Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspraesident des Buendner Fleischhandelsunternehmens Carna Grischa AG, aufgenommen an einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 26. November 2014, in Landquart. Wie der Sonntags Blick schreibt, soll das Unternehmen ueber Jahre hinweg falsch deklariertes Fleisch verkauft haben. Der Verwaltungsratspraesident der Carna Grischa AG spricht von Einzelfaellen. Die Buendner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspräsident von Carna Grischa, bei einer Medienkonferenz in Landquart zum Skandal um Falschdeklarationen in seinem Betrieb.  Bild: KEYSTONE

Kunden und Lieferanten bleiben weg

Die 3 grössten Fehler der Krisenkommunikation von Carna Grischa

Das gestrige Mea Culpa des Carna-Grischa-Bosses Ettore Weilenmann vor den Medien konnte die verärgerten Kunden und Lieferanten nicht besänftigen.



Der Bündner Fleischverarbeiter und -lieferant Carna Grischa steht vor einer existenzbedrohenden Umsatzflaute. Am Sonntag war aufgeflogen, dass Carna Grischa jahrelang falsch deklariertes Fleisch an Kunden ausgeliefert hatte.

Gestern versuchte Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspräsident von Carna Grischa, mit einer Medienkonferenz den grossen Gegenschlag. Dabei beging er zwei klassische Fehler in der Krisenkommunikation und verschlimmbesserte damit die kommunikatorische Todsünde, die er bereits am Sonntag begangen hatte. Das sind die Top 3:

1. Kleinreden

Gegenüber dem «SonntagsBlick» sagte Weilenmann, nachdem er die Geschichte mittels superprovisorischer Verfügung zu verhindern suchte, dass Falschdeklarationen in der Branche weitverbreitet seien und die Konkurrenz es noch viel schlimmer treibe. Zudem tönte er an, dass die Konkurrenz einen Agent Provocateur in seinen Betrieb eingeschleust habe, der sich nach nur viermonatiger Tätigkeit im Unternehmen an den «SonntagsBlick» gewandt habe. 

2. Flunkern

Obwohl die Falschdeklarationen sich über Jahre hinzogen und auch noch in jüngster Zeit stattfanden, versuchte Weilenmann, den Eindruck zu erwecken, die Probleme lägen «fast ausschliesslich» bereits einige Jahre zurück. Dabei hat Carna Grischa bis im Oktober dieses Jahres falsch deklariertes Fleisch ausgeliefert. 

3. Verantwortung abschieben

Weilenmann betonte mehrfach, dass die Verfehlungen auf zwei Angestellte zurückzuführen sind, die noch aus der Zeit vor der Übernahme der Firma durch Weilenmann übrig geblieben seien. Für alle anderen Vorkommnisse vor 2013 sei die Führungsriege um den früheren Besitzer der Firma verantwortlich. 

Nicht mehr zu retten

Deshalb hat die gestrige Medienkonferenz den Druck auf Carna Grischa nicht gemindert. Kunden und Lieferanten wollen weiterhin nichts mit der Firma zu tun haben. Und das hat nicht nur mit Angst ums eigene Image zu tun. 

So sagt Andi Schmal, Verkaufsleiter des Geflügelgrossisten Frifag, durch die Blume, dass er mit Carna Grischa in seiner weiteren beruflichen Laufbahn nichts mehr zu tun haben wolle. «Bis zum Abschluss der Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft Graubünden werden wir sicher nicht mehr an Carna Grischa liefern. «Sollte die Untersuchung auch nur kleinste Unregelmässigkeiten in der Fleischdeklaration zu Tage bringen, stellen wir die Zusammenarbeit für immer ein», sagt Schmal. 

In einem Nachsatz übt Schmal auch Kritik an Weilenmann, der noch am Sonntag die Branchenkollegen öffentlich mit in den Schmutz habe ziehen wollen, mit der sinngemässen Aussage, solche Praktiken seien in der Fleischbranche gang und gäbe und andere trieben es noch viel bunter. 

Auch den Grosslieferanten Bell konnte der gestrige vom Top-PR-Büro Hirzel.Neef.Schmid orchestrierte Kniefall Weilenmanns nicht umstimmen. Bell hat seine Lieferungen an Carna Grischa eingestellt und denkt vorderhand nicht daran, diese wieder aufzunehmen. «Zum jetzigen Zeitpunkt hat sich nichts daran geändert, dass wir die Lieferungen an Carna Grischa bis zur Klärung der Vorwürfe aussetzen», sagt Bell-Sprecher Fabian Vetsch. 

Grosskunden stinksauer

Nicht nur die Lieferanten bleiben Carna Grischa fern, auch die Grosskunden werden nicht mehr zurückkehren. So bricht etwa der Grosskantinen-Betreiber ZFV, der neun Kantinen von Carna Grischa hat beliefern lassen, alle Brücken zu Carna Grischa ab. «Die von Carna Grischa angekündigten Massnahmen ändern nichts an unserem Beschluss, die Geschäftsbeziehungen mit dem Betrieb definitiv einzustellen», sagt ZFV-CEO Andreas Hunziker auf Anfrage von watson. 

Ähnlich deutlich tönt es beim Migros-Betrieb Midor, der seine Mitarbeiterkantine in Meilen von Carna Grischa mit Fleisch beliefern liess. «Carna Grischa ist bei Midor kein Thema mehr. Vertrauen ist für uns wichtig und dieses besteht nicht mehr», sagt Midor-Sprecherin Brigitte Delemeschnig.  

Kampf ums Überleben

Für Carna Grischa geht es damit in den nächsten Wochen ums Überleben. Schlimmer als die erwarteten Umsatzrückgänge von zwischen 20 und 40 Prozent auf Kundenseite wiegt die Zurückhaltung der Lieferanten. «Wenn unsere Lieferkette unterbrochen wird, wenn wir nicht mehr liefern können, dann ist das eine Frage von Tagen, bis wir den Betrieb einstellen müssen», sagte Ettore Weilenmann gestern. Dennoch wolle er versuchen, den rund 60 Mitarbeitenden eine geruhsame Weihnachtszeit zu ermöglichen. 

Kennst du schon die watson-App?

85'000 Menschen in der Schweiz nutzen bereits watson für die Hosentasche. Und die Bewertungen sind top. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel