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St.Galler Kantonspolizei rehabilitiert den Schweizer Flüchtlingsretter Paul Grüninger 75 Jahre nach seiner fristlosen Entlassung

Eine Fotografie aus früheren Tagen: Der junge Paul Grüninger mit seiner Frau Alice.
Eine Fotografie aus früheren Tagen: Der junge Paul Grüninger mit seiner Frau Alice.Bild: Paul Grüninger Stiftung St. Gallen
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St.Galler Kantonspolizei rehabilitiert den Schweizer Flüchtlingsretter Paul Grüninger 75 Jahre nach seiner fristlosen Entlassung

Der St.Galler Polizeikommandant und Flüchtlingsretter Paul Grüninger ist von der Kantonspolizei in einem feierlichen Akt rehabilitiert worden. Grüningers Tochter Ruth Roduner enthüllte am Freitag eine Gedenktafel beim Eingang zum Polizeikommando.
22.08.2014, 13:5123.08.2014, 11:27
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«Er rettete vor dem Zweiten Weltkrieg vielen verfolgten Menschen das Leben», heisst es auf der schlichten Tafel über Grüninger, der von 1919 bis 1939 Kommandant der St.Galler Kantonspolizei war. Die Enthüllung der Tafel fand im Beisein von Justiz- und Polizeidirektor Fredy Fässler und Polizeioffizieren in Galauniform statt.

«Paul Grüninger sollte uns allen ein Vorbild sein», sagte Fässler. Der Kanton St.Gallen dürfe stolz auf seinen ehemaligen Polizeikommandanten sein. Grüninger (1891-1972) habe, nach der Verhängung einer Grenzsperre für jüdische Flüchtlinge im August 1938 durch den Bundesrat, aus Menschlichkeit gegen die Vorschriften gehandelt.

«Wir werden immer stolz auf ihn sein», sagt Grüningers Tochter Ruth Roduner (92).
«Wir werden immer stolz auf ihn sein», sagt Grüningers Tochter Ruth Roduner (92).Bild: KEYSTONE

Beschwerlicher, jahrzehntelanger Weg zur Rehabilitation

Eine solche Haltung brauche «Mut und Unerschrockenheit – auch heute noch», etwa in der aktuellen asylpolitischen Diskussion. Die Rehabilitierung Grüningers sei leider ein beschwerlicher Weg gewesen und habe mehrere Jahrzehnte gedauert, sagte der Justiz- und Polizeidirektor.

Die Rehabilitation durch die Kantonspolizei, 42 Jahre nach Grüningers Tod und 21 Jahre nach seiner politischen Rehabilitation, sei eine Geste, die er wärmstens unterstütze. Die Idee dazu kam aus dem Polizeikorps selbst. Mit ein Grund könnte der Kinofilm «Akte Grüninger» sein, der die Geschichte Grüningers ins öffentliche Bewusstsein rückte.

«Eine solche Haltung brauche Mut und Unerschrockenheit – auch heute noch – beispielsweise in der aktuellen asylpolitischen Diskussion», sagte Justiz- und Polizeidirektor Fredy Fässler. Hier recht ...
«Eine solche Haltung brauche Mut und Unerschrockenheit – auch heute noch – beispielsweise in der aktuellen asylpolitischen Diskussion», sagte Justiz- und Polizeidirektor Fredy Fässler. Hier rechts bei der Enthüllung der Gedenktafel mit Grüningers Tochter in der Mitte und Polizeikommandant Bruno Zanga links.Bild: KEYSTONE

Grüningers Tochter Ruth Roduner, bald 93 Jahre alt, zeigte sich in einer Ansprache erfreut über die Ehrung. Ihr Vater habe, trotz der harten Konsequenzen seines Handelns für ihn und die Familie, nie etwas bereut und bis zu seinem Tod weder Groll noch Verbitterung gezeigt. «Wir werden immer stolz auf ihn sein.»

Flüchtlingsretter lebte bis zu seinem Tod in Armut

Polizeikommandant Paul Grüninger rettete in den Jahren 1938 und 1939 mehrere hundert jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung. Trotz Schweizerischer Grenzsperre nahm er sie in St. Gallen auf. Um sie zu schützen, missachtete er Weisungen des Bundes und Gesetze.

Unteroffizier Grüninger (mitte) in einer undatierten Aufnahme. 
Unteroffizier Grüninger (mitte) in einer undatierten Aufnahme. Bild: Paul Grüninger Stiftung St. Gallen

1939 entliess die St.Galler Regierung den Polizeikommandanten fristlos. 1940 wurde er wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Er wurde verfemt und später vergessen. Bis zu seinem Tod lebte Grüninger in Armut.

1993 politisch rehabilitiert

1993 rehabilitierte die St.Galler Regierung Grüninger politisch, und 1994 veröffentlichte der Schweizer Bundesrat eine Ehrenerklärung für den Polizeikommandanten und Flüchtlingsretter. 1995 wurde Grüninger auch vom Bezirksgericht St.Gallen in einer Wiederaufnahme des Prozesses freigesprochen und juristisch rehabilitiert.

1998 stimmte der Grosse Rat des Kantons St.Gallen einer materiellen Wiedergutmachung zu und entschädigte die Nachkommen Grüningers für die durch die fristlose Entlassung entstandenen Einbussen.

Grüningers Geschichte wurde vom Schweizer Regisseur Alain Gsponer verfilmt.

Der Trailer. video: youtube/c-films ag

Der ganze Betrag wurde von den Nachkommen in die Paul Grüninger Stiftung eingebracht. Diese verleiht periodisch Preise für besondere Menschlichkeit und besonderen Mut im Sinne Paul Grüningers. In St.Gallen tragen ein Platz in der Altstadt und ein Fussballstadion den Namen des Flüchtlingsretters. (sda)

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