Geisteswissenschaften fühlen sich von Bundesrat Parmelin diskriminiert
100 Millionen Franken: So viel erhalten die sechs wissenschaftlichen Projekte über die nächsten vier Jahre insgesamt, die Bundesrat Guy Parmelin Ende Januar zu Nationalen Forschungsprogrammen erhoben hat.
Es sind ausnahmslos Projekte aus den Naturwissenschaften: Medizin, Klima, Physik oder Chemie. Es ist das erste Mal seit den Nullerjahren, dass die Sozial- und Naturwissenschaften leer ausgehen.
Das sorgt für Unmut. Rund 1000 Professorinnen, Professoren und Angestellte aus dem akademischen Mittelbau der Geistes- und Sozialwissenschaften haben einen Protestbrief unterzeichnet. Darüber berichten die Zeitungen von Tamedia.
Die Unterzeichnenden des Briefs monieren «ein strukturelles Ungleichgewicht bei der Forschungsfinanzierung». Und: Sie unterstellen SVP-Bundesrat Guy Parmelin, die Humanities aus politischen Gründen übergangen zu haben.
«Es entsteht der Verdacht, dass es eine inhärente Voreingenommenheit gab zugunsten der ‹harten› Wissenschaften», sagt auch die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften.
Linksdrall und woke Ideologie?
Hintergrund ist, dass gerade die SVP immer wieder gegen einzelne geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen schiesst. Sie unterstellt ihnen einen Linksdrall und woke Ideologie.
Das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), dem Guy Parmelin vorsteht, weist den Vorwurf, die Geisteswissenschaften übergangen zu haben, von sich.
«Am Ende mussten fünf Vorhaben abgelehnt werden, die im Vergleich mit den sechs lancierten Projekten weniger gut abschnitten.» Das WBF hat eine zusätzliche Ausschreibung zur Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften lanciert.
(her)
