschiedet, wie es in einer Mitteilung vom Freitag heisst. Das Ziel seien Rahmenbedingungen, die einem marktbasierten Ansatz folgten und einen effizienten Preisbildungsmechanismus ermöglichten.

Labels für nachhaltige Produkte

Konkret heisst das etwa, dass relevante sowie vergleichbare Umwelt- und Klimainformationen für Finanzprodukte und Unternehmen systematisch offengelegt werden sollen. Mit mehr Transparenz will der Bundesrat möglichem «Greenwashing» entgegenwirken.

Bundesrat Ueli Maurer spricht waehrend der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 10. Juni 2020 im Nationalrat in einer Ausstellungshalle von Bernexpo in Bern. Damit das Parlament die vom Bundesrat verordneten Verhaltens- und Hygieneregeln zur Bekaempfung der Covid-19 Coronavirus Pandemie einhalten kann, findet auch die Sommersession in Bernexpo und nicht im Bundeshaus statt. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Finanzminister Maurer. Bild: keystone

Transparenz will der Bundesrat insbesondere durch «glaubwürdige Nachhaltigkeits- und Umweltlabels» herstellen, wie er schreibt. Die Entwicklung von Labels geschehe in der Schweiz typischerweise innerhalb der Branche.

Entwicklungen in der EU beobachten

Der Finanzmarkt soll künftig in die Richtung reguliert werden, dass die Akteure die langfristigen finanziellen Risiken richtig erfassen und im Preis abbilden, wie es in den Leitlinien «Sustainable Finance» weiter heisst. Diese basieren auf einem Bericht des Bundesrats zur «Nachhaltigkeit im Finanzsektor Schweiz», den eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) erstellt hat.

Der Bericht vermittelt laut dem Bundesrat erstmals einen Überblick über die internationalen Entwicklungen und über die Positionierung der Schweiz. Es werden 13 zum Teil auch in der EU diskutierte Massnahmen zur Nachhaltigkeit im Finanzsektor, mit Fokus auf Umweltaspekte, detailliert untersucht.

Risikomanagement für Rechtssicherheit

Würden beispielsweise Aktivitäten mit einem hohen CO2-Ausstoss durch den Einsatz von klimapolitischen Instrumenten weniger rentabel und risikoreicher, verteuere dies deren Finanzierung bei korrekter Berücksichtigung der finanziellen Risiken, schreibt der Bundesrat. Das Finanzsystem müsse diesen Entwicklungen Rechnung tragen.

Allen voran die Finanzdienstleister stünden in der Pflicht, Klima- und Umweltrisiken ihrer Produkte zu berücksichtigen. Dadurch werde die Rechtssicherheit erhöht.

Ball liegt bei der Branche

Damit der Schweizer Finanzplatz wettbewerbsfähig bleibe, verfolgten die Behörden gemeinsam mit der Finanzbranche die internationalen Entwicklungen eng, schreibt der Bundesrat weiter. So solle jederzeit ein allfälliger, auch regulatorischer Handlungsbedarf mit Fokus auf die Exportfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes abgeschätzt werden können.

Der Bund soll laut dem Bundesrat eine subsidiäre Rolle wahrnehmen. Hauptverantwortlich sei der Finanzsektor selbst: Er solle sowohl Unternehmen bei der Finanzierung nachhaltiger Investitionen als auch Anlegerinnen und Anleger in Bezug auf nachhaltige Anlagestrategien kompetent beraten. Insbesondere die Verbände sollen sich gemeinsam mit den Bildungsinstituten aktiv für diesbezügliche Aus- und Weiterbildung auf allen Stufen einsetzen.

Klimaverträglichkeit testen

«Der Bund kann im Rahmen seiner Zuständigkeit die Aktivitäten der Branche im Bildungsbereich unterstützen», heisst es in den Leitlinien. Vor allem staatlich anerkannte oder akkreditierte Schweizer Hochschulen betreiben in Zusammenarbeit mit der Finanzbranche Forschung.

Der Bund habe «klare Erwartungen an die Branche» bezüglich Selbstverpflichtung und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes im Bereich Nachhaltigkeit. Die Bundesverwaltung ihrerseits stelle weiterhin die anonymen, freiwilligen und kostenlosen Klimaverträglichkeitstests zur Verfügung.

Parlament mischt mit

Weitere Vertiefungen zu konkreten Massnahmen will der Bundesrat in enger Absprache mit der Branche bis Ende Jahr definieren, wie es im Bericht heisst. Forderungen nach nachhaltigen Finanzflüssen werden immer stärker - sowohl von politischer Seite als auch von den Kundinnen und Kunden selbst.

