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Studie zeigt: Genussfähigkeit ist so wichtig wie Selbstkontrolle



Genussmenschen haben es schon immer gewusst, nun bestätigt es die Forschung der Uni Zürich: Vergnügen und kurzfristiger Genuss tragen mindestens genauso zu einem zufriedenen Leben bei wie Selbstkontrolle, die es für das Erreichen langfristiger Ziele braucht.

Zentral sei dabei die Fähigkeit, lustvolle Aktivitäten zu geniessen, ohne sich gedanklich davon ablenken zu lassen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine neue Studienreihe der Universität Zürich (UZH) und der Radboud Universität im holländischen Nijmegen, wie die UZH am Montag mitteilte.

Katharina Bernecker, Motivationspsychologin in Zürich, und ihre Forschungspartnerin Daniela Becker in Holland entwickelten einen Fragebogen, der die sogenannte hedonistische Fähigkeit misst – die Fähigkeit, unmittelbaren Bedürfnissen und kurzfristigem Vergnügen nachzugehen und das auch zu geniessen.

Strand, Sonne

Hedonismus ist das Zauberwort. bild: shutterstock

Mit ihrem Fragenkatalog untersuchten die Forscherinnen in verschiedenen Kontexten, ob sich Menschen in dieser Fähigkeit unterscheiden und wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt.

Das Resultat: Menschen, die sich dem Genuss ungeteilt hingeben können, erleben nicht nur kurzfristig mehr Wohlbefinden, sondern weisen generell eine höhere Lebenszufriedenheit auf. Sie leiden zudem weniger an Depressions- und Angstsymptomen.

Geniessen, Hedonismus

Wichtig: Den Moment zu geniessen, ohne Gedanken an anderes. bild: shutterstock

Dabei zeigte sich aber, dass man sich in Genuss- oder Entspannungsmomenten nicht gedanklich ablenken lassen darf, um davon zu profitieren. Das Grübeln über Aktivitäten oder Aufgaben, die man stattdessen erledigen sollte, untergräbt das unmittelbare Bedürfnis, sich zu entspannen.

Sich einfach häufiger einen Abend auf dem Sofa, ein gutes Essen oder ein Bier mit Freunden zu gönnen, führt also nicht automatisch zu mehr Zufriedenheit, so das Fazit der Forscherinnen. Man darf gleichzeitig nicht abgelenkt sein vom Genuss. Und das sei offenbar «nicht ganz so leicht».

Hedonismus-Fähigkeit verbessern

Wie sich die Hedonismus-Fähigkeit verbessern liesse, muss laut den Studienautorinnen noch weiter untersucht werden. Möglicherweise könnte das bewusste Einplanen bestimmter Genusszeiten im Alltag helfen, sie klarer von anderen Tätigkeiten abzugrenzen und so ungestörter auszukosten.

Die Forscherinnen plädieren nun dafür, dass Hedonismus in der Psychologie mehr Wertschätzung erfährt. Die Wissenschaft habe sich bereits viel damit beschäftigt, wie der Mensch seine langfristigen Ziele besser und effektiver verfolgen könne.

«Die Forschung über Selbstregulation sollte dem kurzfristigen Vergnügen und der Fähigkeit zu geniessen aber genauso Aufmerksamkeit schenken», wird Bernecker in der Mitteilung zitiert.

Es herrsche noch die Auffassung, dass primär Selbstkontrolle helfe, ein zufriedenes und erfolgreiches Leben zu führen, indem langfristige Ziele über kurzfristiges Vergnügen gestellt würden. «Doch es sei Zeit umzudenken», betont die Forscherin.

Selbstkontrolle sei zwar durchaus wichtig für ein Leben, das als sinnhaft und erfolgreich empfundenen werde. Aber die Fähigkeit, lustvolle Aktivitäten zu geniessen, trage mindestens ebenso viel zur Lebenszufriedenheit bei.

Dabei stünden beide Fähigkeiten nicht im Widerspruch zueinander. Für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben seien beide wichtig. Es gelte, im Alltag – einmal mehr – die richtige Balance zu finden. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • beaetel 28.07.2020 08:14
    Highlight Highlight Geniessen ist nur möglich, wenn man seine Aufmerksamkeit zu 100 Prozent auf eine Sache lenken kann. Sei das bei einem Eis oder beim Joggen oder bei der Arbeit. Bei einer zu kurzen Aufmerksamkeitsspanne die mittlerweile beim Menschen unter die eines Goldfisches gesunken sei, ist das genauso bedenkenswert, wie wenn man bei der Arbeit, beim Essen oder beim Sport übertreibt. Die Natur hilft uns da generell herunterzufahren, was die Bedingung ist, um überhaupt geniessen zu können. Stress hingegen macht uns nicht nur ungeniessbar, er untergräbt auch unsere Selbstregulierungsfähigkeit.
  • Cirrum 28.07.2020 08:13
    Highlight Highlight Ist ja klar.. verschiedene Empfindungen ist das einzig wahre interessante in userem Leben.. darum ist es das einzig Wichtige, seine Sinne zu schärfen und das Leben wahrzunehmen und zu fühlen. Sei es beim Essen, beim Duschen oder was auch immer... Der Rest ist im prinzip nur Fiktion und vergänglich
  • Der müde Joe 27.07.2020 18:48
    Highlight Highlight Ich muss immer ein bisschen schmunzeln, dass es für solche Sachen eine Studie braucht.😄
    Ich glaube es braucht einfach ein wenig gesunder Menschenverstand, Lebenserfahrung und etwas Disziplin.

    Habe vergangenes Wochenende ganz viel genossen 🍔🥩🍟🍻🥂🍹😋 und jetzt geht es wieder in die andere Richtung🙃 🥗🥒🍉🍒🍓🍳

    Zuviel des guten ist genau so schlecht, wie zuviel des schlechten.😉
  • Garp 27.07.2020 17:48
    Highlight Highlight Und was ist nicht wichtig finde, wieder mehr zu unterscheiden, ob man zufrieden oder glücklich ist. Hier geht es um Zufriedenheit. Man kann auch zufrieden sein, wenn man grad nicht so glücklich ist. 😉
  • Garp 27.07.2020 17:45
    Highlight Highlight Das ist doch nichts Neues, die Mischung macht es immer.
  • AdiB 27.07.2020 17:19
    Highlight Highlight Geniessen ist gesund...👀
    Und dafür musste man geld ausgeben damit dies jemand bestätigt?
    Mir hätte wahrscheinlich die hälfte dieses geldes gereicht um es zu bestätigen. Ich schreibe aber nicht auf, auf welcher weisse ich es gemacht hätte😂
  • Statler 27.07.2020 17:10
    Highlight Highlight Wusste schon Hermann Hesse... «Die Kunst des Müssiggangs» ;)
    • Grisgris 27.07.2020 17:35
      Highlight Highlight Oder hl. Teresa von Avila (1515-1582): "Wenn fasten, dann fasten. Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn"
    • aglio e olio 27.07.2020 19:13
      Highlight Highlight Aber dann kann der Pastor mit „Müssiggang ist aller Laster Anfang“.
      Damit ist auch klar warum ich Atheist bin.

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