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Jetzt tobt der Preiskampf um Schweizer Feriengäste

Touristen und Einheimischen sind Ferien in der Schweiz zu teuer. Jetzt reagiert Schweiz Tourismus mit Billig-Angeboten
23.06.2015, 07:40
Alexandra Stühff
Ein Artikel von
Aargauer Zeitung

«Die Schweiz zum Verlieben – sparen und geniessen» – so empfängt Schweiz Tourismus Besucher der eigenen Internetseite myswitzerland.com. Das ist insofern bemerkenswert, als die Branche immer wieder betont, dass sie nicht über den Preis mit dem europäischen Ausland konkurrieren kann und will.

Doch in diesem Sommer führt daran kein Weg vorbei: Der starke Franken verleidet es Touristen aus dem Kernmarkt Europa, in der Schweiz Ferien zu machen. Zu teuer. Und: Der starke Franken verleitet Einheimische, Ferien jenseits der Landesgrenzen zu verbringen. Viel günstiger.

Rosige Aussichten sehen anders aus: Deutsche, Italiener, Franzosen und Niederländer – die wichtigsten europäischen Kunden für den hiesigen Tourismus – lassen die Schweiz links liegen. «Das lässt sich allein mit mehr Marketing nicht auffangen», sagt Richard Kämpf, Leiter Tourismuspolitik im Seco.

Aufstockung um 50 Millionen?

Kämpf spielt auf den Versuch von Jürg Schmid an, das Marketingbudget von Schweiz Tourismus für die kommende Periode 2016 bis 2019 um 50 Millionen Franken aufzustocken. Der Chef von Schweiz Tourismus begründet sein Ansinnen mit der Aufhebung des Mindestkurses, die die Branche in arge Bedrängnis gebracht hat. Mit mehr Marketing sollen die Auswirkungen wenigstens «abgedämpft» werden, wie Schmid sich ausdrückt.

Touristen fotografieren den Stundenschlag des Zytgloggeturms in Bern.
Touristen fotografieren den Stundenschlag des Zytgloggeturms in Bern.
Bild: KEYSTONE

Anfang Juni ist sein Begehren im Nationalrat mit grosser Mehrheit abgelehnt worden. In der grossen Kammer überwog die Meinung, dass so viel mehr Mittel fürs Marketing keine Lösung seien. Lediglich zehn Millionen Franken mehr soll Schweiz Tourismus für die kommende Periode erhalten.

Vierte Niederlage in Folge

Für Schmid wäre das die vierte Niederlage in Folge: Seit er die Tourismus-Dachorganisation leitet, hat er bereits dreimal versucht, mehr Mittel vom Bund zu erhalten, als ihm schliesslich bewilligt wurden. Nun droht eine weitere Schlappe. Ende dieser Woche kommt das Geschäft in die Kommission für Wirtschaft und Abgaben WAK des Ständerats. Im Herbst wird dann die kleine Kammer des Parlaments über Schmids Antrag entscheiden. Auch bei Schweiz Tourismus rechnet man nicht damit, dass dieser Entscheid positiv ausfallen könnte.

Martin Nydegger
Martin Nydegger
Bild: PHOTOPRESS

Martin Nydegger ist verantwortlich dafür, dass Schweiz Tourismus nicht nur 20 Millionen, sondern 50 Millionen Franken mehr aus der Bundeskasse möchte. Nydegger ist Mitglied der Geschäftsleitung von Schweiz Tourismus und zuständig fürs Business Development, also die Geschäftsentwicklung: «Der Entscheid, unseren Antrag von 240 auf 270 Millionen zu erhöhen, ist unmittelbar nach dem SNB-Entscheid gefallen», gibt Nydegger offen zu. «Damit hätten wir 12,5 Millionen Franken mehr pro Jahr gehabt, um den Frankenschock abzudämpfen. Damit dürfen wir nicht mehr rechnen.» Nydegger bedaure den Entscheid des Nationalrats, überraschend sei die Absage aber nicht: «Das Parlament ist unter enormem Spardruck. Das Nein war abzusehen.»

Ohne Aussicht auf viel mehr Marketing-Gelder im kommenden Jahr bearbeitet der Verband in der laufenden Periode mit Hochdruck und bestehenden Mitteln vor allem Schweizer Kunden. «Dafür sind wir dankbar. Denn es sind vor allem die Schweizer Gäste, die entscheiden, ob dieser Sommer für uns doch noch ein kleiner Lichtblick wird», sagt Andreas Züllig, Präsident des Hotelverbands Hotellerie Suisse.

So lieben Touristen die Schweiz.
So lieben Touristen die Schweiz.
Bild: KEYSTONE

Bei deutschen Kunden ist nicht mehr viel zu machen. Die Prognose des KOF für den Sommer ist alarmierend: Die Konjunkturforschungsstelle des Bundes rechnet mit einem Einbruch der Logiernächte deutscher Gäste von rund zehn Prozent. Und in einem Zeitraum von 2012 bis 2017 sieht die Schätzung noch düsterer aus: Das KOF prognostiziert gar einen Einbruch von 30 Prozent nur allein bei Gästen aus Deutschland.

Die Preise sinken bereits

Bei den Schweizer Gästen erwartet das KOF im Sommer lediglich einen Rückgang der Logiernächte um knapp zwei Prozent. Und genau hier setzt Schweiz Tourismus an: mit Schnäppchenangeboten. «Grundsätzlich muss man den Schweizern die Schönheit der Schweiz nicht noch näherbringen. Diese Saison dürften vielmehr der Preis respektive das Preis-Leistungs-Verhältnis von Paketangeboten besonders wichtig sein. Und die Preise sinken bereits, das sehen wir deutlich», bestätigt Seco-Experte Kämpf den Trend.

Trotz dieser schwierigen Aussichten überwiegt bei den betroffenen Betrieben längst Pragmatismus: «Der starke Franken ist für uns keine neue Herausforderung. Damit werden wir auch diesmal zurechtkommen müssen», sagt Andreas Züllig. Der Hotellerie-Suisse-Präsident rechnet denn auch nicht damit, dass sich die andauernde Strukturbereinigung nun massiv beschleunigen werde.

Jetzt auf

«Wir werden die Marketing-Mittel, die wir haben, noch besser nutzen müssen. Das bedeutet, dass es in der Branche viel mehr Kooperationen braucht als bisher. Da gibt es noch viel zu tun», so Züllig weiter. Doch die brauchen Zeit. Für diesen Sommer hingegen ist der Weg klar: Es wird die Saison für Schweizer Schnäppchenjäger.

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