Inputs kommen auch vom Parlament. Derzeit sind rund dreissig Vorstösse im Bereich nachhaltiger Finanzplatz hängig. Nächstens entscheidet der Nationalrat etwa über eine Motion von Ständerat Ruedi Noser (FDP/ZH), der nachhaltige Finanzprodukte von der Verrechnungs- und der Stempelsteuer befreien will. (aeg/sda)

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • LURCH 27.06.2020 09:11
    Highlight Highlight Warum glaube ich dieses Wort aus dem Munde eines Exponenten dieser Sekte nicht wirklich?
    Betreibt da einer bei sich selber etwa Greenwashing?
    Wir erinnern und doch noch nicht so lange her an die Kampagnen dieser Hetzer.
    Hier ein Auszug davon.
    Benutzer Bild
    • ein bekiffter Holländer 27.06.2020 15:04
      Highlight Highlight Nun ja, finde ich jetzt eine lustige Illustration.
      Du musst ja nicht immer alles so bierernst nehmen.
      Und die RotGrünen fahren nun mal eine scheinheilige Schiene. Soviel ist mittlerweile auch allen klar.
  • Schneider Alex 27.06.2020 05:13
    Highlight Highlight Aber Sie wissen sicher auch, dass der Begriff "Nachhaltigkeit" heute für alles und jedes missbraucht wird. Vor allem werden die ökologischen Interessen systematisch von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen übertrumpft.
  • Pafeld 26.06.2020 22:08
    Highlight Highlight Oder wie es der Postillon schreiben würde:
    Bundesrat erklärt feierlich, dass er sich einen feuchten Kehricht um Umweltstandards bei Finanzprodukten bemühen wird.
  • Demetria 26.06.2020 22:00
    Highlight Highlight Grün ja aber ohne das Sunneli. Und das bedeutet glas klar: staatliche Inspektionen und nicht dümmliche Selbstregulation weil die hat den Schlammassel erst verursacht. Zweitens: die Finanzwirtschaft hat an den Universitäten nichts und zwar absolut nichts verloren. Niemand braucht gesponserte Studien die nur das herausfinden was der Auftraggeber finden will. Noch weniger soll man der Privatwirtschaft Einfluss auf die Universität geben. Die Forschungsfreiheit muss gewahrt werden oder es wird keine grüne Forschung geben!
  • Der Kritiker 26.06.2020 19:50
    Highlight Highlight Der Weg in die Nachhaltigkeit ist zweifelsohne der richtige, aber nicht so, Liebi Froue und Manne! Der Ueli ist strategielos, reagiert nur, hat keine Vision, humpelt irgendwelchen Trends hinterher, weil sie unumgänglich sind. Vor einem halben Jahr hätte er noch jedem den Vogel gezeigt, der mit einer solchen Idee gekommen wäre. So geht's nicht!
  • El Vals del Obrero 26.06.2020 18:13
    Highlight Highlight Das wird sicher etwa so gut funktionieren wie bei der Fleischbranche in Deutschland.
  • cheko 26.06.2020 18:11
    Highlight Highlight Ein SVP Poltiker, der über grüne Politik spricht... das klingt für mich wie.. ein SVP Politiker der.. najaa über GRÜNE Politik spricht.. da kann man nunmal keinen besseren Gegenvergleich bringen 😂 Das passt einfach nicht zusammen 🙈
    • Ökonometriker 27.06.2020 04:18
      Highlight Highlight Es ist ja eben nicht grüne Politik, sondern Umweltschutz durch Eigenverantwortung. Wenn ich als Investor ein nachhaltiges Finanz-Produkt kaufe, möchte ich auch darauf vertrauen können, dass es auch wirklich nachhaltig ist. Das ist eine Frage der Qualität unseres Finanzplatzes.
      Umweltschutz durch Eigenverantwortung und die Qualität des Finanzplatzes sind Themen, welcher der SVP durchaus wichtig sind.
  • Heini Hemmi 26.06.2020 18:03
    Highlight Highlight Der Finanzminister höchstpersönlich lässt sich für eine PR-Aktion der Banken einspannen. Bananenrepubliken lassen grüssen!
  • Cocalero 26.06.2020 17:06
    Highlight Highlight Ueli der beste.
  • Chrisbe 26.06.2020 16:19
    Highlight Highlight Finde den Fehler/ Wiederspruch: Eigenverantwortlich, Nachhaltig, Anständig,.. im Zusammenhang mit Bankern? Selten so gelacht!
  • THEOne 26.06.2020 16:00
    Highlight Highlight ueli the dreeemer.
    in finanzsachen hat die umwelt kein stimmrecht.
    ist so weil war so weil bleibt so weil ist so
  • Lowend 26.06.2020 13:18
    Highlight Highlight Unser Finanzminister klingt wie ein Vertreter der Finanz- und Versicherungswirtschaft.

