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Aare, 29 Grad! Studie zeigt, wie stark sich Flüsse und Seen durch Klimawandel erwärmen 🥵



Ob Aare, Limmat oder Reuss: Schweizer Flüsse könnten bis Ende des Jahrhunderts im Sommer schon fast tropische Temperaturen erreichen. Dies zeigt das Forschungsprojekt Hydro-CH2018 des Bundesamts für Umwelt (Bafu), das am Dienstag publiziert wurde.

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Diese Grafik zeigt, wie stark sich die Gewässer erwärmen. bild: bafu

Die Temperatur in Flüssen und Bächen werde im Sommer im Schnitt um rund 5.5 Grad Celsius steigen, heisst es in der Studie. 2018 erreichte die Aare in Bern die bisherige Rekordtemperatur von 23,7 Grad.

Somit würde der Fluss gegen Ende des Jahrhunderts gegen 29 Grad erreichen. Die Oberflächentemperatur der Seen würde ohne Klimaschutz im gleichen Zeitraum um 3 bis 4 Grad ansteigen, berechneten die Forscher.

40 Prozent weniger Wasser im Sommer

Durch die Hitze und die trockenen Tag ist das gesamte Flussbett der Toess ausgedtrocknet, am Donnerstag, 26. Juli 2018 in Wila. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Wegen der Hitze trocknete 2018 das Flussbett der Töss aus. Bild: KEYSTONE

Der Grund für den starken Temperaturanstieg ist, dass die Pegelstände der Flüsse deutlich sinken werden. «Ohne Klimaschutzmassnahmen wird gegen Ende des Jahrhunderts im Winter im Schnitt 30 Prozent mehr Wasser in den Flüssen sein, im Sommer aber 40 Prozent weniger als bisher», heisst es im Bericht weiter.

Wasser kann in der Schweiz aufgrund des Klimawandels künftig je nach Region und Jahreszeit knapp werden. Andererseits führt mehr Regen lokal zu mehr Überschwemmungen, wie vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) veröffentlichte Ergebnisse eines Forschungsprojekts zeigen.

Im Winter gebe es mehr Niederschlag. Es regne mehr, als dass es schneie, weil die Schneefallgrenze steige. Weniger Schnee und Gletschereis führten zu geringeren Wasserreserven für den Sommer. Der Wasserhaushalt ändere sich. So fliesst im Sommer gemäss den Ergebnissen von Hydro-CH2018 markant weniger Schmelzwasser in Bäche, Flüsse und Seen. Deshalb werde das Wasser auch wärmer.

Mit Klimaschutzmassnahmen, wie sie etwa im revidierten CO2-Gesetz vorgesehen sind, fallen die Veränderungen gemäss Studie moderater aus, haben aber immer noch deutliche Folgen. Die Untersuchungen der Studie erfolgten unter der Leitung des Bafu im Rahmen des National Centre for Climate Services des Bundes (NCCS).

Trockene Sommer

Ein abgemaehtes Gerstenfeld wird am Donnerstag, 26. Juni 2003, in der Magadino-Ebene bei Cadenazzo bewaessert. Die beispiellose Hitzewelle in der Schweiz haelt an. Der Durchzug einer Gewitterstoerung hat am Donnerstag Teilen der Schweiz etwas Regen gebracht. Insgesamt war es aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Von einem Rekordmonat kann bezueglich Trockenheit allerdings nicht gesprochen werden, wie Stephan Bader von MeteoSchweiz sagte. Generell sei der Juni aber bisher sehr trocken. Als Beispiel nannte er das Tessin, wo in der Magadino-Ebene nur fuenf Prozent des ueblichen Monatsregens registriert wurden. (KEYSTONE/Ti-Press/Francesca Agosta)

Wegen der Trockenheit müssen Felder vermehrt bewässert werden. Bild: TI-PRESS/ KEYSTONE

Die Sommer würden künftig trockener und heisser. In landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten könne das Wasser knapp werden, weil die Pflanzen dann viel Wasser benötigten. Gleichzeitig gebe es in dieser Zeit in Zukunft weniger Wasser im Boden und in den Gewässern.

Kulturen und Pflanzensorten, die wenig Wasser benötigen und die Hitze gut ertragen, sowie sparsame, gezielte Bewässerung können gemäss den Autoren eine Lösung zur Anpassung sein. Das Grundwasser sei weniger empfindlich auf Trockenheit als Flüsse und Seen, könne jedoch regional ebenfalls knapp werden, hiess es.

Instabile Gebirge

Naturgefahren wie Überschwemmungen und Rutschungen würden zunehmen. Es werde heftiger regnen, deshalb könne es häufiger zu Überschwemmungen kommen.

Im Hochgebirge «schmelzen aufgrund der steigenden Temperaturen die Gletscher und der Permafrost taut auf», wird Massimiliano Zappa von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zitiert.

Dadurch nehme die Hangstabilität in den Bergen ab. «Hangrutschungen, Felsstürze und Murgänge häufen sich und die Menge an losem Gestein nimmt zu.» Neben steilen Gebirgsflanken würden auch Bauten im Hochgebirge weniger stabil sein.

Bedrohte Biodiversität

Da sich die Gewässer infolge des Klimawandels weiter erwärmen würden, sei die Biodiversität bedroht. Kälteliebende Fische wie Bachforelle oder Äsche müssten in kälteres Wasser ausweichen können. Wasserschichten in Seen können sich aufgrund der Erwärmung nur noch schlecht durchmischen, wie Martin Schmid von der Wasserforschungsanstalt Eawag ausführte. Es werde daher an Sauerstoff fehlen.

«Damit sich die Gewässer an den Klimawandel anpassen können, müssen sie in ihren natürlichen Funktionen gestärkt werden», so Schmid. Neben dem Schutz vor Verunreinigung der Gewässer zählten dazu etwa die Wiederherstellung eines natürlichen Flussbetts und die Entfernung von Hindernissen für die Wanderung von Fischen. Die Beschattung der Uferstreifen durch Bäume trage zur Kühlung der Gewässer bei.

Das Bafu wies darauf hin, dass der Bundesrat im letzten August den Aktionsplan zur Anpassungsstrategie an den Klimawandel verabschiedete. Die verschiedenen Massnahmen darin sind bis 2025 umzusetzen. So könnten etwa Grün- und Wasserflächen in den Städten dazu beitragen, dass es dort weniger heiss wird. Den Tieren und Pflanzen würden neue und besser miteinander verbundene Schutzgebiete helfen, sich besser an den Klimawandel anzupassen. (amü/sda)

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Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker

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Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker
quelle: epa / christos bletsos
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