    Vielleicht müsste man ihn mal erklären, dass er vom Staat und nicht von der Finanzindustrie bezahlt wird, obwohl...
  • Yolo 26.06.2020 13:01
    Highlight Highlight Weil in Umweltfragen die Selbstregulierung immer so toll funktionierte?
    • pamayer 26.06.2020 15:09
      Highlight Highlight Genau, damals, 1433. Vorbildhaft.
  • Paddiesli 26.06.2020 12:35
    Highlight Highlight "Ruedi Noser (FDP/ZH), der nachhaltige Finanzprodukte von der Verrechnungs- und der Stempelsteuer befreien will."

    Eifach Nei!
    • LeChef 26.06.2020 13:50
      Highlight Highlight Warum nicht?
    • Schnurrli 26.06.2020 15:35
      Highlight Highlight @LeChef: Weil: FDP - Fuck de Planet.
    • LeChef 26.06.2020 20:54
      Highlight Highlight Top Argument! Momoll.
    Weitere Antworten anzeigen
  • LURCH 26.06.2020 11:32
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Gipfeligeist 26.06.2020 11:28
    Highlight Highlight "Hauptverantwortlich sei der Finanzsektor selbst: Er solle bei der Finanzierung nachhaltiger Investitionen [...] kompetent beraten"

    Hier liegt der Hund begraben. Warum sollten CS Funktionäre ihre Beziehungen zum Saudi-Sektor aufs Spiel setzen? Warum sollten UBS Manager ihre fossilen Gelder ablehnen?

    Es darf nichts mehr in Öl, Kohle und Pipelines investiert werden. Punkt.
  • Malt-Whisky 26.06.2020 11:23
    Highlight Highlight Nix da. Wir sind ja immer noch in jedem neuen Film und Roman, als die weltweit grössten Geldschweine angesehen.
  • Der Rückbauer 26.06.2020 11:07
    Highlight Highlight Frage: Wer bestimmt, was nachhaltig ist? Oekologen? Ethiker? Oekonomen? Bänksters?
    Solange die Bankoekonomen sagen, was nachhaltig ist, wird die Welt zugrunde gerichtet. Denn die wollen nur eins: Kohle! Die Welt und der Pöbel sind ihnen schnurz. Und die Finanzindustrie ist alles andere als nachhaltig.
    Vom Saulus zum Paulus? Vergisses. Wenn sie dich über den Tisch ziehen, verkaufen sie dir die dabei entstehende Hitze als Netzwärme.
    • Der Rückbauer 26.06.2020 15:06
      Highlight Highlight Sorry, letztes Wort, hab ich mich vertippt: Heisst Nestwärme.
  • Hangover 26.06.2020 11:01
    Highlight Highlight Grünere Finanzdienstleistungen heisst nicht unbedingt weniger schmutzige.


  • PHM 26.06.2020 10:43
    Highlight Highlight Gute Richtungsvorgabe, passieren wird eher wenig. Ich sehe das Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit ja schon. Wir können nicht davon ausgehen, dass andere Länder es besser machen. Irgendwo muss man aber mal anfangen. Und mit solcher Unverbindlichkeit kommt sicher wieder gar nichts dabei rum, ausser das altbekannte Greenwashing:

    "Ball liegt bei der Branche - Damit der Schweizer Finanzplatz wettbewerbsfähig bleibe, verfolgten die Behörden gemeinsam mit der Finanzbranche die internationalen Entwicklungen eng"

    oder

    "Bund habe «klare Erwartungen an die Branche» bezüglich Selbstverpflichtung"

    Benutzer Bild
    • David2000 27.06.2020 00:48
      Highlight Highlight 😂Hahaha bestes meme👍🏼.

Die Jüngeren stecken sich am meisten an – notfalls will Rickli die Clubs wieder schliessen

Im Kanton Zürich steigen die Covid-19-Fälle wieder an, wenn auch nur sehr leicht. Doch es steht ein Wochenende bevor, wo viele Clubs ihre Wiedereröffnung feiern. Geht das in die Hose, erwägt Gesundheitsministerin Natalie Rickli, die Clubs wieder zu schliessen.

Das erste Wochenende seit den letzten Lockerungsmassnahmen steht an. Der Bundesrat hob die Sperrstunde auf, in den Clubs darf wieder bis in die Morgenstunden durchgetanzt werden. Vorerst. An einer Medienkonferenz liess die Zürcher Gesundheitsministerin Natalie Rickli (SVP) durchblicken, dass der Kanton vor Massnahmen nicht zurückschrecke, falls diese zur Eindämmung des Coronavirus notwendig werden. Dazu gehört auch die erneute Schliessung der Clubs, sollten sie sich als Ansteckungsorte erweisen.

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